Bürgerinformationssystem
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Beratungsinhalt: Beigeordneter
DR. SCHARF meint,
es handele sich um ein sehr sensibles Thema mit dem von Seiten des Rates und
der Verwaltung äußerst zurückhaltend umgegangen werden sollte. Er schildert
detailliert die Hintergründe zu den die künftige Struktur der Trägerschaft des
Ostpreußischen Landesmuseums betreffenden Meinungsverschiedenheiten. Es sei
legitim, dass der Bund Einfluss im Stiftungsrat des Museums gewinnen wolle, das
er finanziell fördere. Das müsse jedoch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl
geschehen, was ebenso für die Stadt Lüneburg gelte. Deshalb wäre es nicht
richtig, einfach zu erklären, man werde Mitglied im Stiftungsrat. Besser sei,
die grundsätzliche Bereitschaft der Stadt zur Mitarbeit im Stiftungsrat zu
erklären und mit dem Stiftungsrat abzuklären, ob dies tatsächlich erwünscht
sei. Stadtdirektor
KOCH erläutert die
Vorlage ausführlich und unterstreicht, es gehe nicht darum, im Stiftungsrat die
Mehrheiten zu verändern. Die Aufnahme der Stadt in den Sitzungsrat sei nur über
eine Satzungsänderung möglich, und diese nach der gegenwärtigen Fassung der
Satzung nur mit einer 2/3-Mehrheit zu erreichen. Dazu
habe der Bund zunächst einmal die allgemeine Bereitschaft der Stadt abgefragt,
hier mitzuwirken, bevor eine solche Diskussion im Stiftungsrat geführt werde.
Der als Tischvorlage vorgelegte Ergänzungsantrag sei allerdings verfrüht, solange
man nicht wisse, welche Rolle der Stadt ggf. im Stiftungsrat zugestanden werde.
Erst wenn dies klar sei, sollte im Kultur- und Partnerschaftsausschuss über
Weisungen an den städtischen Vertreter diskutiert werden. Ratsfrau
LOTZE schildert das
vielfältige Spektrum der Arbeit des Ostpreußischen Landesmuseums und seine
Bedeutung für Lüneburg. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Ereignisse von
Krieg und Vertreibung, die dort u.a. dokumentiert würden, müsse die wichtigste
Botschaft dieses Museums die der Mahnung sein und zu Austausch, Verständigung,
Verzeihung und Versöhnung aufrufen. Die z.Zt. geführte öffentliche Diskussion
schade nicht nur der Integrität des Museums enorm, sondern auch der Stadt
Lüneburg und den ostpreußischen Vertriebenen. Der Bund, der das Museum zu 72 %,
also mit jährlich 900 T€ finanziere, habe im Jahr 2000 eine neue Konzeption zur
Erforschung und Präsentation deutscher Geschichte im östlichen Europa
beschlossen und auch das Ostpreußische Landesmuseum aufgefordert, diese
umzusetzen. U.a. sei darin auch eine neue Trägerschaft mit verstärkter
Verantwortung der öffentlichen Hände vorgesehen. Wenn der Aufforderung des
Bundes nicht nachgekommen werde, müsse mit Kürzung bzw. Streichung der
finanziellen Förderung gerechnet werden. Sie sehe im Übrigen keinen Grund, der
gegen eine Mitarbeit der Stadt im Stiftungsrat spreche. Beigeordneter
LÖB vertritt die
Ansicht, dass die Bundesregierung die stärkere Berücksichtigung der
öffentlichen Interessen an dieser Stelle schon eher hätte einfordern sollen.
Mit der kürzlich vom Stiftungsrat vorgenommenen fristlosen Kündigung des
Museumsdirektors, der es verstanden habe, die Interessen der Vertriebenen und
der Öffentlichkeit geschickt unter einen Hut zu bringen, sei auch der
allgemeine Konsens aufgekündigt worden. Angesichts von Äußerungen des
Stiftungsratsvorsitzenden des Museums in der Zeitung habe er den Eindruck
gewonnen, dass es diesem keineswegs um Versöhnung gehe, sondern darum, die
EG-Erweiterung als Chance zu nutzen, alte Grundbesitzansprüche in Ostpreußen
wieder aufleben zu lassen und Polen „über den Tisch zu ziehen“. Er halte es für
bedenklich, einen städtischen Vertreter in einen Stiftungsrat zu entsenden, der
offenbar solches Gedankengut vertrete. Hier stehe auch der Ruf der Stadt auf
dem Spiel. Deshalb müssten einem solchen Vertreter eindeutige Richtlinien für
seine Tätigkeit im Stiftungsrat mit auf den Weg gegeben werden, deren Inhalte
sich u.a. an der Ausrichtung des Museums auf die Förderung von Versöhnung und
Aussöhnung mit Polen und Russen orientierten, einen Blick auf das heutige Leben
in „Ostpreußen“ ermöglichen sollten und moderne Sichtweisen auf den
Nationenbegriff und die Wandelbarkeit von Grenzen einbezögen. Bürgermeisterin
SCHELLMANN macht
deutlich, das Museum habe die wichtige Aufgabe, unwiederbringlich verloren
gegangene Traditionen und Kulturbereiche, die zur deutschen Geschichte gehören,
in der Erinnerung wach zu halten. Sie bedauere, dass Herr Löb die Kündigung des
Museumsdirektors mit dem jetzigen Vorgang vermischt habe. Es gehe hier nur um
die Abfrage der grundsätzlichen Bereitschaft Lüneburgs, im Stiftungsrat
mitzuarbeiten und diese sollte auf jeden Fall erklärt werden, auch um die
Erweiterung des Museums um die geplante baltische Abteilung nicht zu gefährden.
Beigeordneter
ALTHUSMANN
distanziert sich von den Äußerungen des Herrn Löb. Er teile zwar auch nicht die
Ansichten der von Herrn Löb angegriffenen Personen, halte die Art und Weise wie
er darüber gesprochen habe aber nicht für angemessen. Das Ostpreußische
Landesmuseum habe in seiner Arbeit stets Frieden und Versöhnung in den
Vordergrund gestellt. Es sei keineswegs ein Hort der Reaktion und
Rückwärtsgewandtheit, sondern ein Ort der Pflege unserer Wurzeln, der
Völkerverständigung und des Friedensgedankens. Niemand sollte die Landsmannschaften
unter einen Generalverdacht stellen. Bei der geplanten Einbindung der Stadt in
den Stiftungsrat, an der die Stadt als Standort des Museums ein berechtigtes
Interesse habe, gelte es, die Konstruktion des Stiftungsrates zu beachten. Sie
könne nur auf demokratischem Wege verändert werden. Bürgermeister
FISCHER schließt
sich seinem Vorredner in der deutlichen Kritik an der Rede von Herrn Löb an und
bedauert ebenfalls die Vermischung unterschiedlicher Tatsachen. Das sei weder
im Sinne des Museums noch der Stadt. Es gehe hier lediglich um die simple
Bekundung der Bereitschaft der Stadt, grundsätzlich im Stiftungsrat
mitzuarbeiten. Stadtdirektor
KOCH geht auf
einige in den Reden gefallene Äußerungen erläuternd ein. Beschluss: Der
Ergänzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen mit der Änderung „zu
gegebener Zeit“ wird vom Rat der Stadt Lüneburg mehrheitlich mit den Stimmen
der Gruppe SPD/FDP und der CDU-Fraktion gegen die Fraktion Bündnis 90/ Die
Grünen abgelehnt. Der Rat der Stadt Lüneburg fasst einstimmig bei Stimmenthaltung
eines Mitglieds der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen folgenden geänderten
Beschluss: Die Stadt Lüneburg ist grundsätzlich bereit, im Stiftungsrat der Ostpreußischen Kulturstiftung als Träger des Ostpreußischen Landesmuseums mitzuarbeiten. Der Oberbürgermeister wird gebeten, dazu ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Stiftung, Herrn von Gottberg zu führen. (4) |
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