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Beratungsinhalt: Ratsfrau
VERLINDEN erläutert,
ihre Fraktion wolle mit dem Antrag erreichen, dass der Ende des Jahres
auslaufende Stromliefervertrag zumindest mit dem Kriterium „ohne Atomstrom“ neu
ausgeschrieben werde. Geprüft werden sollte aber auch die Möglichkeit einer
Ausschreibung mit dem Umweltkriterium „ausschließlich regenerativer Strom“.
Zahlreiche Kommunen hätten bereits vorgemacht, dass das möglich sei. Es gebe
viele Gründe, weshalb die Stadt Lüneburg zumindest keinen Atomstrom mehr
beziehen sollte. Neben den mit Atomkraftwerken verbundenen Risiken, sei u.a.
die Frage der sicheren Lagerung des Atommülls nicht geklärt. Die Stadt Lüneburg
fühle sich dem Klimabündnis und der Lokalen Agenda verpflichtet und wolle
erneuerbare Energien unterstützen, deshalb sollten nun den Worten eindeutige Taten
folgen, auch wenn das nicht immer ganz kostenlos machbar sei. Der
Oberbürgermeister habe bei der Tschernobyl-Gedenkfeier selbst betont, wie
wichtig der Ausstieg aus der Atomenergie sei, weil ein ähnlicher Unfall auch in
Deutschland jederzeit geschehen könnte. Man könne Worte nicht ernst nehmen,
denen keine sichtbaren Taten folgten. Der Preis könne nicht das einzige
Argument sein, das bei einer Kaufentscheidung zähle und es werde auch bei
anderen Ausschreibungen der Stadt auf Qualität und Zuverlässigkeit der
angebotenen Waren oder Leistungen geachtet. Es gehe hier um eine
Grundsatzentscheidung, mit der deutlich werde, ob die Stadt tatsächlich zu
ihren politischen Aussagen steht. Ratsfrau
LOTZE macht
deutlich, dass die SPD-Fraktion dem Antrag im Großen und Ganzen folgen könne,
dazu aber noch grundsätzlichen Klärungsbedarf habe, der im Ausschuss für Wirtschaft
und städtische Beteiligungen unter Beteiligung des Ausschusses für Umwelt und
Verbraucherschutz besprochen werden sollte. Dort sollte erläutert werden, wie
die Ausschreibung gestaltet werden müsse um am Ende sowohl das Kriterium
„erneuerbare Energien“ als auch das Kriterium „Preis“ berücksichtigen zu
können. Ratsherr
WOLTER meint, man
könne in Lüneburg nicht die Energieprobleme Deutschlands lösen. Es gebe in
Deutschland keinen Strom, der nicht mindestens 30 – 35% Atomstrom enthalte. Der
Strom, der aus erneuerbaren Energien gewonnen werde, werde in das allgemeine
Netz eingespeist und lasse sich nicht vom Atomstrom trennen. Die Trennung sei
allenfalls rechnerisch möglich, weil die Energieunternehmen Strom aus anderen
Quellen einkaufen und entsprechend anders berechnen. Um einen tatsächlichen
Preisvergleich zu erhalten, müsste eine dreigeteilte Ausschreibung vorgenommen
werden, nämlich erstens mit Atomstrom, zweitens ohne Atomstrom und drittens nur
Naturstrom. Dann würde richtig auffallen, wie teuer der Strom in den Jahren
geworden sei, seit die Grünen mit an der Regierung gewesen seien. Wenn man in
Lüneburg sicher sein wolle, atomfreien Strom zu erhalten, sollte man die
Energie der hier vorhandenen Blockheizkraftwerke einspeisen und nutzen. Ratsherr
REINECKE weist
darauf hin, dass der Rat zwar einerseits umweltfreundliche Energien fördern
wolle, auf der anderen Seite aber auch die wirtschaftliche Situation der Stadt
berücksichtigen müsse. Hier müsse man immer wieder nach einem vernünftigen
Ausgleich suchen, so dass beide Seiten nicht zu kurz kommen. Deutschland
verfüge im Übrigen über die sichersten Atomkraftwerke der Welt und es sei nicht
einsehbar, diese abzuschalten und damit möglicherweise zu forcieren, dass
weitere unsichere Kraftwerke in Osteuropa oder der Dritten Welt gebaut werden.
Er schlage ebenfalls eine Überweisung in den Ausschuss für Wirtschaft und
städtische Beteiligungen unter Beteiligung des Ausschusses für Umwelt und
Verbraucherschutz vor, um über alternative Ausschreibungsmöglichkeiten zu
beraten. Dann könne man am Ende entscheiden, ob die Stadt sich den Einkauf
alternativer Energien leisten könne, oder nicht. Ratsherr
MEIHSIES entgegnet,
für seine Fraktion sei das für die Ausschreibung geforderte Kriterium
„ausschließlich atomstromfrei“ nicht verhandelbar. Einer alternativen
Ausschreibung mit Atomstrom werde die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen nicht
zustimmen. Ratsherr
ZIEGERT hat den
Eindruck, dass der Antrag nicht ganz zu Ende gedacht ist. Zum Einen müssten die
Grünen wollen, dass nicht nur die Stadt Lüneburg, sondern alle Kommunen und
Bürger Strom aus erneuerbaren Energien beziehen wollen. Wenn das so wäre, würde
aber eine Lücke entstehen, die derzeit ohne Atomkraft nicht zu schließen wäre.
Durch eine Steigerung der Abnahme von Strom aus erneuerbaren Energien erreiche
man auch nicht automatisch eine Mehrproduktion, denn schon jetzt müsse der
gesamte mit erneuerbaren Energien erzeugte Strom von den Netzbetreibern
abgenommen werden, trotzdem reiche die Kapazität nicht für den gesamten Bedarf
aus. Einen erhöhten Preis würde er nur dann in Kauf nehmen wollen, wenn damit
diese Energiequelle nachhaltig gefördert würde, das sehe er allerdings hier
nicht. Stadtkämmerer
SAUER teilt mit,
die Stadt habe bereits vor 3 Jahren den Strombezug für die Stadt und die
Tochtergesellschaften ausgeschrieben. Derzeit werde die neuerliche Ausschreibung
strukturiert und vorbereitet. Wesentliches Kriterium sei dabei, ein rechtlich
einwandfreies Verfahren abzuwickeln, so dass die übrigen Bieter das Ergebnis
nicht in einem Einspruchsverfahren aufheben lassen könnten. Sonst werde die
Angelegenheit für die Stadt richtig teuer. Es handele sich um ein sehr kompliziertes
Verfahren, das im Fachausschuss nochmals abgesprochen werde. Dort werde die
Verwaltung einen Vorschlag unterbreiten, der den rechtlichen Anforderungen
standhalten sollte. Auf Nachfrage des Ratsherrn DAMMANN antwortet er,
die Anbieter müssten sich natürlich nach den Kriterien der Ausschreibung
richten. Wenn darin ausschließlich atomstromfreie Energie gefordert würde,
könne nur diese angeboten werden. Falls beide Möglichkeiten gleichzeitig
ausgeschrieben werden sollten, müsse unbedingt vorab im Fachausschuss geklärt
werden, ob man dann strikt nach dem Preis entscheiden könne, um rechtliche
Probleme im Verfahren auszuschließen. Beigeordneter
ALTHUSMANN versteht
die Ängste der Menschen vor Atomkraftwerken. Erstaunlicherweise würden sich die
meisten aber auch vehement wehren, wenn in ihrer Nähe ein Windkraftwerk gebaut
werden solle. Den erhöhten Strompreis zu zahlen seien auch nur wenige bereit.
Die CDU-Fraktion sei zweifellos für die Erhöhung des Anteils regenerativer
Energien. Man müsse aber realistisch bleiben und einsehen, dass der derzeitige
Anteil der Atomenergie von rd. 30 - 35% in den nächsten Jahrzehnten nicht durch
regenerative Energie ersetzt werden könne. Wer den Ausstieg aus der Atomenergie
fordere, müsse den Bürgern auch deutlich sagen, wie er diesen Anteil ersetzen
wolle. Es müssten erheblich mehr Gas- und Windkraftwerke gebaut werden. Mit
Windenergie, Biomasse und anderen regenerativen Energien sei man bisher zudem
technisch noch nicht in der Lage, das Grundlastproblem zu lösen. Das sei aber
entscheidend für eine Volkswirtschaft wie Deutschland. Er halte die
Entscheidung der Bundesregierung, am Atomausstieg festzuhalten, für falsch. Man
dürfe aus dieser Technik nicht aussteigen, weil man sie weiterhin beherrschen
und Ingenieure qualitativ hochwertig ausbilden müsse, um das bestehende hohe
Sicherheitsniveau in Deutschland halten zu können. Ratsfrau
VERLINDEN bittet,
bei einer Überweisung des Antrages in den Ausschuss für Wirtschaft und
städtische Beteiligungen auf jeden Fall auch den Ausschuss für Umwelt und
Verbraucherschutz zu beteiligen. Beigeordneter
DÖRBAUM bekräftigt,
man wolle weiterhin den Weg der Förderung der regenerativen Energien gehen.
Trotzdem müsse in einer angespannten Finanzlage möglich sein, bei einer
Ausschreibung darüber nachzudenken, ob man sich das leisten könne, oder nicht.
Man wolle die Kriterien in den Fachgremien beraten und die Ausschreibung so
vorbereiten, dass sie rechtlich nicht angreifbar sei. Beschluss: Der
Rat der Stadt Lüneburg fasst einstimmig folgenden Beschluss: Der
Antrag wird zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Wirtschaft und
städtische Beteiligungen unter Beteiligung des Ausschusses für Umwelt und
Verbraucherschutz überwiesen. (15,
31) |
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