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Auszug - Integrationskurse (Erfahrungsbericht der VHS)  

 
 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausländerbeirates
TOP: Ö 4
Gremium: Ausländerbeirat Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 22.09.2005    
Zeit: 17:00 - 19:40 Anlass: Sitzung
Raum: Huldigungssaal
Ort: Rathaus
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Stadtdirektor KOCH sieht einen großen Fortschritt in den neuen Bestimmungen im Zuwanderungsgesetz insbesondere in den Integrationskursen und deren Rechts- und Finanzierungsgrundlagen. Auf diese Weise würden diese Kurse für eine Fülle von Personen zugänglich.

 

Frau BORCHERT informiert den Ausländerbeirat über die Erfahrungen der Volkshochschule mit den Integrationskursen. Diese seien ein Angebot für Zugewanderte, die auf Dauer in Deutschland leben und wenig oder gar kein Deutsch sprechen. Die Kurse bestünden - je nach Vorkenntnissen - aus bis zu 630 Unterrichtsstunden, aufgeteilt in 600 Stunden Sprachkurs und 30 Stunden Orientierungskurs. Der Teilnehmerkreis setze sich aus 3 Personengruppen zusammen:

  • neu Zugewanderte mit erstmaliger Aufenthaltserlaubnis hätten einen Anspruch bzw. die Pflicht zur Teilnahme, wenn sie kein Deutsch sprechen könnten;
  • Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler und deren Kinder hätten einen Anspruch auf kostenlose Teilnahme, sofern ihnen nicht früher bereits ein Sprachkurs durch die Bundesagentur finanziert wurde;
  • sogenannte Bestandsausländer, die schon länger in Deutschland leben, könnten auf Antrag eine Teilnahmeberechtigung erhalten.

Ausgenommen seien Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Schule besuchen. Die Teilnehmer, ausgenommen Spätaussiedler, seien verpflichtet, pro Unterrichtsstunde 1 € zu bezahlen. Sei ihnen dies nicht möglich, könnten sie eine Kostenbefreiung beantragen. Mehr als 600 Stunden Sprachkurs würden in keinem Fall finanziert. Wer mehr Stunden benötige, müsse alles darüber hinausgehende selbst bezahlen.

In den Sprachkursen werde der Grundwortschatz für alle wichtigen Bereiche des täglichen Lebens und der Arbeitswelt vermittelt. In den Orientierungskursen gehe es gezielt um die Grundstrukturen in Deutschland, wie Gesetze, Politik, Kultur, Geschichte und Wertesystem.

Der Sprachkurs gliedere sich in Basis- und Aufbausprachkurs mit jeweils 3 x 100 Stunden, an deren Ende jeweils eine Prüfung stehe, die bestanden werden müsse, um in die nächste Stufe aufsteigen zu können. Am Ende des Sprachkurses stehe die Zertifikatsprüfung Deutsch. Wer diese bestanden habe, nehme am Orientierungskurs teil, der ebenfalls mit einem Test abschließe. Die Volkshochschule biete Einstufungstests an, so dass nicht jeder, der schon Deutschkenntnisse mitbringe, bei Null anfangen müsse. Zusätzlich sei ein großer Bedarf an Beratungsstunden hinzugekommen, in denen es nicht allein um Sprachprobleme gehe, sondern auch um Hilfe in verschiedenen Lebenslagen, insbesondere im Umgang mit Behörden, Anträgen, Dokumenten usw.

Seit Januar 2005 seien 6 Integrationskurse begonnen und zum Teil auch schon beendet worden. Einer davon werde in der Lüneburger Moschee mit 16 Frauen und 2 Männern durchgeführt. Inzwischen werde auch ein kombinierter Integrations- und Alphabetisierungskurs angeboten, da einige Teilnehmer gar keine oder nicht die lateinische Schrift beherrschten.

Der Teilnehmerkreis der Integrationskurse sei überwiegend weiblich.

Frau BORCHERT zählt einige statistische Daten zu den Kursen auf und zieht nach den ersten neun Monaten ein positives Fazit, auch wenn für die VHS damit ein hoher Mehraufwand an Beratungstätigkeit verbunden sei. Dafür sei man schon frühzeitig in sehr konstruktive Kooperation mit der Vorsitzenden des Ausländerbeirates sowie der AWO getreten, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenfalls Sprechstunden eingerichtet hätten, aber auch in die Kurse kämen, um Hilfen anzubieten.

Die positiven Effekte für die Teilnehmer gingen über das Erlernen der Sprache hinaus, so hätten bereits einige Teilnehmer Arbeits- oder Ausbildungsplätze gefunden. Viele besuchten auch weiterführende Kurse, die sie selbst finanzieren müssten. Die Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sei allgemein sehr hoch, es gebe geringe Fehlzeiten und bisher nur 2 Kursabbrecher.

Kritikpunkt der VHS an den Kursen sei der sehr hohe bürokratische Aufwand, den sie für die VHS und die Teilnehmer verursachten. Ein weiteres Problem sei die mangelnde Finanzierung der Kinderbetreuung sowie der Fahrtkosten, insbesondere für Teilnehmer aus dem Landkreis.

Positiv sei dagegen die gute Zusammenarbeit und Vernetzung der verschiedenen Institutionen und Anbieter der Integrationskurse untereinander und mit anderen Hilfsorganisationen.

 

Frau HERRMANN von der Firma Salo + Partner, einem weiteren Anbieter von Integrationskursen, bestätigt die Ausführungen von Frau Borchert. Ihrer Meinung nach wäre es allerdings günstiger, wenn die Sprachkurse nicht mit nur 5 Stunden, sondern mit 7 Unterrichtsstunden pro Tag angeboten werden könnten. Das würde zu noch besseren Ergebnissen führen. So müsse das selbe Pensum in kürzerer Zeit vermittelt werden und es bleibe weniger Zeit zur Vertiefung des Lernstoffes.

 

Stadtdirektor KOCH und Frau BORCHERT beantworten Detail- und Hintergrundfragen der Mitglieder des Ausländerbeirates zur Thematik und verteilen ein Faltblatt der Bundesagentur für Migration und Flüchtlinge, das alle Sprachkursangebote in Lüneburg auflistet.

Beschluss:

 

Der Ausländerbeirat nimmt Kenntnis.

 

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