Bürgerinformationssystem
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Beratungsinhalt: Herr Koch stellt zunächst auf Nachfrage klar, dass die
Wahlordnung und die Geschäftsordnung für den Ausländerbeirat in der jetzt
gültigen Fassung aus dem Jahre 1996 vorliege, dass aber der Ausländerbeirat
schon deutlich länger bestehe. Die heutige Behandlung des TOP im Sozial- und
Gesundheitsausschuss sei darauf zurückzuführen, dass der OB, Herr Mädge, schon
zu Beginn der jetzigen Kommunalwahlperiode vorgeschlagen habe, die
Ausschussarbeit zu straffen. Ein Vorschlag war dabei, den Ausländerbeirat als
Teil des Sozial- und Gesundheitsausschusses zu organisieren. Hierzu fanden
Beratungen in den Fraktionen statt. Die Verwaltung habe jetzt nicht mehr den
Wunsch der Auslösung des Ausländerbeirats. Gleichwohl stellt sich die Frage,
wie dessen Arbeit zukünftig besser organisiert werden und die Wahl zum
Ausländerbeirat mit weniger Aufwand betrieben werden kann. In der Vorlage wurde noch kein konkreter Beschlussvorschlag
gemacht, da zunächst eine Anhörung stattfinden solle und noch keine
abschließende Meinungsbildung erfolge. Hierzu sind zwei Gäste anwesend. Zwei
weitere eingeladene Personen haben leider abgesagt. Die Integration liege allen Fraktionen am Herzen, was durch
verschiedene Aktionen, nicht zuletzt auch das Kulturfrühstück deutlich werde. Herr Koch bedankt sich für die Bereitschaft der Gäste, hier
die konkrete Arbeit und die verschiedenen Organisationsmodelle für
Integrationsarbeit vorzustellen. Herr Sabelhaus stellt sich als jahrelanger Geschäftsführer
der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Ausländervertretungen in Niedersachsen vor
und befindet sich im Auftrag der Vorsitzenden hier, da sie aus beruflichen
Gründen an der Sitzung nicht teilnehmen könne. Die Migranten in Deutschland
hätten ihren Meinungsbildungsprozess zur Vertretung ihrer Interessen dahingehend
abgeschlossen, dass sie sich nicht als zu Ratsgremien eingeladene Gäste
verstünden. Vielmehr wollten sie ihre Interessen selbst vertreten und mit
demokratischer Legitimation eigenverantwortlich handeln. Insofern habe Lüneburg
eine sehr moderne Form der Ausländervertretung, wobei er die alte Bezeichnung
Ausländerbeirat als überholt ansehe. Frau Lange berichtet aus Hannover, dass von den 510.000
Einwohnern 15,4 % Ausländer seien. Diese 78.000 Menschen wären ca. zu einem
Drittel Türken und kämen insgesamt aus 170 Nationen. 22 % der Migranten seien
Kinder und Jugendliche und 40 % aller Neugeborenen hätten einen
Migrationshintergrund. Der Migrationsausschuss in Hannover habe 11 Mitglieder
und es gebe auch dort nur eine geringe Beteiligung bei den Wahlen zum
Ausschuss. Es bestünde Unklarheit darüber, welche Kernaufgaben die Arbeit des
Ausschusses bestimmen und welche Hauptziele mit der Arbeit verfolgt werden
sollten. Der Ausschuss wird von einer Geschäftsstelle betreut, die eine
Ganztagsstelle verteilt auf 3 Personen mit Stundenanteilen umfasst. Aus den o.
g. Gründen komme es immer wieder vor, dass bei haushaltsrelevanten Beschlüssen
der Migrationsausschuss nicht beteiligt werde (z. B. wenn über den Bereich
Kitas im JHA beschlossen werde). Es sei unbefriedigend für die Ausschussarbeit,
dass der Migrationsausschuss noch nicht genügend in der Verwaltung
berücksichtigt werde und zu wenig verankert sei. Herr Wolter fragt nach, wie hoch die Wahlbeteiligung und die
Kosten für die Wahl der Ausschussmitglieder sei. Da Frau Lange diese Zahlen nicht parat hat, sollten sie dem
Protokoll hinzugefügt werden, genau wie Text der Wahlordnung aus Hannover und
einige weitere Papiere. (Folgende Informationen wurden nachgereicht und dem
Protokoll hinzugefügt: Die Wahlbeteiligung in Hannover beträgt
8,4 % und die Kosten für die Wahl betragen 23.000,-- Euro.) Herr Sabelhaus geht auf den Punkt Wahlbeteiligung näher ein
und meint, dass es nicht Sinn einer Wahl sein könne, 100 % Wahlbeteiligung zu
erreichen. Im Vergleich mit den aktuell anstehenden Sozialwahlen, die bisher
nur eine Beteiligung von 1 % haben, wären 10 % ein Super-Ergebnis. Außerdem
müsse man den Hintergrund der Personengruppe sehen, die oft unser parlamentarisches
System kaum kennen würden. Teils kämen die Menschen aus sehr bildungsfernen
Ländern und hätten einen völlig anderen kulturellen Hintergrund. Frau Baumgarten erläutert das Wahlprozedere zum
Ausländerbeirat in der Stadt Lüneburg. Neben der in der Wahlordnung
beschriebenen Personengruppe gebe es aus jeder Fraktion als beratende Mitglieder
eine Person, die die Themen in die anderen Ausschüsse und die Fraktionen
einbringen würden. Aus ihrer Sicht könne die Organisation so weiterhin bleiben.
Lediglich über die Urwahl müsse man nachdenken, da diese hohe Kosten verursache
und es eventuell andere sinnvollere Wege gebe. Frau Lange bestätigt, dass auch
in Hannover zu diesem Punkt eine große Diskussion stattgefunden habe. Man könne
sich vorstellen, dass Vereine und Verbände interessierte Leute benennen, die
dann auf eine Vorschlagsliste kämen. Herr Soldan fragt nach, für welche Bereiche der
Ausländerbeirat zuständig sei. In Lüneburg könnten seines Wissens die
Mitglieder des Ausländerbeirates an jedem Ausschuss als beratende Mitglieder
teilnehmen. Er sehe allerdings auch, dass es nur eine geringe Lobby-Vertretung
gebe. Herr Biblikei meint, dass die geringe Wahlbeteiligung ein
Argument dafür sei, die Ausländer- und Migrationsarbeit zu intensivieren. Er
bemängelt, dass der Ausländerbeirat im letzten Jahr nur einmal getagt habe und
dass Veränderungen erforderlich seien, um die Arbeit zu verbessern. Herr Koch erläutert, dass es derzeit für den Ausländerbeirat
eine Anbindung in der Verwaltung an Herrn Eiselt gebe. Die Vorsitzende werde
auch durch Überlassung eines großen Büros im Glockenhaus, gelegentlich
Praktikanten und allgemein durch Verwaltungshilfe unterstützt. Die Wahl über
Delegierte funktioniere gut, wie das Beispiel Seniorenbeirat zeige. Die
Schwächen und Stärken der verschiedenen Wahlsysteme und die jeweilige Höhe der
Wahlbeteiligung und damit zusammenhängend die Legitimation der gewählten
Personen wird erörtert. Herr Zimmermann argumentiert, dass das Kennenlernen unseres
demokratischen Systems für eine Urwahl spreche und ein gutes Lernfeld sei. Auch
bei den Wahlen in Deutschland sinke die Beteiligung und es gebe bei den
Kommunalwahlen die Unterscheidung, dass EU-Ausländer wählen dürften, andere
Ausländer aber nicht. Herr Dammann berichtet, dass viele ausländische Einwohner an
einer Integration nicht interessiert seien, dass viele Institutionen, u. a.
auch Sportvereine, entsprechende Angebote machen, aber viele Menschen in ihrem
Kulturkreis bleiben wollten. Er schlage deshalb vor, wie auch von vielen
Verbänden gewollt, den Ausländerbeirat in einen Integrationsbeirat
umzubenennen, um das Ziel der Arbeit zu verdeutlichen. Frau Wolf fragt nach, warum so viele Probleme im
Zusammenhang mit dem bestehenden Ausländerbeirat gesehen würden. 1986 wurde im
Rat der Stadt Lüneburg beschlossen, in diesem Bereich tätig zu werden. Es
wurden viele Ideen eingebracht, leider nur geringe finanzielle Mittel zur
Verfügung gestellt. Nur einmal im Jahr könne der Ausländerbeirat wegen dieser
engen finanziellen Grenzen tagen. Sie sei als Delegierte öfter in Hannover und
rund um die Uhr ehrenamtlich für den Ausländerbeirat tätig. Ihrer Ansicht nach
könne der Ausländerbeirat ohne Probleme in Integrationsbeirat umbenannt werden.
Sie entschuldigt die nicht anwesenden Mitglieder des Ausländerbeirates, da
diese arbeiten müssten. Würden sie nicht arbeiten und Sozialhilfe beziehen,
drohe ihnen die Ausweisung. Hinsichtlich der Wahlbeteiligung führt sie aus,
dass viele der ihr bekannten Personen nicht schreiben und lesen könnten und sie
deshalb oft Übersetzungen mache. Die Kultur und damit die Mentalität dieser
Menschen sei ganz anders und sie wüssten oft nicht, was eine Wahl ist und
bedeute. Die drei Wahllokale bei der letzten Wahl in der Stadt Lüneburg waren
oft zu weit von ihrem Wohnsitz entfernt und trotz der mehrsprachigen
Informationsblätter war vielen Wahlberechtigten nicht klar, wo die Wahllokale
sind. Oft würden sie sich auch nicht trauen und hätten Angst vor Kontakten mit
offiziellen Stellen. Herr Sabelhaus würdigt das konstruktive Klima in Lüneburg
und das Ziel, die Migrationsarbeit zu verändern und zu verbessern und sie nicht
abschaffen zu wollen. Er weist darauf hin, dass das seit 1918 bestehende
allgemeine und gleiche Wahlrecht die demokratischen Kompetenzen der Bürgerinnen
und Bürgers stärkt und ein sinnvolles Lernfeld darstelle. Herrn Meihsies fehlt die Zielsetzung für die zukünftige
Arbeit des Ausländerbeirates. Es müsse grundsätzlich entschieden werden, ob der
Ausländerbeirat weiterhin bestehen solle und wenn ja, in welcher Form. Der Rat
müsse sich die Mühe machen, die gewollten Veränderungen zu beschreiben,
insbesondere, was zukünftig anders gemacht werden solle. Es müsse eine Synopse
erstellt werden, die die klassische Integrationsarbeit beschreibt und die
Deutschen und Ausländern die Möglichkeit zur Teilnahme am gesellschaftlichen
Leben biete. Die jeweiligen Fraktionen müssten sich zusammensetzen, um ihre
Vorstellungen zu konkretisieren und auf dieser Grundlage könne eine Vorlage der
Verwaltung erstellt werden. Für eine sinnvolle Integrationsarbeit reiche es
nicht aus, 1.000,-- Euro jährlich zur Verfügung zu stellen oder bloß den Titel
des Ausschusses zu verändern. Herr Koch weist auf die heutige Beratung hin, die nicht
abschließend sein solle. Integration finde auch außerhalb des kulturellen
Bereiches in Betrieben, Kitas oder Schulen vielfältig statt. Die Selbstorganisation
des Rates ist unstrittig, genauso wie die eigenständige Meinungsbildung in den
Fraktionen. Die heutige Beratung solle dabei helfen und die Straffung der
politischen Arbeit sollte hier thematisiert werden. Das hier Besprochene solle
in die Fraktionen weitergeleitet und dort inhaltlich weiterbearbeitet werden.
Herr Bast stimmt der Diskussion in den Fraktionen und einer danach folgenden
Meinungsbildung zu. Bei dem Wahlsystem durch Delegierte glaubt er nicht an eine
Zufallswahl. Frau Lange hält das Delegiertenprinzip zwar einerseits für kostengünstiger,
aber eine Urwahl stärkte den demokratischen Ansatz und gebe den Delegierten ein
verlässlicheres politisches Mandat. Herr Schweers thematisiert noch einmal die geringe
Wahlbeteiligung und weist darauf hin, dass Kirchenvorstände mit einer noch
geringeren Wahlbeteiligung gewählt werden. Auch dort gibt es das
Delegiertensystem und die Mandatsträger fühlen sich trotzdem politisch
legitimiert. Er hält Integration für das vorrangige Ziel und möchte wegkommen
von dem tradierten Bild der Ausländer. Im übrigen könne man keinen dazu
überreden, an einer Wahl teilzunehmen. Frau Schellmann fast die bisherige
Diskussion als offen und positiv zusammen und meint, dass eine Umbenennung des
Ausländerbeirates das nachvollzieht, was inhaltlich schon lange läuft. Auch sie
war damals für die Gründung des Ausländerbeirates und hat sehr dafür geworben.
Für ein Delegiertensystem spreche, dass die gewählten Personen engagiert sind,
sich kümmern würden und Durchstehvermögen haben. Sie findet es sinnvoll, dass
das Thema Integration als Querschnittsaufgabe durch die Beteiligung des
Ausländerbeirates in anderen Ausschüssen verwirklicht wird. Herr Soldan wünscht sich zu der zukünftigen Aufgabe und
Organisation des Ausländerbeirates dessen Stellungnahme. Diese fehlt in der
Vorlage und deshalb falle es ihm schwer, darüber zu diskutieren. Frau Wolf gibt zu überlegen, ob man zukünftig das Wahllokal
für den Ausländerbeirat in der Ausländerbehörde verorten solle. Viele Angeschriebene
wüssten nicht, was der Brief zur Ausländerbeiratswahl bedeute, würden aber zur
Ausländerbehörde kommen, wenn sie von dort angeschrieben würden. Herr Biblikei befürchtet bei einer solchen Organisation,
dass Ausländer dann ihren Anwalt mitbringen, weil sie aufenthaltsrechtliche
Schritte befürchteten. Herr Koch schlägt als eine weitere Alternative vor, die
Wahlen zum Ausländerbeirat mit einer "lockeren" Veranstaltung an
einem zentralen Ort und mit einem informativen und kulturellen Begleitprogramm
zu verbinden und dafür keine dezentralen Wahllokale mehr einzurichten. Da es sich zunächst um eine Anhörung handeln sollte wird
auch kein Beschluss gefasst. Es folgt eine Unterbrechung der Sitzung, da die anwesenden
Mitglieder des Ausländerbeirates die Sitzung des Sozial- und
Gesundheitsausschusses verlassen.
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