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Auszug - Ochtmisser Kirchsteig - Bodensenkungen (mündlicher Vortrag)  

 
 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung
TOP: Ö 6.1
Gremium: Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mo, 30.05.2005    
Zeit: 15:00 - 18:25 Anlass: Sitzung
Raum: Magistratszimmer (Raum 30)
Ort: Rathaus
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Beigeordneter Dörbaum begrüßt zur Beratung des TOP Herrn Jost – Ing. Gesellschaft Enders & Dührkop -.

 

Stadtbaurätin Gundermann erinnert einleitend daran, dass die Thematik bereits mehrfach im Ausschuss beraten und seitens der Verwaltung über den jeweiligen Sachstand informiert wurde. Ergänzend wurden 2 Anliegerversammlungen vor Ort durchgeführt.

Der sich bisher abzeichnende Schadensverlauf wird noch einmal dargestellt. Eingegangen wird hierbei auf die geologischen Verhältnisse und die im Untergrund festgestellten Deformationen der Bodenschichten. Die Untersuchungen führen zu einer Risikoanalyse und deren Beurteilung. Mit den festgestellten Ergebnissen wird es möglich sein, die Vorgehensweise für weitere Maßnahmen zu empfehlen.

 

Zum Schadensverlauf wird ausgeführt, dass Stauchungen und Zerrungen zu Rissbildungen und zu Versätzen von 30 – 50 cm geführt haben. Rissbildungen konnten sowohl im Fahrbahn- als auch im Gehwegbereich festgestellt werden. Ursache für die aufgetretenen Senkungen ist aber nicht der Verkehr auf der Straße, sondern das Vorhandensein einer Senkungsmulde. Der Senkungszuwachs beträgt auf dem Michaelisfriedhof 9,5 cm und auf dem Ochtmisser Kirchsteig 5 cm. Die Verformungen werden voraussichtlich anhalten. Die Auswertungsergebnisse der Messpunkte deuten darauf hin. Die Senkungszuwächse aus dem Zeitraum Mai 2004 zu Mai 2005 wurden dazu herangezogen. Festgestellt wurde, dass im Untergrund lockere und sehr lockere Lagen vorhanden sind. Geologisch befindet man sich hier am Rande des Salzstockes. Über dem Gipshut liegen mächtige Schichten lockerer Böden und der Salzstock. Entscheidend für die aufgetretenen Verformungen könnte die jahrhundertelang praktizierte Soleförderung gewesen sein. Die bergbauhistorische Entwicklung wird in diesem Zusammenhang aufgezeigt. Unverträglich damit sind jedoch die nur punktuell aufgetretenen Senkungen. Auf die Historie der belegten Erdfälle wird eingegangen. Seit ca. 100 Jahren ist alle 3 Jahre ein Erdfall zu verzeichnen.

Das über dem Salzstock eine Gipskuppe liegt, ist geologisch gesehen, normal. Erdfälle wurden auch schon durch undichte Kanalleitungen hervorgerufen. Das vorhandene Messstellennetz wird anhand einer Karte dargestellt.

Festgestellt wurde, dass die Senkungen einen kontinuierlichen Verlauf haben und noch nicht zum Stoppen gekommen sind.

 

Um bei der Risikoanalyse zu einer aussagekräftigen Beurteilung kommen zu können ist abzuwägen, bis zu welchem Grenzrisiko von einer stabilen Lage und ab wann man von einer unsicheren Lage auszugehen hat. Hierzu sind vier Abfragen erforderlich:

 

-                 Identifikation der möglichen Ereignisse

-                 Eintrittswahrscheinlichkeit

-                 Ermittlung der zu erwartenden Schadensausmaße
und

-                 Ermittlung und Bewertung der Risiken.

 

Aufgrund der festgestellten Senkungen sind ca. 5.000 m³ verloren gegangen. Aus der Erfahrung heraus ist davon auszugehen, dass der entsprechende Hohlraum ca. 10 mal so groß sein müsste.

Von einer Risikominimierung für den Bereich Ochtmisser Kirchsteig kann dann ausgegangen werden, wenn ausgeschlossen werden kann, dass sich an dieser Stelle ein Hohlraum befindet. In diesem Zusammenhang werden noch einmal die bisherigen Bohrergebnisse erläutert. Im weiteren Vorgehen sind 14-tägig Messungen vorgesehen. Eine 4. + 5. Messreihe wird zwischen dem Ochtmisser Kirchsteig und dem Michaelisfriedhof vorgenommen. Die beiden bisherigen Erkundungsbohrungen wurden bis auf eine Tiefe von 83 m hinab geführt, ohne dass man auf einen Hohlraum stieß.

 

Nach Klärung, ob ein Hohlraum an dieser Stelle vorhanden ist oder nicht, wird man eine Neubewertung des Risikos vornehmen. Seitens der Universität Hamburg werden von Geophysikern ergänzend geophysikalische Messungen durchgeführt. Bei der Zusammensetzung der Bodenschichten lässt sich erkennen, dass Partien dieser Schichten durch Verwirbelungen gestört sind. Das lässt in der Beurteilung 2 Hypothesen zu:

 

Hypothese I

Feinsande aus den oberen Schichten fließen seitlich ab.

 

Hypothese II

Es bestehen weitspannende Einsenkungen am Rande des Bereiches des Senkungsgebietes. Kleine begrenzte Einsenkungen sind für die Richtigkeit der Hypothese II jedoch atypisch, so dass mit großer Wahrscheinlichkeit von Hypothese I auszugehen ist.

 

Die Situation mit den festgestellten Tagesbrüchen ist als sicher einzuschätzen, da im geologischen Aufbau der Untergrund von einer mächtigen Tonschicht getragen wird.

 

Beigeordneter Dörbaum geht ebenfalls davon aus, dass eine relative Sicherheit dadurch gegeben ist, weil in diesem Bereich kein Hohlraum festgestellt wurde. Die bisher festgestellten Bewegungen im Erdreich konzentrieren sich auf den Bereich, der derzeit auch untersucht werde.

 

Beigeordneter Körner geht davon aus, dass sich konkrete Aussagen derzeit noch nicht mit abschließender Sicherheit machen lassen. Er hofft aber, dass nach Abschluss der Untersuchungen es dazu kommen wird, dass man den betroffenen Hauseigentümern konkrete Empfehlungen über das weitere Handeln wird geben können.

 

Herr Trapp – Ing.-Büro Enders & Dührkop – ergänzt, dass nicht empfohlen werden kann, die betroffenen Häuser nachträglich auf Stelzen zu setzen. Diese Kosten würden in keinem Verhältnis stehen. Für heutige Neubauten gibt es jedoch entsprechende Empfehlungen des Landes.

 

Ratsherrn Aschenbrenner  interessiert, wo die Messpunkte angelegt und wie gemessen wird. Er möchte wissen, ob es denkbar ist, dass der Hohlraum möglicherweise ganz woanders liegt und dass der feine Sand aus den oberen Schichten möglicherweise auf den Ton- und Lehmschichten bergab läuft.

 

Herr Trapp – Ing.-Büro Enders & Dührkop – erläutert nochmals das Messverfahren. Während der vorgenommenen Bohrungen fanden parallel täglich Messungen statt. Vermutete Wanderbewegungen des feinen Sandes sind hier eher unwahrscheinlich, weil es sich nicht um eine Kuppen-, sondern vielmehr um eine Muldenstruktur mit Trichterwirkung handelt. Zur Untersuchung können Geophone in die vorhandenen Bohrungen eingesetzt werden. Gesicherte Nachweise sind jedoch nur im Umkreis von 6 m zum Geophon möglich.

 

Stadtbaurätin Gundermann verdeutlicht noch einmal, warum diese Untersuchungen überhaupt durchgeführt werden. Die Stadt steht für die öffentlichen Straßen und den Friedhof in der Verantwortung für die öffentliche Sicherheit. Auf den Privatgrundstücken der Hauseigentümer ist die Stadt nur in der Verantwortung aus bauaufsichtlicher Sicht. Deutlich gesagt, sind die Hauseigentümer für die Sicherheit und Standfestigkeit der Gebäude zuständig und tragen hierfür auch die Verantwortung und das Risiko. Dieses anfängliche Verständnis der Anlieger schwindet jedoch mit den zunehmenden Aktivitäten der Stadt zur Ursachenermittlung. Angeboten wurde den Anliegern, auch Messreihen auf deren Privatgrundstücken anzulegen. Hierüber bestand Konsens, zumindest während des abgehaltenen Ortstermins. Gestattungsverträge über die Duldung der Untersuchungen wurden daraufhin übersandt. Leider wurden bis heute noch nicht von allen die Verträge gegengezeichnet zurückgesandt.

Seitens der Stadt ist man bemüht, mit den Eigentümern zu reden und im Gespräch zu bleiben, was sich in der Koordination oftmals nicht einfach gestaltet. Der Rechtsstreit über den Bau des Kreisels läuft hiervon jedoch unabhängig weiter.

Zwischen Stadt und den Anliegern bestehen weiterhin unterschiedliche Auffassungen über den Anstoß und die Betrachtung in dieser Sache. Die Stadt ist bemüht, in die Zukunft zu schauen und den Anliegern hierfür eine akzeptable Lösung vorzuschlagen. Da kein Hohlraum gefunden wurde, gestaltet sich die Analyse der Ursachen schwierig und ist außerdem zeitaufwändig. Dies ist den Anliegern nicht leicht vermittelbar. Die Stadt ist nach wie vor um Hilfestellung bemüht. Insofern ist zwischen Stadt und den Anliegern bis zur Vorlage verwertbarer, aussagekräftiger Ergebnisse der enge Kontakt wichtig.

Die Versorgungsträger sind insofern eingebunden, als dass sie aufgefordert wurden, ihre Leitungen in diesem Bereich zu überprüfen.

 

Beigeordneter Dörbaum kann die Sorgen der Anlieger nachvollziehen. Kurios ist für ihn, dass die Häuser unterschiedliche Grade von Schädigungen aufweisen. Für ihn ist es in der Vorgehensweise wichtig, dass eine

 

-                 Intensive Ursachenforschung

-                 Risikobeurteilung und –einschränkung
und

-                 Analyse, welche Maßnahmen sofort zur Risikominimierung

 

vorgenommen wird. Eine mögliche Kausalität zur Baumaßnahme Kreisel ist hiervon jedoch unabhängig zu betrachten.

 

Bürgermeisterin Schellmann macht deutlich, dass das allgemeine Risiko, den betroffenen Hauseigentümern jedoch nicht abgenommen werden kann.

Wichtig ist, dass seitens der Stadt abgeklärt wird, was sie in ihrem Verantwortungsbereich abzudecken hat. Gleiches haben jedoch auch die Hauseigentümer für ihre Grundstücke in ihrem eigenen Verantwortungsbereich zu erbringen. Dies mit abzudecken kann nicht Aufgabe der Stadt sein.

 

Weitere Wortmeldungen liegen  nicht vor.

 

Beschluss:

Beschluss:

 

Der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung nimmt den vorgetragenen Sachstand zur Kenntnis.