Bürgerinformationssystem
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Beratungsinhalt: Ratsherr RIECHEY erinnert an die Diskussion aus dem Fachausschuss zum Thema
‚Radfahren im Kurpark’. Dort sei keine Bereitschaft für eine Änderung
zu erkennen gewesen, daher wolle man nun nochmals eine grundsätzliche Debatte
führen. Ziel des Antrages sei die Erarbeitung einer Kompromisslösung. Man wolle
das Radfahrverbot im Kurpark nicht komplett aufheben, sondern einen Weg
durch den Kurpark für Radfahrer schaffen. Mit dem Bau der Kurparkbrücke habe
man für sehr viel Geld eine Möglichkeit geschaffen, unmittelbar von der
Universität in den Kurpark zu kommen. Es wäre ein Unding, wenn es nicht möglich
sein sollte, auch mit dem Fahrrad dorthin zu gelangen. Die Universität plane,
künftig einen autofreien Campus zu schaffen und auf ökologische Verkehre zu
setzen. Lüneburg verstehe sich zudem als fahrradfreundliche Stadt, aus diesen
Gründen sei es sinnvoll, auch im Kurpark Fahrradfahrern einen Raum zu geben.
Der Passus in der Antragsbegründung, dass „sich in den letzten Jahren ein
grundlegender Wandel im Benutzungsverhalten der Besucher öffentlicher Grün- und
Erholungsflächen vollzogen habe, indem heute mehr und mehr Radfahrer vom
Erholungswert der Grünflächen profitieren wollen und Radfahrer in Grünanlagen
grundsätzlich positiv zu sehen seien, wobei sie vorsichtig fahren und Rücksicht
auf andere Erholungssuchende nehmen sollten“, stamme von der SPD in
Hamburg. Dort habe man das grundsätzliche Verbot des Radfahrens in öffentlichen
Grünanlagen gelockert, um den Interessen der Fahrradfahrer entgegen zu kommen.
Die Gruppe SPD/CDU wolle gerne ein Mehrgenerationenprojekt im Kurpark
einrichten, das halte er ebenfalls für gut, da man nicht die unterschiedlichen
Interessengruppen gegeneinander ausspielen dürfe. Man müsse allen Gruppen die
Möglichkeit geben, den Kurpark zu nutzen. Er glaube, mit dem Antrag auch für
diejenigen, die keine Fahrradfreunde seien, etwas zu verbessern. De facto werde
der Kurpark von Radfahrern genutzt, durch die Umsetzung des Antrages könne man
den Radverkehr auf einen Durchgangsweg konzentrieren, wodurch der gesamte Rest
des Kurparks von Radfahrern frei würde. Die Situation auf den für Spaziergänger
sehr attraktiven Nebenwegen würde sich deutlich verbessern. Die Flächen im
nördlichen Teil des Kurparks werden von den Studenten massiv zur Naherholung
genutzt, daher sei eine verkehrsmäßige Erschließung gut und richtig. Nach
Presseberichten in der Landeszeitung habe die Polizei in der Vergangenheit
keine nennenswerten Verkehrsprobleme registriert. Man könne ein Schild
aufstellen, dass sich Fußgänger und Radfahrer einen mittigen Weg teilten und
Erklärungstafeln anbringen, aus denen deutlich werde, dass mit Ausnahme des
Mittelweges alles rund herum frei von Radfahrern bleiben müsse. Man wolle gerne
im Verkehrsausschuss über diese und andere Lösungen diskutieren. Beigeordneter MEIßNER geht auf die im Antrag genannten Gründe für die Lockerung
des Radfahrverbotes im Kurpark ein. Zum einen solle den Radfahrern, die den
attraktiven Teil des Kurparks aufsuchen wollen, eine bequemere Möglichkeit
gegeben werden, dorthin zu gelangen. Wer mit dem Fahrrad komme, könne den
Kurpark über sieben Zugänge rund um das Areal erreichen. Ferner gebe es vier
Abstellmöglichkeiten für Räder, wenn man es denn nicht schiebenderweise in den
Kurpark mitnehmen wolle. Bequemer gehe es wirklich kaum noch, dennoch fordere
Herr Riechey, dass die Radfahrer auf direktem Weg bis zur Liegewiese fahren
dürfen. Darüber hinaus solle der Hauptspazierweg zum Fahrradweg umfunktioniert
werden. Die dazu gegebene Begründung sei eine Frechheit, die Fußgänger, die
sich gestört fühlten, aufzufordern, auf Seitenwege auszuweichen. Dafür habe
kein Bürger Verständnis und auch die vernünftigen Radfahrer würden anerkennen,
dass es so nicht gehe. Die Nutzungsmöglichkeiten haben sich durch viele
Lockerungen fraglos verändert, dieser jetzigen Forderung werde seine Fraktion
jedoch in keiner Weise nachkommen. Durch eine Freigabe würden in erheblichem Maße die Leute
gefährdet, die den Kurpark zur Erholung aufsuchten, insbesondere ältere Leute
und Menschen mit Kindern. Die naive Vorstellung, zu glauben, dass die Radfahrer
durchweg vernünftig seien und Rücksicht auf die Fußgänger nehmen werden, sei
abwegig. Wer nicht ganz weltfremd sei, erlebe in der Stadt tagtäglich, dass
eine große Zahl von Radfahrern sich verkehrswidrig verhalte. Es sei geradezu
Mode geworden, in Fußgängerzonen, gegen Einbahnstraßen, auf der verkehrten
Straßenseite oder gar als Erwachsener auf dem Gehweg zu radeln. Er habe die
Sorge, dass sich dieses Verhalten einiger Radfahrer im Kurpark fortsetze. Man
könne im Verkehrsausschuss und im Grünflächenausschuss gerne darüber reden, wie
man in Zukunft dem verkehrswidrige Radfahren entgegenwirken könne. Für den
Kurpark habe man schon früher Lösungen gesucht, jedoch bisher nicht gefunden,
da beispielsweise die Installation von Drehkreuzen an den Eingängen
Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen vom Besuch des Kurparks ebenso
ausschließe, wie Radfahrer, die ihr Fahrrad lediglich durch das Areal schieben
wollen. Wer meine, mit dem Vorschlag der Linken einen kürzeren Weg
durch den Kurpark zu erreichen, irre sich. Er habe sich die Mühe gemacht, mit
einem Metermessrädchen die Strecken abzufahren mit dem Ergebnis, dass die
Strecke aus der Stadt über die Kreuzung am Stern und die Uelzener Straße zum
Munstermannskamp 1.310 Meter betrage. Der direkte Weg durch den Kurpark sei
lediglich 80 Meter kürzer. Es könne nicht sein, dass man für eine derart kurze Strecke
all die damit verbundenen Nachteile in Kauf nehme. Das sei mit ihm nicht zu
machen. Ratsherr KUHN geht auf die vielfältigen Nutzer des Kurparks ein. Da im
Kurpark viele Wege nur gut zwei Meter breit seien, wäre es sehr gefährlich,
diese Wege für Radfahrer freizugeben. Die Ruhe im Kurpark wäre nicht mehr
gegeben, er denke da nur an das Klingeln der Radfahrer. Der Arthur-Illies-Weg,
der parallel zum Kurpark verlaufe, sei hervorragend ausgebaut, für Radfahrer
freigegeben und zudem abends zur Sicherheit gut ausgeleuchtet, was im Kurpark
nicht gegeben sei. Aus diesem Grunde rate er dringend von einer Freigabe ab. Ratsherr SOLDAN verwahrt sich gegen die Aussage im Antrag, dass Radfahrer
im Kurpark diskriminiert würden. Niemand werde diskriminiert, vielmehr gebe es
im Kurpark eine Verkehrsregelung die besage, dass das Radfahren verboten sei.
Wenn das eine Diskriminierung darstelle, wo wolle man dann mit diesem Begriff
aufhören ? Der im Antrag vorgezeichnete Weg, der in der Zeichnung schön
offen wirke, sei es keineswegs. Dort wechsele Schatten mit Licht ab, jeder
Verkehrsexperte wisse, dass genau das die Regionen seien, in denen am
leichtesten Unfälle passierten. Ein Fahrrad verursache von sich aus zunächst
einmal keinen Lärm, wer jedoch das ständige Klingeln im Ohr habe, freue sich
über den Erholungswert des Kurparks. Das Klingeln erschrecke vielfach ältere
Leute und auch Mütter mit kleinen Kindern, die ihre ersten Schritte dort
machten. Die Eltern könnten ihre Kinder dort endlich einmal gefahrlos laufen
lassen, das gehe in Zukunft nicht mehr, weil Herr Riechey dort das
Fahrradfahren erlauben möchte. Er verwahre sich auch gegen den Vorschlag, den
Kurpark in einen östlichen und einen westlichen Teil zu gliedern, die durch
einen Fahrradweg in der Mitte getrennt seien. Nur am Rande sei anzumerken, dass
es in Lüneburg in letzter Zeit auch zu Handtaschendiebstählen durch
vorbeifahrende Radfahrer gekommen sei. Die Idee, den Kurpark generell
freizugeben oder zumindest eine Trasse für Radfahrer zu legen, sei Unsinn. Eine
sinnvolle Ergänzung sei hingegen, darüber nachzudenken, wie man von der neu
gebauten Brücke Radfahrer am Rande des Kurparks oder außerhalb entlang zur
Soltauer Straße führen könne. Beigeordneter LÖB stellt fest, dass die demographische Entwicklung im Stadtrat
offenbar noch nicht angekommen sei. Das moderne und junge Lüneburg fahre nun
einmal gerne Rad, daher sei es durchaus nicht unvorstellbar, dass der Wunsch
aufkomme, auch in den Parks Rad zu fahren. Der Kurpark solle, so auch der
Antrag der Gruppe SPD/CDU, zu einem Mehrgenerationenpark entwickelt werden, so
dass man sich zwar nicht von dem Begriff ‚Kurpark’, aber von dem
durch diesen Namen suggerierten Inhalt langsam einmal verabschieden müsse. Der
Kurpark werde von sehr vielen Menschen aus verschiedenen Altersgruppen genutzt,
so dass man ein ‚Miteinander’ herstellen sollte. Ihm sei jedoch von
vornherein klar gewesen, dass es wieder zu einem Spiel werden würde, bei dem
Senioren, Behinderte und Menschen mit Kindern gegen Radfahrer ausgespielt
werden. Daher habe es wenig Sinn, dieses Thema derzeit in diesem Rat zu
diskutieren. Vielmehr erschreckten ihn solche Argumente, wie die Störung durch
das Klingeln. Das zeige, wie hilflos man nach Argumenten suche, um eine
bestimmte Situation, die einem gefalle, nicht verändern zu müssen und der
Realität nicht ins Auge zu schauen. Man werde mit vielen Problemen im Kurpark
weiterleben müssen, wenn man damit beginne, sich vor den Problemen und ihren
Lösungen zu verschließen. Er wolle mit seinem Änderungsantrag das Problem auf
eine Ebene heben, die zu einer Suche führe, wie man miteinander klarkommen
könne, um die Radfahrer besser zur Soltauer Straße und zur Uelzener Straße zu
führen. Dabei habe der Vorrang der Fußgänger Priorität, was die vorgeschlagene
Beschilderung zeige. Wenn man das einmal ausprobierte, sehe man, ob man mit
dieser Lösung klarkomme. Den Rowdy werde man letztlich mit keiner Lösung ganz
ausschließen können, auch der Falschfahrer auf der Autobahn führe nicht zu
deren Schließung, sondern man müsse damit leben und versuchen, das in
irgendeiner Art und Weise in den Griff zu bekommen. Wichtig sei es, für den
Kurpark einen Kompromiss auf einer niedrigen Ebene zu finden, daher bitte er um
die Überweisung in den Verkehrsausschuss. Oberbürgermeister MÄDGE möchte darauf hinweisen, dass das Anordnen von
Geboten und Verboten als Aufgabe des übertragenen Wirkungskreises in seine
Zuständigkeit falle. Wie bereits im Verkehrsausschuss diskutiert, bringe das
Aufstellen von Schildern allein bekanntlich überhaupt nichts. Man müsste einen
separaten Radweg durch den Kurpark bauen mit einer Kostenschätzung von rund
300.000 Euro. Es stelle sich die Frage, ob das gewollt sei. Er plädiere dafür,
die Radwege um den Kurpark herum zu nutzen, Herr Meißner habe aufgezeigt, welch
geringen Streckenunterschied das ausmache. Diesem kleinen Vorteil müsse man den
Aufwand von 300.000 Euro gegenüber stellen, einem Betrag, den man besser in
Kindergärten und Schulen investieren solle. Es bestehe eine Verkehrsregelung im
Kurpark, man werde sich dort vielmehr mit anderen ordnungsrechtlichen Dingen
befassen müssen. Der Kurpark müsse für alle Altersgruppen und
Bevölkerungsschichten gleichermaßen nutzbar gemacht werden, wenn er ein
Bürgerpark, als welcher er einst konzipiert wurde, sein solle. Dazu gehöre auch
die Sicherheit beim Begehen des Kurparks, wofür Radfahrer den geringen Umweg
von 80 Meter um den Kurpark herum in Kauf nehmen müssten. Aus Sicht der
Verwaltung müsse der Kurpark aus den genannten Gründen radfahrerfrei bleiben. (Es erfolgt die Abstimmung über die Überweisung in den
Verkehrsausschuss, siehe Beschlussteil.) Bürgermeister DR. SCHARF möchte als aktiver Radfahrer diese
Verkehrsteilnehmer etwas in Schutz nehmen, da doch ein wesentlicher Teil der
Radfahrer sich rücksichtsvoll und den Verkehrsregeln entsprechend verhalte. Er
wolle die Diskussion nun wieder auf ein realistisches Niveau bringen. Lüneburg
sei eine fahrradfreundliche Stadt, das könne niemand ernsthaft bestreiten. Die
Interessen der Radfahrer hätten immer einen breiten Raum in der Verkehrsplanung
eingenommen, er erinnere da nur an die Diskussionen der neunziger Jahre um den
Verkehrsentwicklungsplan. Der Fahrradverkehr habe seit dieser Zeit ständig
zugenommen, das sei eine positive Entwicklung, zu der die Stadt durch ihre attraktive
Gestaltung beigetragen habe. Das bedeute nun aber nicht, dass alle Ecken der
Stadt unbedingt für Radfahrer zugänglich gemacht werden müssen. Herr Meißner
habe dargestellt, auf welch unterschiedliche Weise der Kurpark zu erreichen
sei. Er stimme Herrn Soldan zu, bei den Radfahrern im Kurpark von
Diskriminierung zu sprechen, sei wirklich Unsinn. Die Entscheidung gegen das
Rad fahren im Kurpark bedeute schlicht und einfach Rücksichtnahme auf die
dortigen Fußgänger und auf die Natur. Ratsfrau EBELING ist froh darüber, dass die Anträge nicht in die
Fachausschüsse überwiesen wurden, da man dort zuletzt am 31. Mai 2007 dieses
Thema ausgiebig diskutiert habe. Der Kurpark mit dem Gradierwerk und der
Wandelhalle sei vom Status her ein Gartendenkmal, daher meine sie, dass der
Kurpark auch nicht umbenannt werden solle. Ratsherr RIECHEY ist enttäuscht darüber, dass sich im Rat keine
Kompromisslösung finden lasse, sondern dogmatisch darauf beharrt werde, keinen
Fahrradverkehr zuzulassen. Er habe eine Kompromisslösung angeboten und er sei
auch für andere Lösungen offen. Was er heute im Rat gehört habe, klinge nicht
nach einer fahrradfreundlichen Stadt. In anderen Städten reagierten die
gleichen Parteien wesentlich fortschrittlicher, als mit diesem heute an den Tag
gelegten konservativen, rückwärtsgewandten Verhalten. Er empfehle einmal einen
Besuch der Grünanlagen in Hamburg, um zu schauen, ob man sich dort derart
belästigt fühle, wie vorgegeben. Mit dieser Argumentation müsse man das
Radfahren in ganz Lüneburg verbieten. Es gelte, Radfahrer mit den anderen
Akteuren im Kurpark zusammen zu bringen und die Gruppen nicht dogmatisch
gegeneinander auszuspielen. Beigeordnete SCHELLMANN weist darauf hin, dass Herr Riechey, wenn er denn
schon Großstädte als Beispiel anführen wolle, zugeben müsse, dass auch Hamburg
nicht jeden Weg zum Rad fahren freigebe.
In London sei das Rad fahren in Parks sogar generell verboten, da die Leute
dort die einzige Möglichkeiten hätten, ohne die übliche Verkehrsgefährdung
spazieren zu gehen. Es gebe in Lüneburg auch für Radfahrer ausreichende
Möglichkeiten, Grünflächen im Kurpark ohne großen Umweg zu erreichen. Man dürfe
nicht die Gefahren übersehen, die sich ergeben, wenn gerade ältere Menschen
durch das Klingeln erschreckt werden und bei dem Versuch, auszuweichen,
stürzten. Diese Situation dürfe man sich nicht leisten. Ratsherr NEUBAUER weist den Vorwurf von Herrn Riechey, dogmatisch zu sein,
entschieden zurück. Wenn hier jemand dogmatisch sei, dann doch wohl dieser
selbst mit seiner Unfähigkeit, dazu zu lernen. Seit zwei Stunden würden hier in
einer reinen Schauveranstaltung nur die Anträge der Linken diskutiert.
Angesichts dieser Anträge sei der Vorwurf, dogmatisch zu sein, wenn man nicht
die Meinung der Linken teile, eine Frechheit. Dogmatismus sei in seiner Partei
nicht üblich. Beschluss: Der
Rat der Hansestadt Lüneburg lehnt den Änderungsantrag der Fraktion Bündnis
90/Die Grünen und damit die Überweisung in den Verkehrsausschuss mehrheitlich
mit den Stimmen der Gruppe SPD/CDU gegen die Stimmen der Fraktion Bündnis
90/Die Grünen, der FDP-Fraktion und der Fraktion DIE LINKE ab. Der
Rat der Hansestadt Lüneburg lehnt den Antrag der Fraktion DIE LINKE mehrheitlich
mit den Stimmen der Gruppe SPD/CDU, der FDP-Fraktion und Teilen der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen bei 1 Ja-Stimme des Ratsherrn Riechey und 5 Enthaltungen
aus den Reihen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie des Ratsherrn Kunath
ab. (7) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |