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Auszug - Bericht zur Fusion von Universität Lüneburg und Fachhochschule Nordostniedersachen (Referenten: Frau Prof. Dr. Cremer-Renz und Herr Prof. Dr. Donner)  

 
 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Lüneburg
TOP: Ö 6
Gremium: Rat der Hansestadt Lüneburg Beschlussart: (offen)
Datum: Fr, 18.02.2005    
Zeit: 17:00 - 19:40 Anlass: Sitzung
Raum: Huldigungssaal
Ort: Rathaus
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Herr PROF. DR. DONNER berichtet, der Schritt zur Fusion sei gewagt worden, nachdem deutlich wurde, dass beide Hochschulen vor Ort auf Grund der Ressourcenkürzungen jede für sich wenig Chancen auf erfolgreiche Weiterentwicklung gehabt hätten. Da mit dem Prozess von Bologna ohnehin eine gewisse Vereinheitlichung der Studiengänge anstehe, habe man sich zur Fusion entschlossen, u.a. auch um diesen außerordentlich wichtigen Standortfaktor für die Stadt und die Region zu erhalten. Entstanden sei dadurch eine Hochschule in der Größenordnung von Osnabrück oder Oldenburg mit einer dauerhafteren Stabilität, die auch dem inzwischen härteren Wettbewerb standhalten könne. Am 15.09.2004 sei das Fusionsgesetz einstimmig im Nds. Landtag verabschiedet worden. Es enthalte drei wichtige, vom üblichen Hochschulrecht abweichende Aussagen: Die Regelung des Hochschulzugangs sei von der Institution abgekoppelt und jetzt auf den jeweiligen Studiengang bezogen worden. Die unterschiedliche Lehrverpflichtung für Fachhochschul- und Universitätsprofessoren werde individuell, basierend auf einer neuen Richtlinie festgelegt. Für Fachhochschulprofessoren gebe es auf Antrag künftig unter bestimmten Voraussetzungen und unter Einschaltung der wissenschaftlichen Kommission in Hannover die Möglichkeit, in Ämter von Universitätsprofessoren zu wechseln. Zur finanziellen Unterstützung sei der fusionierten Hochschule vom Land für das Jahr 2005 ein Betrag von rd. 46 Mio. € zugesagt worden. Über die Beträge für die kommenden Jahre müsse noch verhandelt werden. Zur Zeit finde das Verfahren zur Umstellung der einzelnen Studiengänge auf Bachelor- und Masterstudiengänge statt. Bis zum Herbst 2005 könnten bereits 21 bis 25 entsprechend umgestellte Studiengänge angeboten werden. Zum Wintersemester 2006/2007 solle die flächendeckende Umstellung abgeschlossen sein, so dass es ab diesem Zeitpunkt keine Aufnahmen in Diplom-, Magister- oder Staatsexamensstudiengänge mehr geben werde. Ab 01.01.05 sei die Fusion förmlich vollzogen worden, seitdem existiere die Fachhochschule nicht mehr als selbstständige Körperschaft öffentlichen Rechts, sondern sei nun Teil der Stiftungsuniversität Lüneburg. Für 2 Jahre gebe es einen Übergangssenat, einen Übergangsstiftungsrat und ein Übergangspräsidium. Parallel dazu laufe derzeit der Findungsprozess für eine neue Präsidentin /einen neuen Präsidenten, der etwa Anfang Juni benannt werden solle.

 

Frau PROF. DR. CREMER-RENZ ergänzt, traditionell verbinde man mit universitärer Hochschulausbildung eine enge Verbindung von Forschung und Lehre. Durch die Integration der Fachhochschule werde jetzt deren Kompetenzprofil im Bereich Anwendungs- und Praxisorientierung und Transfer mit unter das Dach der neuen Universität gebracht. Dies sei ein expliziter Auftrag im Fusionsgesetz, der sich wiederfinde in der Ausgestaltung des Bereiches Forschung, Entwicklung und Transfer und in der Planung der neuen Studiengänge. Die Sorge, dass durch die Fusion das anwendungsorientierte Profil der Fachhochschule verloren gehen könnte, sei also völlig unbegründet. Sehr ernsthaft sei bei der Fusion auch die Zusammenführung der Verwaltungsapparate der beiden Hochschulen durchdacht und in einem zweigestuften Verfahren bereits begonnen worden. Insgesamt würden mit der Fusion die Stärken beider Häuser zusammengeführt und machten eine neuartige Universität am Standort Lüneburg möglich. Dies sei unzweifelhaft die richtige politische Entscheidung zur richtigen Zeit gewesen.

 

Herr PROF. DR. DONNER und Frau PROF. DR. CREMER-RENZ beantworten Fragen der Ratsmitglieder zur möglichen weiteren Entwicklung der Universität und den künftigen Zulassungsbestimmungen.

 

Beigeordneter SRUGIS begrüßt die Fusion, die sich für die Region mit Sicherheit positiv auswirken werde.

 

Ratsfrau VERLINDEN stimmt ihrem Vorredner zu. Sie appelliert an die Stadt, stärker auf die Möglichkeiten und Ressourcen zurückzugreifen, die sich durch die Universität und ihre Studierenden böten. Es gebe dort eine Menge Ideenpotential, das positiv genutzt werden könne, wenn den Studierenden häufiger Möglichkeiten geboten würden, sich praxisbezogen mehr auszuprobieren.

 

Beigeordneter ALTHUSMANN sieht die neue Stiftungsuniversität auch als einen wichtigen Bestandteil des für die Region angestrebten Bildungskompetenzcentrums Nordostniedersachsen, wozu u.a. auch die Ansiedlung der Landesschulbehörde vor Ort gehöre. Die große Zahl der Studierenden bedeute für die Region in jedem Fall einen Angebots- und Nachfragefaktor, der sie nachhaltig stärke. Lüneburg werde künftig mit Sicherheit auch eine wichtige Rolle im Hochschulraum der Metropolregion Hamburg übernehmen. Die Universität sei neben dem Klinikum einer der ersten Standortfaktoren Lüneburgs und er hoffe auf ihre Entwicklung zu einer der erfolgreichsten deutschen Universitäten.

 

Ratsherr REINECKE lobt ebenfalls die Fusion, fürchtet aber, dass die Abschlüsse „Master“ und „Bachelor“ möglicherweise in Deutschland nicht allgemein anerkannt würden. Das Prädikat „Modelluniversität“ bringe nur etwas, wenn es von anderen deutschen Universitäten aufgegriffen und übernommen werde.

 

Herr PROF. DR. DONNER räumt ein, dass die Umstellung auf die Bachelor- und Master-Studiengänge zum Teil noch auf Widerstände stoße. Der Verdacht von Qualitätsmängeln dieser Abschlüsse werde allerdings durch die Überprüfung durch die Akkreditierungsagentur ausgeschaltet. Man werde nur Studiengänge anlaufen lassen, die ein Gütesiegel erhalten hätten, das die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards bezeuge. Er habe keine Zweifel, dass das neue System sich mit der Zeit generell durchsetzen werde.

 

Der Rat der Stadt Lüneburg nimmt den Bericht zur Kenntnis

 

Der Rat der Stadt Lüneburg nimmt den Bericht zur Kenntnis.

 

(V, 4)