Bürgerinformationssystem
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Beratungsinhalt: Stadtkämmerer
SAUER: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie mich, bevor die Politik sich zu dem hier
vorliegenden Haushaltsentwurf und den daraus resultierenden Änderungsanträgen
zu Wort meldet, in aller Kürze ein paar wenige Sätze formulieren. Meine Damen und Herren, als wir den Haushaltsplanentwurf auf
den Weg brachten, wussten wir, dass sehr viel in Bewegung ist. Wir wussten um
die Diskussion zur Gemeindefinanzreform, wir wussten um die Frage im
Vermögenshaushalt, wie wird es aussehen mit der PCB-Sanierung. Wir wussten, es
gibt eine Schulreform und es war unbeantwortet, wie wird sich dies finanziell
auswirken. Das heißt also, als wir damit begannen, diesen Haushaltsplan
aufzustellen, hätte man das auch unter die Überschrift fassen können: „Kommt
wir reiten den Wind“. Ich meine, dass wir im Laufe dieser gesamten
Haushaltsberatungen und mit den Ergänzungen, die wir Ihnen vorgelegt haben,
einen Haushalt präsentiert haben, der vor dem Hintergrund bestehender
Unsicherheit sicherlich ein solides Fundament sein wird, um in das Jahr 2004
hinein zu gehen. Wir haben Ihnen erstmals gleichzeitig mit der Einbringung
des Haushaltes auch ein Haushaltskonsolidierungskonzept vorgelegt mit einem
Volumen von noch einmal über 34 Mio. Euro. Ich glaube, dies macht deutlich,
dass auch im 7. Anlauf, auch beim 7. Konsolidierungskonzept es immer noch
Möglichkeiten gibt, weiterhin unter Wahrung der Infrastruktur dieser Stadt zu Kostenreduzierungen
und zu Einnahmeverbesserungen zu kommen. Wir haben Ihnen mit diesem Konsolidierungskonzept aber auch
gezeigt, wo die Schwerpunkte dieser Konsolidierungsmaßnahmen liegen, nämlich
insbesondere im personalwirtschaftlichen Bereich. Ich glaube, im
Personalausschuss ist es auch sehr deutlich geworden, dass wir bei der
Umsetzung dessen tatsächlich bis an die Grenzen der Belastung gegangen sind.
Parallel zu dem Konsolidierungskonzept haben wir Ihnen einen Subventionsbericht
vorgelegt. Dieser Subventionsbericht war nicht unter die Überschrift gestellt:
„Das ist die Abbruchliste hier in der Stadt Lüneburg“, sondern es stand unter
der Überschrift, Ihnen ein Argumentationsmaterial in die Hand zu geben, um auch
gegenüber dem Bürger darstellen zu können, „Seht, in diesem Umfang erbringen
wir als Stadt Lüneburg Leistungen für euch, die vielfach gar nicht im
Bewusstsein enthalten sind.“ Ich glaube, dass es auch eine sehr ordentliche
Verwaltungsleistung war, dies alles zusammen zu stellen. Ich denke, wir haben
im Laufe des Beratungsvollzuges gezeigt, dass wir flexibel auf viele Fragen,
die von Ihnen gekommen sind, reagieren konnten. Für das möchte ich den Kolleginnen
und Kollegen, die da mitgewirkt haben und sich da eingebracht haben, noch ein
herzliches Dankeschön sagen. Wenn wir den Haushalt in dieser Form verabschieden, sind wir
nicht sicher, ob dies dann auch der Haushalt ist, den uns die Bezirksregierung
genehmigen wird. Wir wissen auch nicht, in welchem Zeitraum sich das
Genehmigungsverfahren hinziehen wird. Aber ich meine, wenn wir einen Haushalt
mit diesem, gegenüber der Einbringung noch einmal reduzierten Defizit beschließen
werden, haben wir als Stadt Lüneburg gezeigt, dass wir bereit und in der Lage
sind, unsere Hausaufgaben zu machen und das solide Fundament in dieser Stadt zu
sichern. Vielen Dank!“ Beigeordneter
FIRUS: „Sehr verehrte Frau Ratsvorsitzende, verehrte Kolleginnen
und Kollegen, meine Damen und Herren, ich beginne mit einem Zitat von Winston Churchill: „Ein
Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit; ein Pessimist sieht
eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.“ Der HH-Plan für das nächste Jahr 2004, über den wir heute
entscheiden, wird die Bildungseinrichtungen voranbringen, den sozialen,
kulturellen und sportlichen Sektor sichern, durch angemessene
Infrastrukturmaßnahmen auch in schweren Zeiten die Lebensqualität der Bürger
verbessern und weitere günstige Voraussetzungen für eine gesteigerte
Wirtschaftskraft in der Stadt Lüneburg legen. Unbestritten befinden wir uns in schwierigen Zeiten. Unser
Land ist in einer Stagnationsphase. Schuld sind die schwache Weltwirtschaft und
der Reformstau in wichtigen Politikfeldern. Das belastet die öffentlichen
Haushalte durch wegbrechende Steuereinnahmen einerseits und hohe Sozialausgaben
auf allen Ebenen – bei Bund, Ländern
und Kommunen. Schuldzuweisungen in alle Richtungen und eine Dramatisierung
der Situation bringen uns allerdings nicht weiter. Richtig aber ist: Die
Kommunen brauchen eine wirksame Gemeindefinanzreform, die die Einnahmen der
Städte dauerhaft stärkt und von den Kosten der Langzeitarbeitslosigkeit
entlastet. Darin sollten wir uns alle weiter einig sein und jeder
sollte seinen Einfluss geltend machen, um dieses wichtige Ziel wirklich auch zu
erreichen. Die Lüneburger SPD-Fraktion vertraut aber nicht nur auf
Hilfe von außen. Wie in den Jahren zuvor leisten wir mit einer
Weiterentwicklung des Haushaltskonsolidierungskonzeptes, mit dem wir zusätzlich
33 Mio. € bis 2010 erwirtschaften wollen, unseren eigenen Beitrag zur Konsolidierung
des Haushalts. Dadurch bleiben wir handlungsfähig und bringen unsere Stadt
weiter voran. Der vorliegende Haushalt gibt uns auf jeden Fall dazu die
Möglichkeit. Das Ausgabevolumen beträgt allein für den städtischen
Haushalt rund 247 Mio. Euro. Zusätzlich sind noch Aufwendungen für die
städtischen Stiftungen und die ausgegliederten Betriebe Klinikum und
Anna-Vogeley-Seniorenheim von rund 107 Mio. Euro hinzuzurechnen. Zusammen ergibt
das ein Gesamtausgabevolumen von ca. 354
Mio. Euro – eine beachtliche Summe für die Stadt Lüneburg. Im Vermögenshaushalt stehen netto rund 25 Mio. Euro bereit,
für den Bildungsbereich sind davon 8,522 Mio. Euro vorgesehen. Das sind ca. 34
% des gesamten Investitionsvolumens. Eine stolze Summe. Auf das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen können wir
auch stolz sein. Moderne Kinderbetreuung ist für uns mehr als Aufbewahren.
Schon im Kindergarten können unsere Jüngsten ans Lernen herangeführt werden. Anfang des Jahres haben wir den neuen Kindergarten in
Häcklingen eröffnet. Wir haben damit den Rechtsanspruch auf einen
Kindergartenplatz weiter gesichert und halten zudem den hohen Standard. Die
Gruppengröße bleibt bei max. 23 Kindern. Dafür stellen wir im nächsten
Jahr knapp 11 Mio. Euro zur Verfügung.
Das sind mehr als 5 % der gesamten Ausgaben des Verwaltungshaushaltes. Für die SPD sind Ausgaben bei der Kinderbetreuung nicht
primär eine finanzielle Frage. Für uns sind Ausgaben für die Kinderbetreuung
eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Die entscheidenden Weichen für die
Entwicklung eines Kindes werden nämlich im Elternhaus und im Kindergarten
gestellt. Eine intensive frühe Betreuung und Förderung erhöht die
Bildungschancen unserer Kinder. Eine intensive frühe Betreuung und Förderung
unterstützt auch die Eltern, weil Mütter und Väter Beruf und Familie besser
miteinander vereinbaren können. Was wir hier machen, ist also auch konkrete
Familienpolitik. Nicht zuletzt stellt eine qualitativ gute Betreuung und Förderung
unserer Kinder einen wichtigen Standortfaktor dar. Angesichts einer älter
werdenden Gesellschaft brauchen wir junge Familien in unserer Stadt. In Häcklingen haben wir 2,8 Mio. Euro in die Erweiterung der
Grundschule und den Neubau der Kindertagesstätte investiert. In 2004 investieren wir in der gesamten Stadt weiter: 1. in die Umgestaltung der Anne-Franck-Schule in Kaltenmoor
und der Christiani-Realschule am Kreideberg zu Ganztagsschulen; 2. in die Umsetzung der im neuen Schuljahr beginnenden
Schulreform; 3. in die Weiterführung der PCB-Sanierung im Schulzentrum
Kaltenmoor und in der Herderschule; 4. in die Fortführung des beschlossenen Sanierungsprogramms
über 5 Mio. Euro in 4 Jahren für die anderen Schulen unserer Stadt. Vom Bund erwarten wir für die Ganztagsschulen insgesamt 5,4
Mio. Euro. Die Landesregierung dagegen verweigert uns leider ihren
10prozentigen Anteil in Höhe von 600.000 Euro. Und für die Umsetzung der Schulreform, die nach den Aussagen
der Politiker gar kein Geld kosten sollte, müssen wir in Lüneburg mindestens 2
Mio. Euro ausgeben. Hier sind wir vom Konnexitätsprinzip – wer bestellt,
bezahlt - weit entfernt. Investitionen in unsere Schulen sind Investitionen in die
Köpfe. Wir wissen, dass es zu viele schlecht oder gering ausgebildete und zu
wenig hoch qualifizierte Menschen gibt. Es ist ein Gebot der sozialen
Gerechtigkeit, dass jedes Kind die Chance bekommt, alle seine Begabungen zu
entfalten. Gute Bildung braucht mehr Zeit für das gemeinsame Lernen. Die beiden
neuen Ganztagsschulen sind auf jeden Fall ein wichtiger und richtiger Schritt
zur Verbesserung der schulischen Situation. Ob das auch für die von der neuen
Landtagsmehrheit beschlossene Schulreform gilt, ist nach der jüngsten
wissenschaftlichen OECD-Studie deutlich umstritten. Die Zukunft unserer Stadt liegt uns weiter am Herzen. Unser
Konzept der stadtteilorientierten offenen Jugendarbeit hat sich bewährt und
soll weiter ausgebaut werden. In Häcklingen, Ochtmissen und im Bereich
Ebensberg/Lüne soll es neue Angebote geben. Dafür stellen wir zusätzlich 15.000
Euro zur Verfügung, Dieses dient auch der Kriminalprävention. Und wenn wir
heute dem CDU-Antrag zustimmen, sind es insgesamt 25.000 Euro mehr. Einen wichtigen Beitrag im Bildungsbereich leistet die
Volkshochschule. Ihr Zuschussbudget ist bekanntermaßen knapp bemessen. Trotz
steigender Teilnehmerzahlen brechen bei den Kursen, in denen im wesentlichen
Jugendliche ihre Haupt- und Realschulabschlüsse nachholen, die erwarteten
Einnahmen weg. Wir unterstützen deswegen den Änderungsvorschlag der
Grünen-Fraktion, das Budget der VHS um 10.000 Euro zu erhöhen. Damit wird
dieser bildungs- und gesellschaftspolitisch wichtige Arbeitsschwerpunkt
gesichert. Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, was wäre unsere
Stadt ohne die vielen Leistungen, die von haupt- und ehrenamtlich tätigen
Frauen und Männern in Verbänden, Vereinen und Initiativen im sozialen,
sportlichen und kulturellen Bereich erbracht werden? In unserer Stadt würde
Wesentliches fehlen. Es reicht nicht aus, ihr Engagement im Jahr der
Ehrenamtlichen zu würdigen, sie kommen nicht ohne öffentliche Förderung aus.
Das wollen wir weiter sicherstellen. Unsere Stadt ist kultureller Mittelpunkt unserer Region.
Musikschule, Theater, Konzertreihen, Museen, die Ratsbücherei, das Stadtarchiv,
ich nenne nur einige, sind wichtige Säulen der Kultur. Sie sollen alle erhalten
und weiter gefördert werden. Das gilt auch für das weit über die Grenzen
Lüneburgs hinaus bekannte Fortbildungszentrum für Neue Musik. Wir sind der Meinung:
Für die Durchführung von Konzertveranstaltungen soll die Neue Musik 8.600 Euro bekommen. Wir werden weiter in wichtige Infrastrukturprojekte
investieren. Dazu zähle ich u.a. die Straßenbrücke Lünepark, den Grunderwerb
für die Erweiterung des Gewerbegebietes Bilmer Berg, die städtebaulichen
Sanierungsmaßnahmen Wasserviertel und Kaltenmoor, die Neugestaltung der Kleinen
Bäckerstraße, die Grundsanierung der Nordlandhalle und die schon einige Zeit
währende Erweiterung des Klinikums. Für diese Projekte sind 10,5 Mio. Euro
vorgesehen, das sind rund 42 % des gesamten Investitionsvolumens. Sie sichern
nachhaltig die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt, fördern die heimische
Wirtschaft, erhalten und schaffen Arbeitsplätze, tragen zur dringend
notwendigen Konjunkturbelebung bei. Meine Damen und Herren, ich habe bisher aufgezeigt, wo wir
Prioritäten setzen. Wir investieren im Bildungsbereich, im sozialen,
kulturellen und sportlichen Sektor und auf dem Gebiet der Infrastruktur. Wir
bleiben handlungsfähig, wir sichern in unserer Stadt wichtige Strukturen und
bringen Lüneburg weiter voran. Aber die Zeit der Erfüllung aller Wünsche ist schon längst
vorbei. Uns drückt nach wie vor ein Defizit im Verwaltungshaushalt. Es beträgt,
Sie konnten das heute morgen aktualisiert in der Landeszeitung lesen, 48,7 Mio.
Euro und liegt um 6,5 Mio. über dem Vorjahr. Zum Haushaltsplanentwurf und zum fortgeschriebenen
Haushaltskonsolidierungskonzept gibt es im Ganzen keine Alternative. Es enthält
u.a. drastische Einschnitte im Personalbereich. Diese mit zu tragen, fällt uns
nicht leicht. Aber wir sind uns einig, dass es auch weiterhin keine betriebsbedingten
Kündigungen geben wird. Der vorgeschlagenen Erhöhung der Grundsteuer B um 30 Punkte
werden wir auch zustimmen. Sie belastet die Betroffenen im vertretbaren Maße.
Die Bezirksregierung, daran erinnere ich, machte diese Maßnahme schon mehrfach
zur Auflage und im Vergleich mit ähnlichen niedersächsischen Städten liegen wir
im unteren Bereich. Gleichzeitig schlagen wir auch eine Anhebung der Grundsteuer
A für unbebaute Grundstücke ebenfalls um 30 Punkte vor. Das ist ein Akt der
Gleichbehandlung und reduziert das Defizit. Nicht zu letzt: Auch wir Ratsmitglieder müssen unseren
Sparbeitrag in dieser Zeit leisten. Auch wenn es nur wenige Städte unserer
Größenordnung gibt, die so geringe Aufwendungen für die gewählten politischen Repräsentanten
zahlen - wir wollen 10.000 Euro einsparen. Dieses soll nach unserer Meinung,
und darüber muss im Januar dann noch einmal entschieden werden, durch den
Verzicht auf ein Sitzungsgeld pro Person und Monat erreicht werden. Der enge finanzpolitische Rahmen lässt keine wesentlichen
Abweichungen bei Einnahmen und Ausgaben zu. Die Veränderungsliste der Gruppe
SPD/FDP ist deshalb kurz. Sie enthält die schon genannten Anträge und
Veränderungen, die in verschiedenen Ausschüssen einstimmig befürwortet wurden.
Weiter schlagen wir vor, den Rathausgarten für Veranstaltungen zu vermieten. Auch die Liste der Grünen ist kurz. Verehrte Kolleginnen und Kollegen von der CDU, Sie haben uns
ursprünglich eine umfangreiche Veränderungsliste vorgelegt. In einem schwierigen
Abstimmungsprozess haben wir uns heute noch auf einen realistischen Ansatz
verständigen können. Die Erhöhung der Grundsteuer B und die Sanierung der
Bäckerstraße bleiben aber weiterhin streitig. Hier die Zustimmung zu verweigern, hätte unserer Meinung
nach aber Konsequenzen: Wenn wir die Grundsteuer B nicht erhöhen,
verschlechtert sich unsere Einnahmesituation. Wenn wir die Oberfläche der Bäckerstraße nicht gleich im
Zuge der AVACON-Sanierung modernisieren, ist dies erstens unwirtschaftlich und
nimmt zweitens dem regionalen Handwerk die dringend benötigten Aufträge. Für
den Einzelhandel und die Attraktivität unserer Stadt ist es außerdem schlecht,
wenn die Straße zweimal aufgerissen werden muss. Meine Damen und Herren, Frau Vorsitzende, wir stimmen heute
über den vorliegenden Haushaltsplanentwurf, die Veränderungsvorschläge der
Fraktionen und das Konsolidierungskonzept bis 2010 ab. Herr Oberbürgermeister, ich möchte Ihnen und allen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die am Zusammenstellen dieses umfangreichen
Zahlenwerks mitgewirkt haben, meinen herzlichen Dank aussprechen. Danken möchte
ich aber auch allen in der Verwaltung, die sich im ganzen Jahr engagiert und
kompetent für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt eingesetzt haben. Wir
bitten Sie: Setzen Sie diese erfolgreiche Arbeit fort! Wir werden dem Entwurf mit wenigen Veränderungen zustimmen. Wir freuen uns, dass auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
und die CDU-Fraktion sich in dieser Situation nicht verweigern, sondern bereit
sind, Verantwortung mit zu tragen. Auch in schwierigen Zeiten müssen wir die uns gegebenen
Möglichkeiten durch verantwortungsvolles und vernünftiges Planen und Handeln
nutzen und gezielt Prioritäten setzen. SPD und FDP werden auch in Zukunft in bewährter und
vertrauensvoller Zusammenarbeit zum Wohle der Lüneburger Bürgerinnen und Bürger
diesen Weg konsequent weiter gehen und ich freue mich, dass wir heute in großer
Einstimmigkeit und Gemeinsamkeit den wesentlichen Teil beschließen werden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“ Beigeordneter ALTHUSMANN: „Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, ich beginne nicht mit einem Zitat, sondern mit einer Idee.
Und zwar einer Idee, die aus dem Jahre 1808 stammt und zwar vom Freiherrn von
und zum Stein. Das war die Idee der so genannten kommunalen Selbstverwaltung.
Dahinter stand die Idee, dass die Bürgerinnen und Bürger, oder aber die von
ihnen gewählten Vertreter eines Gemeinwesens, die Geschicke und die Entwicklung
ihrer Gemeinde, ihrer Stadt entsprechend lenken können. Diese Idee des Freiherr
von und zum Stein hat seit 1808 zwei Weltkriege überlebt, aber ob sie die
heutige kommunale Krise in Deutschland insgesamt überleben wird, bleibt
abzuwarten. Meine Damen und Herren, Lüneburg befindet sich in einer
schweren, in einer sehr schweren Notlage, wir sind fest davon überzeugt, dass
jetzt nur noch eine Notbremsung hilft. Auf die Bürgerinnen und Bürger unserer
Stadt kommt die schwerste Finanzkrise der Nachkriegszeit Lüneburgs zu. Bis zum
Jahr 2006 werden sich die Fehlbeträge des städtischen Haushaltes auf über 110
Mio. Euro summieren. Damit werden fast 60 % der Einnahmen des
Verwaltungshaushaltes nicht mehr gedeckt sein. Über 35 % des Vermögenshaushaltes
sind in Wahrheit Kreditaufnahmen in Höhe von fast 13 Mio. Euro. Im kommenden Haushaltsjahr 2004 geben wir fast 49 Mio. Euro
mehr aus, als wir einnehmen. Wer will angesichts dieser wenigen finanziellen
Eckdaten des städtischen Haushalts noch wirklich von kommunaler
Selbstverwaltung sprechen? Wenn in diesen Tagen und Wochen niedersächsische Kommunen
schwarze Flaggen hissen oder auch auf dem Lüneburger Rathaus Städte- und
Gemeindebundflaggen hängen gegen eine, ja manchmal wohl auch unsolidarische
Politik einer Bundesregierung, die derzeit im Amt ist, dann stelle ich heute
lediglich sachlich fest, dass die kritische Lage der kommunalen Haushalte
natürlich auch mit einer Politik auf Bundesebene zu tun hat, die nicht immer
dazu angetan ist, die Wirtschafts- und Finanzkraft der Kommunen in Deutschland
zu stärken. Massive Steuerausfälle und ein Erlahmen der wirtschaftlichen
Entwicklung wurden in Deutschland manchmal auch sehenden Auges herbeigeführt.
Dies wirkt sich heute bei uns auch in drastischen Einnahmeausfällen aus. In Lüneburg z.B. stehen den Einnahmen im Haushaltsjahr 2004
für den Bereich der sozialen Sicherung von rd. 59,5 Mio. Euro über 71,17 Mio.
Euro an Ausgaben gegenüber. Damit haben sich diese Ausgaben für die soziale
Sicherung in den letzten 3 Jahren wiederum deutlich erhöht. Dabei handelt es
sich in erster Linie um Vollzug von Bundesgesetzen im Rahmen des übertragenen
Wirkungskreises. Meine Damen und Herren, wir können es uns zukünftig nicht
leisten, uns wehrlos dieser Entwicklung hinzugeben, wohlwissend, dass wir diese
Gelder nicht alle selbst zahlen, sondern sie uns vom Landkreis Lüneburg
zurückholen. Aber über den Finanzausgleich zwischen Stadt und Landkreis ist das
Ganze dann am Ende doch wiederum ein Nullsummenspiel. Und mit den Mitteln des
Landes werden wir die wegfallenden Mittel auf Bundesebene für die Kommunen
nicht auffangen können, denn allein durch die Steuerverbundquote der Kommunen
mit dem Land Niedersachsen sind wir auf Gedeih und Verderb in einer
Größenordnung von rd. 16 % mit dem Land Niedersachsen verbunden. Das führt im
Haushaltsjahr 2004 dazu, dass nochmal rd. 74 Mio. Euro den Kommunen in
Niedersachsen nicht mehr zufließen werden im Rahmen des kommunalen
Finanzausgleichs. Dies heißt auch für die Stadt Lüneburg, und der Kämmerer hat
dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass wir noch einige Risiken auch in
unserem städtischen Haushalt im kommenden Haushaltsjahr zu verzeichnen haben.
Daran ist nicht die Nds. Landesregierung schuld, Herr Firus, sondern daran sind
dramatisch wegbrechende Steuereinnahmen auf Bund- und Länderebene insgesamt
schuld. Nur ein Beispiel: Die Nettogewerbesteuer ist von 1,8
Milliarden Euro auf vielleicht noch rd. 1,5 Milliarden Euro in 2001, in 2002
leicht höher, zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Sozialhilfeausgaben von 758
Mio. Euro im Jahre 1992 auf 1,3 Milliarden Euro in 2002 gestiegen. Und das, was
wir hier im Rat öfter mal diskutiert haben, die Frage der Jugendhilfestandards.
Auch dies ist im übrigen im deutschen Bundestag, im deutschen Bundesrat dann am
Ende abgelehnt worden, wobei wir hier eine deutliche Absenkung in diesem
Bereich gefordert haben. Dies war eindeutig falsch, und hat mit Sicherheit dazu
beigetragen, dass wir heute eine dramatische Finanzsituation aller Kommunen in
Deutschland haben, die Gesamtverschuldung beläuft sich auf heute rd. 83
Milliarden Euro. Die Deckungslücke zwischen Einnahmen und Ausgaben aller
Kommunen beträgt fast 11 Milliarden Euro und die Kassenkredite
niedersächsischer Kommunen belaufen sich auf 2,6 Milliarden Euro. Damit sind
alleine die Überziehungskredite aller Kommunen in Niedersachsen höher als der
komplette Haushalt des Landes Niedersachsen für den Bereich des Sozialen. Auf Forderung der Union wurde die Gewerbesteuerumlage
abgesenkt, dies hat sich Gott sei Dank auch auf unseren Haushalt ausgewirkt.
Denn mit 1,8 Mio. Euro mehr hat diese Forderung der Union im deutschen
Bundesrat dazu geführt, dass alle Länder hier die Gewerbesteuerumlage
entsprechend abgesenkt haben. Im Übrigen führt das auch wiederum zu weniger
Einnahmen des Landes, aber dies sei nur aus landespolitischer Sicht tatsächlich
zu beachten. Ich kann aber auch hier keine Entwarnung erkennen, denn wer
wirklich in die Finanzpolitik der Kommunen und der Bundesregierung in diesem
Fall einsteigt, wird erkennen, dass dort gleichzeitig die Steuerrestzahlen
herabgesenkt wurden. Dies kann unter sehr ungünstigen Umständen bei Betrieben
über 39.000 Euro dazu führen, dass hier nochmal Millionenbeträge wegfallen werden,
was die Gewerbesteuereinnahmen auch der Stadt Lüneburg betrifft. Es fehlt in Deutschland an einem ganz explizit und ganz
eindeutig. Und dieses ist einzufordern auf Bundesebene und wir werden es auch
auf Landesebene einführen. Das Prinzip der Konnexität. Wer die Musik bestellt,
muss sie auch bezahlen. Zu diesem alten Grundsatz müssen wir zurückkommen. Meine Damen und Herren, wenn etwas unsozial ist, dann ist es
insbesondere die Tatsache, dass wir unseren Kindern und Kindeskindern in
Lüneburg eine schwere Erblast auf ihre Schultern packen. Das Instrument der
Kassenkredite als kurzfristige Überbrückungskredite ja eigentlich gedacht, zur
Erhöhung der Flexibilität einer Kommune, ist längst zu einem Dauerfinanzierungsinstrument
geworden. Wir waren vor 2 Jahren bei 75 Mio. Euro, dann bei 85, jetzt sind wir
bei 95 Mio. Euro und werden auf über 110 Mio. Euro Kassenkredite künftig gehen.
Dafür zahlen wir alleine nur an Zinsen rund 3 Mio. Euro, das ist mehr als wir
von den Eltern für Kindergartenbeiträge hier in Lüneburg einnehmen. Meine Damen und Herren, das geht allerdings auch nur, wenn
die Kreditzinsen zukünftig auf dem Kreditmarkt weiterhin so niedrig bleiben.
Trotz umfangreicher Konsolidierungskonzepte ist die Höhe der Kassenkredite,
denke ich, ein schlagender Beweis für die finanzielle Handlungsunfähigkeit der
Stadt Lüneburg im Haushaltsjahr 2004. Wir stehen an einem finanziellen Abgrund
und so manches Mal, ich habe es hier im Rat oder an anderer Stelle schon mal
gesagt, manchmal erinnert einen das ja an die Titanic. Oben wird noch kräftig
Musik gespielt und unten schwappt schon das Wasser in die unteren Decks hinein.
Aber dennoch, meine Damen und Herren, Licht am Ende des Tunnels in der
Finanzplanung der Stadt Lüneburg ist noch nicht zu erkennen. Allein bei den Steuereinnahmen erwarten wir einen Rückgang
von heute rd. 56 Mio. Euro auf rd. 51 Mio. Euro im Jahre 2007 ausweislich der
Finanzplanung. Dafür steigen aber bei der Kreditaufnahme im Vermögenshaushalt
die Zahlen von heute von rd. 21,8 auf 24,7 Mio. Euro im Haushaltsjahr 2006. Ohne Zweifel ist es richtig und Herr Firus hat darauf
hingewiesen, die PCB-Belastung mit rd. 16 Mio. Euro ist eine ganz besondere
Herausforderung an den städtischen Haushalt in den nächsten Jahren. Nur, wenn
wir auf der einen Seite den prognostizierten Fehlbedarf von 110 Mio. Euro der
Bezirksregierung mal addieren mit den Kassenkrediten von rd. 110 Mio. Euro, die
ein Dauerfinanzierungsinstrument sind, dann kommen wir inzwischen auf einen
Fehlbedarf von über 200 Mio. Euro. Das ist so hoch wie der gesamte
Verwaltungshaushalt der Stadt Lüneburg in den nächsten Jahren. Es bedarf also
insbesondere, und ich glaube, dass in weiten Teilen das, was wir Ihnen
insgesamt heute vorgelegt haben, durchaus ein erster Ansatz dafür ist, dennoch
bedarf es auch in den kommenden Jahren einer drastischen, einer finanziellen
Vollbremsung auch hier in Lüneburg. Meine Damen und Herren, wir erheben diese Forderungen ja im
Übrigen nicht zum ersten Mal. Seit über 2 Jahren, und das lassen Sie mich ruhig
einmal erwähnen, ist es die CDU-Fraktion im Rat der Stadt, die sich wie kaum
eine andere Fraktion, Herr Meihsies, hier ihrer Verantwortung für diese Stadt
und für unsere Bürgerinnen und Bürger und damit für unser Gemeinwesen insgesamt
stellt. Wir tragen nicht nur alle gemeinsam Verantwortung für diese Stadt, sondern
wir müssen sie auch mal wahrnehmen. Und wenn es richtig ist, dass der Haushalt
ein Dokument der Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt Lüneburg ist, dann sollten
wir heute alle gemeinsam feststellen, dass die Gestaltungsperspektiven nicht
mehr so besonders groß sind. Manchmal, Herr Oberbürgermeister, bitte verstehen
Sie das nicht als Kritik an Ihnen persönlich, aber manchmal kann ich mich des
Eindrucks nicht erwehren, dass wir mal als Gestalter gestartet sind, und ich
bedauere Sie manchmal in Ihrer neuen Position, der Weg vom Gestalter zum Konkursverwalter
war dann nicht so lang. Und insofern haben wir heute große Anstrengungen zu
unternehmen, um diese Konsolidierungskonzepte gemeinsam mit Ihnen am Ende auch
durchzusetzen. Ich denke, im nächsten oder im kommenden Haushaltsjahr 2004
3,2 Mio. Euro sind ein Ansatz, 31 Mio. Euro kumuliert für die nächsten 7 Jahre
ist ebenfalls ein Ansatz. Manches lebt vom Prinzip Hoffnung, manches ist
realistisch und werden wir auch umsetzen können. Ich will deutlich machen, dass die CDU-Fraktion im Oktober
2002 die Vorlage eines Haushaltssicherungskonzeptes gefordert hat. Wir haben im
November 2002 in mehr als 30 Positionen im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt
in einem Umfang von rund 10 Mio. Euro den Rotstift angesetzt. Wir wurden, und
das gehört auch ein wenig zur Rückschau und zur Ehrlichkeit in der heutigen
Diskussion, von Ihnen mit Begriffen bedacht wie schändlich, unredlich und
unseriös. Als die CDU-Fraktion im November des vergangenen Jahres eine
vorsichtige Absenkung der Personalausgaben um 5% einforderte, haben Sie ein
Horrorszenario an die Wand gemalt von 80 betriebsbedingten Kündigungen. Als wir
eine Absenkung der Geschäftsausgaben gefordert haben, haben Sie erklärt, dass
wir uns damit von der technischen Entwicklung der Wirtschaft abkoppeln. Als wir
eine Absenkung der Bewirtschaftungskosten gefordert haben, haben Sie uns
vorgehalten, dass künftig keine Schulen mehr gereinigt würden und die
Temperatur auf 16 °Grad in den Schulen abgesenkt würden und die Kinder künftig
in der Kälte sitzen würden, nachzulesen in der Landeszeitung vom 27. November
2002. Als wir eine Reduzierung der Kassenkreditzinsen gefordert haben, haben
Sie gesagt: „Dann können wir keine Unternehmerrechnungen mehr bezahlen.“ Als
wir die Entnahme aus der Rücklage gefordert haben, haben Sie gesagt, das wäre
rechtswidrig. Als wir den Verzicht auf die Grapengießerstraße gefordert haben,
haben Sie uns erklärt, die Maßnahme sei durchfinanziert und als wir den
Verzicht auf die Fußgängerbrücke gefordert haben, haben Sie gesagt, das wäre
schädlich für die Lüneburger Wirtschaft. Heute stellen wir fest, so manche Vorschläge, die wir damals
gemacht haben, die wir auch schon vor 2 Jahren gemacht haben, sind Teil des
Haushaltskonsolidierungskonzeptes heute und für die nächsten Jahre geworden. Es
war im vergangenen Jahr nicht so viel Bewegung über 4 % des Haushaltes mit uns
zu sprechen. Die Überschrift in der Landeszeitung lautete damals „Wütende
Reaktionen auf die Streichliste der CDU. SPD, Grüne und FDP attackieren die
Union in einer hitzigen Ratsdebatte.“ Meine Damen und Herren, heute wissen wir, man muss ja nicht
immer Recht behalten, aber heute wissen wir, dass manches, was wir vorgeschlagen
haben, nicht alles, aber manches in die richtige Richtung gewiesen hat und
insofern glauben wir, dass, wenn heute in ein Haushaltskonsolidierungskonzept
hineingeschrieben wird, 1,3 Mio. Euro in den nächsten Jahren bei den Personalkosten
zu sparen, und damit insgesamt eine runde Summe von 9,5 Mio. Euro in 6 Jahren
zu erzielen, dann hätte man dieses eigentlich vor 2 Jahren nicht ablehnen
dürfen. Meine Damen und Herren, wir sollten uns auch hüten vor
Legendenbildung, dass die CDU-Fraktion durch Streichungen im Vermögenshaushalt
gegen das Lüneburger Handwerk eine Blockadepolitik betreibt. Wir haben grade mal im Vermögenshaushalt noch eine Kürzung
neben der Erhöhung der Einnahmepositionen von 165.000 Euro. Das ist weniger als
0,5 % des gesamten Vermögenshaushaltes, den wir im Haushaltsjahr 2004 haben.
Insofern, meine Damen und Herren, begrüßen wir den Entschluss der Verwaltung,
sich zumindest auf absehbare Zeit zunächst vom Umbau der Grapengießerstraße zu
verabschieden. Es gibt derzeit sicherlich Wichtigeres. Gleiches gilt im Übrigen
für die Bäckerstraße und Sie haben ja auf den Dissens in dieser Frage
hingewiesen. So wünschenswert so mancher Umbau auch der Bäckerstraße
wäre, das Argument der Wirtschaftlichkeit bezweifeln wir erheblich, weil wir
der Auffassung sind, dass hier durch einen vorsichtigen Umbau, ein Herausnehmen
der Platten, der alte Zustand auch wieder hergestellt werden kann. Das gleiche
Argument, das wir auch im Rahmen der Grapengießerstraße verwendet haben, halten
wir nach wie vor für richtig und wahr. Für diese Art von Verschönerung fehlt
uns das notwendige Geld, weil wir in Lüneburg in der Schuldenfalle sitzen. Neue
Schulden zu machen heißt im Übrigen, den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt
zuzumuten, dass auch in den nächsten Jahren weitere Gebühren- und
Abgabenerhöhungen ins Haus stehen werden. Insofern glauben wir, dass die 8,5
Mio. Euro im Schuletat besser angelegt sind, als für die Pflasterung weiterer
Straßen. Im Übrigen werden die Sanierungsmaßnahmen an unseren
Lüneburger Schulen ein großes Sonderkonjunkturprogramm für das Lüneburger
Handwerk auslösen. Im Haushaltsjahr 2004 werden wir 3,5 Mio. Euro in das Städt.
Klinikum investieren bei einem Gesamtausgabebedarf von 41,3 Mio. Euro. Im
kommenden Jahr werden wir 500.000 Euro für die Sanierung der Nordlandhalle zur
Verfügung stellen, für die Sanierung der Wallanlagen 50.000 Euro, 25.000 Euro
für die Wegesanierung am Kreidebergweg. 2,25 Mio. Euro für die wichtige
Straßenbrücke am Lünepark, um endlich die Feuerwehrwache und das Gewerbegebiet
rund um die Goseburg verkehrlich besser anzuschließen. Angesichts dieser Investitionsmaßnahmen, um nur ein paar
wenige herauszugreifen, zu denen wir bis auf wenige Ausnahmen, die ich bereits
nannte, ja sagen, kann von einer Blockade der CDU im Rat der Stadt Lüneburg
nicht gesprochen werden. Dennoch gibt es Risiken. Ab dem Haushaltsjahr 2006
soll der Ansatz im Einzelplan 5 auf über 10,6 Mio. Euro angehoben werden, also
um 100 % gesteigert werden, diese Risiken sind in den kommenden Haushaltsjahren
abzusehen und sind heute schon zu erkennen. Die Kürzungsvorschläge der CDU-Fraktion für den vorliegenden
Haushalt 2004 sind geprägt von Augenmaß und von Verantwortungsbewusstsein. Rund
90 % des Konsolidierungskonzeptes können wir heute hier im Rat mittragen. Die
Grundsteuer B allerdings sollte unseres Erachtens nicht um 30 % angehoben
werden, sondern nur um 15 %, weil wir der Auffassung sind, dass den Bürgerinnen
und Bürgern dieser Stadt nicht nur durch die Gebührenpolitik der Stadt Lüneburg,
die notwendigerweise auch vollzogen wird, sondern auch durch die Steuer- und
Abgabenpolitik der Bundesregierung einiges zugemutet wird. Wir wollen hier
nicht Vorreiter weiterer Steuererhöhungen sein, wir wollen hier etwas moderater
herangehen. Wir wissen um die Frage der Bezirksregierung, Herr
Oberbürgermeister, aber dennoch würden wir uns hier von Ihrem Vorschlag doch
ein wenig distanzieren. Die intensiven Beratungen auch mit der Mehrheitsfraktion der
SPD/FDP im Rat waren geprägt von einer seltenen Übereinkunft. Durch unseren
Antrag und eine sehr frühzeitige, Herr Oberbürgermeister, Herr Kämmerer,
Einarbeitung in die Verwaltungsvorlage wurden frühzeitig Hürden abgebaut. Diese
Haushaltsberatungen tragen, und auch Herr Firus hat darauf hingewiesen, auch
eindeutig CDU-Handschrift. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der
Verwaltung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass auch in unserem
Kürzungsvorschlag vom November noch einige Positionen herausgenommen oder
abgesegnet wurden. Die CDU-Fraktion hat sich im Übrigen, das will ich mal für
alle in meiner Fraktion herausnehmen, hat sich von guten und richtigen
Argumenten der Verwaltung oder aber auch der anderen politischen Parteien hier
im Rat durchaus überzeugen lassen. Ich glaube persönlich, dass wir inzwischen
alle einen wesentlichen Schritt weitergekommen sind, als dies vielleicht vor 2
Jahren noch denkbar war, vor einem Jahr im Ansatz erkennbar war und in diesem
Jahr vielleicht die ersten Früchte einer vernünftigen und vertrauensvollen
Zusammenarbeit getragen hat. Es geht bei den Kürzungsvorschlägen der CDU-Fraktion nicht
gegen den Oberbürgermeister und auch nicht um den Oberbürgermeister, es geht
nicht um den Kämmerer und auch nicht gegen ihn. Es geht auch nicht um einen
Angriff auf irgendeine andere Partei, wenn wir Ihnen hier im Rat im Rahmen der
Haushaltsberatungen mal drastische Kürzungsvorschläge vorlegen, sondern es geht
um das Wohl der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Deshalb sind wir alle dazu
aufgefordert, alles Erdenkliche zu unternehmen, zu überprüfen, zu hinterfragen,
zu debattieren, vorzuschlagen, wie wir das Schiff Lüneburg wieder auf einen
klaren Kurs der Konsolidierung bringen. Wir dürfen uns keinesfalls unserem
finanzpolitischen Schicksal wehrlos ergeben. Dennoch gilt es mit Blick auf das
Konsolidierungskonzept, auch die von uns vorgeschlagenen Kürzungsvorschläge im
Verwaltungshaushalt, dann einmal inne zu halten und zu überlegen, ob es bereits
in der Vergangenheit richtig war, dass wir z. B. für Sportplatzpflege
zusätzlich noch Personal und Sachkosten zur Verfügung gestellt haben, was
manche Vereine sicherlich auch z. T. aus eigener Kraft hätten leisten können.
Das sind Prüfaufträge, die wir jetzt mit aufgenommen haben. Es wird mit
Sicherheit zu überdenken sein, ob wir mit unseren Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit,
für Geschäftsausgaben, für Bewirtschaftung in der Hauptverwaltung insgesamt in
den nächsten Jahren nicht noch weitere Reduzierungen erzielen können. Ich denke, dass wir uns, wenn es sich ergeben sollte,
natürlich gerade was den Bereich der Energiekosten betrifft, auch
überplanmäßigen Ausgaben aus Verantwortung für die Stadt nicht versperren
werden. Dennoch der Handlungsdruck für Energieeinsparmaßnahmen in der Verwaltung
sollte deutlich erhöht werden. Gemeinsam mit der SPD-Fraktion und der FDP
können wir uns sowohl eine Stärkung der stadtteilorientierten Arbeit sowie der
Hausaufgabenhilfe an der Hermann-Löns-Schule und der Paul-Gerhardt-Gemeinde
vorstellen. Dazu stellen wir beide nach noch heute morgen stattgefundenen
Verhandlungen, rd. 25.000 Euro zur Verfügung in einem gemeinsamen
Haushaltsansatz und korrigieren hierbei die Verwaltungsvorlage. Gleichzeitig sind wir auch bereit, die von uns beantragte
Kürzung des Zuschusses für den Bereich des Frei- und Hallenbades komplett
zurückzunehmen. Wir bleiben allerdings bei der Auffassung, dass die 2,45 Mio.
Euro im Bereich der Grünflächen zumindest in den nächsten Jahren zwischen 5 und
10 % zurückgefahren werden müssen. Das ist auch ein Auftrag an die AGL. Wir
können damit leben, mit einem Prüfauftrag, ich denke, wir sind uns hier im Ziel
einig, auch bei der Frage der KVG, diesen Zuschuss nicht zu verändern. Dennoch
es bleibt festzuhalten, dass der Zuschuss an die KVG natürlich eine Subvention
ist, wir bezahlen damit Sonderleistungen und ich bin fest davon überzeugt, dass
die KVG selbst ein Interesse daran haben muss, hier wirtschaftlicher zu
arbeiten, das attraktive Angebot der KVG zu verbessern, dennoch auch hier ein
Prüfauftrag. Ich denke, wir können damit leben. Ich bin allerdings sehr
skeptisch, Herr Firus, und dort unterscheiden wir uns wieder, ob wir im Bereich
des Parkhauses, wenn es dann im Rahmen eines Parkhauswirtschaftskonzeptes an
die zuständige Gesellschaft übertragen wird, tatsächlich an betriebsbedingten
Kündigungen vorbeigehen wird. Wir haben ja eine deutliche Reduzierung
gefordert, konnten uns aber am Ende, und da lebt Politik nun mal vom pragmatischen
Geben und Nehmen, mit dieser Forderung für dieses Jahr zumindest nicht
endgültig durchsetzen, aber ich bin guter Hoffnung, dass im Rahmen der gesamten
Parkraumbewirtschaftung der Parkhäuser hier ein neues Konzept auf den Tisch
gelegt wird, so dass wir diese Zahlen deutlich werden absenken können. CDU-Politik mit Augenmaß heißt Kürzen bei den Ausgaben,
Verbessern auf der Einnahmeseite. Wir wären bereit gewesen, die Sanierung des
Klosterhofes ein wenig zu strecken. Sie waren es nicht. Die Sanierung der
Bäckerstraße halten wir nicht für vertretbar. Abschließend mahnen wir erneut,
wie in den vergangen 2 Jahren, Herr Kämmerer, an, dass wir endlich eine
transparente Kosten- und Leistungsrechnung der Stadt Lüneburg auf den Tisch
gelegt bekommen, die Auskunft darüber geben sollte, wie die tatsächliche
Vermögenslage z.B. bei bebauten und unbebauten Grundstücken sich heute
darstellt. Auch da haben wir heute morgen kurz vor 11.00 Uhr auf der
Einnahmeseite im Vermögenshaushalt noch eine Einigung herbeigeführt. Ich denke,
dass dies ein Entgegenkommen beider Seiten ist. Wir werden also dort die
Einnahmeansätze insgesamt auf 200.000 Euro festhalten. Insgesamt stellen wir fest, dass die intensiven
Verhandlungen mit den Mehrheitsfraktionen von SPD und FDP insgesamt mit der
Verwaltung zu dem Ergebnis geführt haben, dass wir 90 % des
Haushaltskonsolidierungskonzeptes zustimmen können. Dennoch sollte aus unserer
Sicht über die Bewirtschaftung des Glockenhauses noch einmal nachgedacht werden
und auch die Fusion beider Hochschulen, beider Volkshochschulen, nicht nur der
Hochschulen auf Landesebene, sondern auch der Volkshochschulen von Stadt und
Landkreis Lüneburg, zwar nur ein Ausgabeposten von 146.000 Euro, alsbald in
Angriff genommen werden. Die Strukturveränderung bei den Kindertagesstätten, und
damit komme ich zum Schluss, werden wir nach intensiven Beratungen bis gestern
Abend in der CDU-Fraktion, am Ende dann doch mittragen. Allerdings kein
Freibrief für die Stadtverwaltung, hier Standardverschlechterungen in
wesentlichem Maße herbeizuführen, die nicht mit den Eltern abgesprochen werden
und damit zu einer Verschlechterung für die Kinder unserer Stadt führen würde. Zu guter Letzt: Die 10.000 Euro der Fraktionen, da liegen
nun 2 Modelle auf einem Tisch. Die einen wollen auf eine Sitzung verzichten,
die anderen sagen: Wir wollen erst gar nicht so viele Sitzungen machen, wir
sind mit 36 Sitzungen im Jahr zufrieden. Da konnten wir uns heute nicht mehr
einigen. Eins steht aber fest: Die 10.000 Euro werden erwirtschaftet, ob nun
durch Ihr Modell oder unseres. Schließen Sie sich unserem an, Herr Firus, ich
bitte Sie sehr herzlich, hier einmal mit uns zu gehen. Meine Damen und Herren, wenn auch die zukünftigen Beratungen
des Haushalts von so viel Respekt und Anerkennung auch der anderen Meinung zu
verschiedenen Haushaltspositionen geprägt sind und wir alle im Ziel einig sind,
zum Wohle der Stadt, zum Wohle des Landes, zum Wohle der Bürgerinnen und
Bürger, hier für die Menschen in unserer Region Politik zu betreiben,
verantwortungsvoll und mit Augenmaß, dann ist mir eigentlich nicht bange um die
Stadt Lüneburg. Die CDU-Fraktion hat hierzu einen entscheidenden Beitrag
geleistet und wir werden auch im nächsten Jahr weitere Beiträge dazu leisten. Wir bedanken uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der Lüneburger Stadtverwaltung. Allen voran dem Oberbürgermeister, dem
Kämmerer, allen Mitarbeitern, die sonst noch dazu beigetragen haben. Wir
bedanken uns aber auch bei allen Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, die mit
ihren kritischen Vorschlägen ebenfalls Konsolidierungsbeiträge geleistet haben.
Die kritische Leserbriefe geschrieben haben. Die gesagt haben: Ich hätte da eine
Idee. Ich glaube, es muss eine gute Kultur in Lüneburg werden, dass wir auch
die Haushaltsberatungen noch verstärkt öffnen. Ich halte es für einen guten
Ansatz, Herr Oberbürgermeister, auch mit einem solchen Haushalt mal in die
Bevölkerung Lüneburgs zu gehen und zu sagen: „Was haltet ihr denn davon?“ Das
sollte gute Tradition werden, das hat unsere volle Übereinstimmung, dem werden
wir auch zukünftig folgen. Die Bürger haben erkannt: So geht’s nicht weiter, aber wir
müssen gemeinsam weiter kommen und auch in der Zukunft deutliche Signale des
Kürzungswillens übersenden. Insgesamt überwiegt die Übernahme weiter Teile unserer
Vorschläge in diesem Jahr und auch ein Vorarbeiten, ein Vorwegnehmen bestimmter
Positionen unserer Vorschläge aus der Vergangenheit. Deshalb haben wir eine
große Bereitschaft in der CDU-Fraktion, mit allen Parteien hier im Rat, am
heutigen Abend eine große Kooperation, wenn Sie so wollen, einzugehen. Vielleicht ein einmaliges Signal im Dezember 2003, das heißt nicht, dass wir uns nicht in den kommenden Jahren anders verhalten können. Die Situation in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren wird mit Sicherheit nicht besser werden, sondern eher schlechter. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Lüneburg wird deshalb dem Haushalt der Stadt mit großen Bauchschmerzen, mit Bedenken, mit dem Wunsch, manches Mal noch stärker zu kürzen, zustimmen. Trotz harten Ringens heute morgen am Telefon, aber am Ende doch im Ziel einig. Wir werden aber 2 Abstimmungen strittig stellen. Und zwar die Frage der Grundsteuer und der Bäckerstraße. Hier bitten wir um Ihr Verständnis dafür, dass wir dazu unsere Zustimmung nicht geben werden. Dennoch werden wir dem Haushalt insgesamt heute zustimmen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!“ Ratsherr MEIHSIES: „Frau Ratsvorsitzende, verehrte Kolleginnen und Kollegen, auch ich werde zu Anfang ein Zitat bringen. Tom Königs, der
erste grüne Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt hat einmal gesagt, als er den
Haushalt der Stadt Frankfurt sah und die drohende Finanzkrise sich Mitte der
90er Jahre am Himmel abzeichnete: „In der Finanzsituation befindet man sich in
einer Kommune in der Situation, das Heute gegen das Morgen zu verteidigen.“ Und
auch in Lüneburg ist dieses der Fall. Meine Damen und Herren, die Aussprache über diesen Haushalt
heute ist die Stunde des Rates und die Stunde der Wahrheit und Klarheit in der
finanzpolitischen Auseinandersetzung und der Diskussion in einem Stadtrat. Das
höchste Gut eines Rates, heute zu entscheiden über die Finanzgeschicke des
nächsten Jahres. Und es ist dieses mal eine Stunde der bitteren Wahrheiten,
aber auch Klarheiten in dieser Runde. Die bitteren Klarheiten und Wahrheiten sind niedergelegt im
Haushaltskonsolidierungskonzept, das uns die Verwaltung schon vor einigen
Monaten vorgelegt hat und das wir sehr intensiv diskutiert haben, meine Damen
und Herren. Aber ich möchte einen kleinen Rückblick wagen, auch ähnlich,
wie es der Kollege Althusmann getan hat, ich möchte zurückführen in die Jahre,
wo wir Veränderungsvorschläge für die Haushalte eingebracht haben, und wir
müssen feststellen, dass nach 2, 3 Jahren die Verwaltung uns auch gefolgt ist.
Ich denke zuallererst an die Situation mit der Zweitwohnsitzabgabe, wo wir nach
heftiger Debatte auch dazu gekommen sind, diese einzuführen. Heute stellen wir
fest, dass in diesem Haushalt 480.000 Euro eingesetzt sind als Mehreinnahmen
über die Mittelzuweisungen des Landes über den kommunalen Finanzausgleich. Ich
freue mich, dass wir in dieser Frage Recht behalten haben. Und ich freue mich auch, dass wir Recht behalten haben als
GRÜNE-Fraktion, mit unserer Forderung, die Grundsteuer B um 30 Prozentpunkte zu
erhöhen. Die Vorgabe der Bezirksregierung war auch beim letzten Mal Thema der
Haushaltsdebatte und ich stelle fest, es gibt heute einen gemeinsamen Konsens
in dieser Frage. Das sind 2 Punkte, wo wir unsere Verantwortung wahrgenommen
haben auch als Oppositionsfraktion. Und wir haben unsere Verantwortung
wahrgenommen in diesem Bereich der möglichen Kosteneinsparung, wir haben das
Thema SaLü auf die Tagesordnung gesetzt, die Frage: Gehört ein Spaßbad zu der
Daseinsvorsorge einer Kommune? Können wir uns dieses Spaßbad leisten mit einem
jährlichen Defizit von fast 2 Mio. Euro? Wir wollen dieses Defizit ja
reduzieren im Haushaltskonsolidierungskonzept und haben auch auf dieser Ebene
Einsparvorschläge gemacht, die realistisch sind, meine Damen und Herren. Wir bedanken uns für die Offerte der SPD/FDP-Gruppe, mit uns
gemeinsam diesen Haushalt zu beraten und auch zu beschließen. Wir freuen uns
über dieses Angebot. Wir haben es wahrgenommen. Wir haben uns der Diskussion
und der Verantwortung nicht als Oppositionsfraktion verweigert, meine Damen und
Herren. Wir haben eine kleine Liste vorgelegt, die ich aber im
Nachhinein noch einmal erläutern werde. Wir haben uns auch mit den Vorschlägen
der anderen Fraktionen auseinandergesetzt und ich habe eben gerade die
vollmundigen Worte des Kollegen Althusmann vernommen und ich möchte diese Worte
doch ein bisschen relativieren, Herr Althusmann. Wir haben Ihre 29 Änderungsanträge, die Sie uns vorgelegt
haben und die auch im Papier der Verwaltung mit verschickt wurden, erhalten.
Wir stellen heute fest, aus 29 Anträgen sind nur noch 14 Anträge übrig
geblieben, die im Verwaltungsausschuss heute Nachmittag vorgestellt wurden. Von
diesen 14 Anträgen, die Sie uns vorgelegt haben, sind 8 Prüfanträge geworden, 5
wurden eher als unrealistisch von der Verwaltung eingeschätzt. Bleibt noch
einer übrig. Das sind die 10.000 Euro, die wir drauflegen für die sinnvolle
Stadtteilorientierung und Stadtteilarbeit in den Stadtteilen der Stadt
Lüneburg. Also, meine Damen und Herren, ich finde, man sollte nicht
wie ein Tiger abspringen, um dann als Bettvorleger zu landen, Herr Kollege
Althusmann, man muss realistische Vorschläge machen und sich seiner Verantwortung
realistischerweise auch mit realistischen Anträgen stellen und dann nicht von
einer Notbremsung sprechen, die man vornehmen will als CDU-Fraktion, um dann
aber mit voller Kraft an die Wand zu fahren, das haben Sie hier in 29 Anträgen
uns sehr lebhaft vorgeführt, meine Damen und Herren. Das Sie heute bis um 11.00
Uhr verhandelt haben mit Herrn Firus, zeigt, dass Sie eigentlich so gar nicht
richtig Lust hatten, in dieses Boot der gemeinsamen Verantwortung einzusteigen.
Sie sind in letzter Minute in das Boot der gemeinsamen Verantwortung
eingesprungen, sonst wäre dieses Boot ohne Sie abgefahren und SPD, FDP und
GRÜNE hätten diesen Haushalt alleine beschlossen, meine Damen und Herren. Wir stellen uns dieser Verantwortung, wir haben einige
Akzente gesetzt und, wenn ich das so ein bisschen spaßig vorhin eingeworfen
habe, wir haben prägnante Anträge gestellt, das sind zwar nur kleine Anträge,
die aber Wirkung zeigen und ich möchte sie nur kurz erläutern, weil wir schon
viele Worte dazu gehört haben. Diese 10.000 Euro, die wir einsetzen für die Haupt- und
Realschulabschlüsse bei der VHS sind ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein,
aber ein sinnvoller Tropfen auf den heißen Stein. Wir sind uns alle darin
einig, dass wir diese Bildungschancen den jungen Menschen eröffnen wollen. Wir
setzen 1.000 Euro ein bei der Frauenbeauftragten, im Gegensatz zu anderen
Kommunen, die bei den Frauenbeauftragten massiv runterkürzen, werden wir 1.000
Euro einsetzen und Frau Holste wird uns einen Vorschlag machen in der Gleichstellungskommission,
wo wir beratschlagen können, mit diesen 1.000 Euro Projekte insbesondere im
Bereich der EDV-Kurse noch mal für die ältere Generation, aber auch für junge
Mädchen anzubieten, was die Caritas mit Frau Holste in der Vergangenheit
realisiert hat. Das wollen wir weiter fortsetzen. Wir haben darüber gesprochen, die AGENDA 21-Arbeit zu
intensivieren. Wir haben einen anderen Vorschlag vorgelegt. Wir finden es aber
gut, dass wir dort mehr Geld einsetzen, um AGENDA 21-Arbeit auch mal
realistischer umzusetzen. Es kommen ein paar 1.000 Euro mehr drauf auf den
Betrag, den der Umweltausschuss beschlossen hat. Das freut uns ungemein, meine
Damen und Herren. Wir haben die Worte gehört, dass die Gemeindefinanzreform
auf den Kommunen lastet, dass sie einen Druck ausübt, dass sie bislang noch
nicht realisiert werden konnte. Kollege Althusmann, ich kann Sie nur
auffordern, im Bundestag mit der SPD und mit den GRÜNEN zu stimmen, damit die
Gemeindefinanzreform realisiert werden kann. Dieses bringt uns mehr als Ihre
Worte, die Sie hier eben gerade gewechselt haben. Meine Damen und Herren, ich will es wirklich kurz machen,
wir haben in der Zeitung gelesen, wie das Defizit aussieht. Die GRÜNEN haben
sich bei dieser Entscheidung nicht verweigert. Wir hatten uns zu entscheiden
zwischen dem schönen Nichts der Oppositionsfraktion, die diesen Haushalt
ablehnt, oder dem hässlichen Etwas, den Konsolidierungsmaßnahmen, insbesondere
im Personalbereich, zuzustimmen. Wir haben uns für das hässliche Etwas
entschieden, meine Damen und Herren. Meine Rede ist dieses Mal sehr kurz, wir
haben viele Worte gewechselt, wir werden diesem Haushalt zu 50 % zustimmen und
uns zu 50 % enthalten. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, es sind genug
Worte gewechselt, lassen Sie uns beschließen. Vielen Dank!“ Ratsherr SOLDAN: „Frau Ratsvorsitzende, Herr
Oberbürgermeister, meine Damen und Herren! Liebe Frau Schellmann, ich weiß, wie
sehr es Ihnen in den Fingern juckt, auf die Ausführungen meiner Vorredner zu
antworten, und dass es Sie kaum auf ihrem Stuhl hält. Umso höher rechnen Herr
Reinecke und ich es Ihnen an, dass Sie mir heute das Wort überlassen haben. Meine Damen und Herren, ich beginne
auch heute mit einem Zitat: "Geldmangel ist ein Segen.
Niemand vermag zu sagen, wie viele politische Dummheiten durch Mangel an Geld
schon verhindert worden sind." Das sagte Charles Maurice de Talleyrand vor 300
Jahren. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Es wäre geradezu eine
Dummheit, wenn wir in der Not der Stunde nicht die Gunst der Stunde erkennen,
und endlich mit tiefgreifenden Strukturreformen beginnen würden. Unser
Geldmangel zwingt uns dazu, die Strukturen in unserer Stadt an die veränderten
Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft anzupassen. Wir dürfen nicht mehr weitermachen wie bisher! Konsolidierungsmaßnahmen
alleine reichen nicht mehr aus. Strukturveränderungen sind zwingend notwendig. Der Konsolidierungsprozess, den der
Rat der Stadt seit Jahren durchzuführen gezwungen ist, hat zwar zu einem
geringeren Anstieg des Defizits geführt, saniert hat er unseren Haushalt bei
weitem nicht. Dieser Konsolidierungsprozess ist ein
eminent politischer Vorgang, wird doch in seinem Rahmen auch entschieden, ob
und ggf. welche Leistungen für Bürger entfallen oder gekürzt werden sollen.
Deshalb dürfen wir das Aufstellen des Konsolidierungskonzeptes nicht allein der
Verwaltung überlassen, sondern müssen in Zukunft noch aktiver an diesem Prozess
mitarbeiten. Also genau das tun, was wir in der letzten Ratssitzung beschlossen
haben. Frühzeitig Vorschläge einbringen, die dann bearbeitet und entschieden
werden können, um im Konsolidierungsprogramm berücksichtigt zu werden. Der unausgeglichene Haushalt engt den
kommunalpolitischen Gestaltungsspielraum enorm ein, da der Haushaltsausgleich
leicht zum alles dominierenden Faktor wird. Wichtiger als dieser
Konsolidierungsprozess muss uns aber die Erfüllung der stetigen Aufgaben sein.
Das legt auch die NGO in § 82 so fest. Unsere Aufgabe ist es, nur zu
entscheiden, wo wir wie viel an Ausgaben kürzen und das politisch auch
vertreten wollen. Meine Damen und Herren, die
Personalausgaben sind der größte Brocken in unserem Verwaltungshaushalt. 21,6 %
der Ausgaben sind noch immer Personalausgaben, und das, obwohl das vorliegende
Haushaltskonsolidierungskonzept eine Kürzung um 1,518 Mio. € - das sind gerade
einmal 3 % dieser Personalausgaben - in 2004 vorsieht. Diese Kürzung erfolgt mehr oder
weniger aufgrund von unglücklichen und glücklichen Zufällen. Sie greift aber
eine Forderung auf, die Frau Schellmann genau vor 10 Jahren hier schon einmal,
nämlich zur Verabschiedung des Haushaltes 1993, erhoben hat, nämlich die Kosten
um 3 % zu senken, ohne dass nennenswerte Leistungen für den Bürger gekürzt
werden müssen. Wären ihre Ideen in vollem Umfang damals bereits aufgegriffen
worden, was hätten wir mittlerweile an Einsparungen erzielt. Gute Ideen setzen
sich letztlich immer durch, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Auf
diesem eingeschlagenen Weg müssen wir weitergehen. Wir müssen uns aber klar darüber sein, dass weitere Personalkürzungen nur dann keine Leistungseinschränkungen für die Bürger bedeuten müssen, wenn sie im Rahmen eines integrierten Konzeptes durchgeführt werden. Dazu gehören Privatisierungen - echte
Privatisierungen und nicht nur ein Verlagern in Eigenbetriebe - ebenso wie
Neustrukturierungen und Effizienzsteigerungen in der Verwaltung, das Einbeziehen
ehrenamtlich Tätiger in noch mehr Bereichen unserer Stadt – also
Bürgerengagement - und vor allen Dingen das Ausschöpfen aller Ressourcen, die
uns zur Verfügung stehen. Bereits seit einiger Zeit werden
ehemals kommunale Aufgaben von uns ausgelagert. Meistens aber in kommunale
Eigenbetriebe oder richtiger Gesellschaften in kommunaler Hand. Haben wir Angst
vor zu viel Wettbewerb? Ein solches “Scheinprivatisieren”
führt aber zu einem Schattenhaushalt. Die kommunalen Gesellschaften führen
ihren eigenen Haushalt, mit allen Verlusten, Abschreibungen, Zinsen, Krediten
und was sonst dazugehört. Die Zahlen im Verwaltungshaushalt sehen besser aus,
an der finanziellen Situation unserer Stadt ändert das überhaupt nichts. Dieses Privatisieren lässt sich
allenfalls "kreative Finanzplanung" nennen, wie Sie Herr Althusmann
im Zusammenhang mit der Übergabe der defizitären Industriebahn an die AGL es
selbst sagten. Ein solches Vorgehen muss nicht immer schlecht sein. Kann es
doch - wie im eben genannten Beispiel - auch zur finanziellen
Planungssicherheit führen. Echte Privatisierung nutzt den Wettbewerb
spezialisierter Dienstleister, um gleiche oder höhere Qualität zu günstigeren
Konditionen einzukaufen. Werden Aufgaben öffentlich ausgeschrieben, wird sich
zeigen, wer der günstigste Anbieter ist. Die Kommune beschränkt sich auf ihre
Kernaufgaben und verfolgt mit ihrer “Mannschaft” zwei Ziele: Entlastung des
Budgets und Orientierung der Aufgabenwahrnehmung ausschließlich an den
Bedürfnissen der Bürger und nicht Haushaltskonsolidierung. Hier bleibt für uns für die Zukunft noch viel zu
tun, um noch moderner und kundenorientierter – also bürgernäher – zu werden. Zur Neustrukturierung möchte
ich Ihnen noch einmal die Veränderungen in den städtischen Kitas vor Augen
führen. Ohne Qualitätsverlust lassen sich hier nahezu 220.000 € - wenn alle
Maßnahmen umgesetzt werden - pro Jahr einsparen, ohne dass wir das Rad neu
erfinden müssen. Wir konnten auf die Erfahrungen anderer Kommunen
zurückgreifen. Wir hoffen, dass wir damit ein für alle Mal die vehement von der
Bezirksregierung geforderte Gruppenstärkenerhöhung – also das Absenken unserer
Standards vom Tisch haben. Ähnliche Beispiele lassen sich sicher
noch in anderen Kommunen finden, wir müssen nur danach suchen, wir alle, und
sie der Verwaltung auch nahe legen. Jahrelang wurde uns gesagt, dass wir
im interkommunalen Vergleich mit unseren Verwaltungskosten bestens dastehen.
Das oben genannte Beispiel zeigt aber, dass auch wir noch besser werden können.
Trotzdem möchte ich allen
Verwaltungsmitarbeitern danken für ihre hervorragend geleistete Arbeit. Ohne
sie würde es in unserer Stadt garantiert nicht so gut laufen. In diesem Jahr wurde bereits der
Fachbereich Jugend und Soziales umstrukturiert. Hier zeichnet sich bereits
jetzt eine Reduktion der Sozialausgaben ab. Auch in der Ratsbibliothek wollen wir
neue Wege gehen, indem wir mehr ehrenamtliches Engagement hineinbringen, ohne
dass dadurch hauptamtlichem Fachpersonal die Arbeitsplätze weggenommen werden.
Es gilt hier noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen, wir freuen uns aber
schon jetzt über das große Interesse vieler Lüneburger an der von Frau
Schellmann initiierten Maßnahme. Zu einer Neustrukturierung gehört aber
auch eine entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter: Die für Fortbildung zur
Verfügung gestellten Gelder dürfen nicht gekürzt werden. Wir müssen uns
überlegen, ob sie nicht irgendwann in nächster Zeit erhöht werden müssen. Wir
müssen unsere guten Mitarbeiter noch besser machen, nach dem Motto: "Das
Gute ist der Feind des Besseren". Umorganisiert wird auch die
Bewirtschaftung der städtischen Parkhäuser - und selbst die Verwaltungen
untereinander gehen neue Wege, so übernimmt die Stadt die Personalkostenabrechnung
für die Samtgemeinde Bardowick. Welche zusätzlichen Synergien sich bei einer
noch intensiveren Zusammenarbeit der Kommunen im Kreis weiter ergeben, ist
nicht abzuschätzen. Sicher ist nur eins: Keine Kommune
kann es sich leisten, Ressourcen brachliegen zu lassen - seien es Geräte,
Fahrzeuge oder Know-How. Dieses integrierte Konzept – das ist
übrigens keine Erfindung von uns, sondern stammt von verschiedenen
Consulting-Firmen - liest sich wie ein Programm der FDP. Und da in Lüneburg
schon ein paar wenige Punkte eines solchen Konzeptes umgesetzt wurden und
werden, finden sich auch einige unserer Forderungen an die Verwaltung in diesem
Haushaltsentwurf wieder. Aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wir arbeiten ständig an der Umsetzung
unserer Ziele, nämlich den Haushalt auszugleichen und trotzdem die
Einrichtungen unserer Stadt funktionstüchtig zu halten. Wir halten es für weitaus effizienter,
während des ganzen Jahres Veränderungen anzuschieben, als vor allem oder nur zur
Haushaltsdebatte solche Forderungen zu stellen. Und wir halten es für effizienter,
ruhige Überzeugungsarbeit zu leisten, anstatt immer lauthals öffentlich zu
agieren. Wir nehmen es dabei auch in Kauf, dass
wir nicht immer in der Landeszeitung erscheinen, aber wer uns kennt und das
politische Geschehen in unserer Stadt verfolgt, sieht unsere Erfolge. Lassen Sie es mich ganz deutlich
sagen: In der jetzigen
finanziellen Krisensituation sehen meine Fraktionskollegen und ich eine Chance.
Eine Chance für Veränderungen, für eine Neuorientierung und Neuorganisation
unserer städtischen Einrichtungen. Wir haben es uns wirklich nicht leicht
gemacht beim Durchforsten des Haushaltsplanentwurfes nach weiteren
Ausgabenkürzungen. Reelle Kürzungsmöglichkeiten sehen wir mittlerweile kaum
noch. Einfach eine Summe zu benennen, um die eine Haushaltsstelle oder auch ein
Budget gekürzt werden soll, entspricht nicht unserer Vorstellung von
konstruktiver Kritik. Wenn wir Ausgabenreduktionen vorschlagen, dann ganz
konkret. Wir benennen Ross und Reiter und nicht pauschal eine Summe, welche die Verwaltung dann umzusetzen
gezwungen ist. Damit könnten wir uns sehr elegant aus der Verantwortung für die
Umsetzung der Maßnahme ziehen. Der Oberbürgermeister und seine
Verwaltungsspitze wären dann die Buhmänner. Im Laufe der letzten Monate haben wir
auch einige weitere Veränderungsvorschläge diskutiert, auch Vorschläge, die in
den letzten Jahren von anderen Fraktionen aufgegriffen wurden. Auch wir dachten
an eine Reduktion der Bewirtschaftungskosten, mussten aber einsehen, dass bei
der derzeitigen Energiekostenentwicklung Einsparungen nicht machbar sind. Schon
in diesem Jahr mussten überplanmäßige Gelder bereitgestellt werden. Wenn wir
jetzt hier kürzen und schon wissen, dass wir im nächsten Jahr zusätzlich Geld
bereitstellen müssen, wo bleiben dann Haushaltswahrheit und -klarheit?
Veränderungen hier sind nur mit Strukturveränderungen möglich, die sind
übrigens schon angedacht. Auch wir haben geprüft, ob zusätzliche Veräußerungen möglich
sind, oder ob Geschäftsausgaben reduziert werden können, sahen aber auch hier
kaum sinnvolle und nachhaltige Veränderungsmöglichkeiten. Für uns kommt immer eine Reduktion der
Ausgaben vor einer Erhöhung der Einnahmen. Leider fordert genau das, nämlich die
Erhöhung der Einnahmen, die kommunale Finanzaufsicht seit Jahren. Mit den Einsparungen im Kita-Bereich
hoffen wir die bereits drei Mal vehement eingeforderte Gruppenstärkenerhöhung
endlich vom Tisch zu haben. Um die Erhöhung der Grundsteuer B
werden wir nicht herumkommen. Eine andere von uns vorgeschlagene
Verbesserung der Einnahmen finden Sie in unserer Veränderungsliste: Die
Vermietung des Rathausgartens. Mit großen Worten gesagt, eine bessere Nutzung
unserer Ressourcen. Vielleicht nur eine kleine Einnahmemöglichkeit, aber auch
Kleinvieh macht Mist. Eine andere Idee, die wir zur Zeit
diskutieren und die zu einer Reduktion der Ausgaben führt, betrifft die
Grünflächen in unserer Stadt. Da ab nächstem Jahr die Bepflanzungen
zugekauft werden müssen - die Stadtgärtnerei ist ja geschlossen - haben wir die
Absicht, verschiedene Flächen Gartenbaubetrieben zur Präsentation zur Verfügung
zu stellen. Die Pflege der Flächen übernehmen die Betriebe, die dort natürlich
für sich selbst Werbung machen können. Meine Damen und Herren, wir müssen
sparen, aber mit viel Fingerspitzengefühl. Eine einmal geschlossene oder
heruntergewirtschaftete Einrichtung - das kann auch eine Hauptschule sein -
lässt sich, wenn wir feststellen, dass wir sie doch dringend brauchen, oder die
Zeiten besser werden, nur sehr schwer oder sehr teuer reaktivieren. In anderen Kommunen werden Bäder,
Musikschulen und Jugendzentren geschlossen und es werden Beteiligungen
verkauft. Der Druck ist mittlerweile so groß,
dass über Dinge nachgedacht wird, die bis vor Kurzem noch als Tabu galten. Auch wir sparen seit Jahren, wo immer
es uns möglich erscheint. Es macht wirklich keinen Spaß, immer nur Einschnitte
verkünden zu müssen. Es macht aber Spaß kreativ zu sein.
Neue Organisationsformen zu finden, Verbesserungen von Arbeitsabläufen
einzuführen und neue Strukturen aufzubauen. Nutzen wir den Druck, der zur Zeit
vorhanden ist, um auch die zu überzeugen, die an alten Zöpfen festhalten. Mit diesem Haushalt tun wir erste
Schritte in die richtige Richtung. Unser Ziel haben wir damit aber bei weitem
noch nicht erreicht. Der von uns seit Jahren geforderte und mittlerweile auch
von Anderen als richtig erkannte Weg der Umstrukturierung und Umorganisation -
der weitaus effizienter ist als das Abpressen einiger weniger Euros aus
bestehenden Haushaltspositionen - wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Hören wir auf mit den gegenseitigen
Schuldzuweisungen, sondern handeln wir endlich gemeinsam, so wie es diesmal
sich ja abzeichnet. Handeln wir aber nicht so, wie Norbert Blüm es sagte:
"Alle wollen den Gürtel enger schnallen, aber jeder fummelt am Gürtel des
Nachbarn herum".“ Beigeordneter DR. SCHARF: „Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, die Grundsatzreden sind gehalten, aber dennoch möchte ich
einige Bemerkungen zu diesem Haushalt machen. Zunächst einige Worte zu dem
CDU-Standpunkt. Ich nehme vorweg, dass wir diesem Haushalt zustimmen werden.
Das ist uns sicher nicht leicht gefallen, denn unsere Einigung ist unter
erheblichen Bauchschmerzen zustande gekommen, und wir haben nahezu 40
Sparpositionen aufgestellt. In einer Klausurtagung haben wir dann im Einzelnen
erörtert, welche Positionen des Haushaltsentwurfs auf den Prüfstand gelegt
werden müssen und wo über den Entwurf der Verwaltung hinaus noch konsolidiert
und gespart werden kann. Ich glaube es ist ein Zeichen von Stärke, dass wir
bereit waren, die Positionen in Gesprächen mit der Verwaltung zu überprüfen –
herzlichen Dank für die vielen Informationen, die Sie uns gegeben haben - aber
auch mit der Mehrheitsfraktion in Gespräche zu treten mit der Zielrichtung, den
Haushalt, wenn möglich, gemeinsam zu verabschieden. Das alles aus der
Überzeugung heraus, dass wir alle in diesem Raum gemeinsam Verantwortung für
diese Stadt tragen, und dass wir sie auch übernehmen müssen. Von diesen 40
Positionen sind etwa 20 bereits auf dem Vorwege herausgenommen worden. Entweder
sind es die Prüfaufträge, Herr Oberbürgermeister, die kurzfristig überprüft
werden sollen; einige davon werden sicherlich in das Konsolidierungsprogramm
des nächsten Jahres einfließen, bzw. wir haben sie als längerfristige
Prüfaufträge aufgenommen, weil wir natürlich auch einsehen, dass man manche
Positionen, obwohl man sie vorher aufgestellt hat, noch einmal überdenken und
in Frage stellen muss. Von den Positionen, die schon während der Finanzberatungen
von der Verwaltung übernommen worden sind, nenne ich nur einige:
Grapengießerstraße, Hamburger Straße, Verbesserung der Gewerbesteuerumlage zu
Gunsten der Stadt Lüneburg; nur 3 Beispiele, wo die Verwaltung unsere Positionen
übernommen hat. Ich habe vor einiger Zeit die 49 Mio. Euro Haushaltsdefizit
als dramatisch bezeichnet; damals wurde ich massiv kritisiert. Ich bleibe bei
dieser Aussage: 49 Mio. Euro Defizit im Verwaltungshaushalt ist eine
dramatische Zahl. Diese Zahl ist ja nicht dadurch zustande gekommen, - ich
wiederhole das gerne noch mal -, dass Verwaltung und Rat Misswirtschaft
betrieben hätten. Das können Sie an allen Beschlüssen aller Ausschüsse des
Rates nachvollziehen und in den Protokollen nachlesen; ich möchte das hier
ausdrücklich betonen. Die Bestrebungen der Verwaltung, den Haushalt in den
Griff zu bekommen, insbesondere durch die Konsolidierungsmaßnahmen im
Personalhaushalt und andere, sind anzuerkennen und es wäre unredlich, das nicht
zuzugeben. Das müssen wir auch den Bürgern deutlich machen, und ich
glaube auch gemeinsam deutlich machen; dazu bekennen wir uns. Das Fazit aber
ist, und da möchte ich das aufgreifen, was Herr Althusmann und Herr Firus
soeben gesagt haben: Wenn die kommunale Selbstverwaltung, die Basis unserer
Demokratie, in Zukunft funktionieren soll, werden wir um eine klare Gemeindesteuerfinanzreform
nicht herumkommen. Ohne eine solche Reform - selbst wenn wir noch so viele
Konsolidierungs- und Sparvorschläge machen – werden wir es nicht schaffen,
wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das heißt nicht, dass wir
nicht auch weiterhin eigene Anstrengungen unternehmen müssen. Ohne eine
Gemeindesteuerfinanzreform werden wir aber weiterhin auf der Rasierklinge
tanzen müssen und es wird weiterhin eine schmale Gratwanderung zwischen Sparen
und Investieren bleiben. Zwei Bemerkungen zu Schule und Bildung: Wir haben seit
vielen Jahren die wichtigen Schüler- und Klassenpauschalen nicht erhöht. Im
Konsolidierungsprogramm war insgesamt für den Schulhaushalt eine 20 %ige
Reduzierung vorgesehen. Alle Fraktionen waren sich einig, es können nur maximal
10 % sein; ich finde das hervorragend. Hier wird ein Signal an unsere Schulen
und auch an die Eltern gegeben: wir übernehmen Verantwortung für eine
nachvollziehbare Kürzung, die aber nicht so dramatisch ist, dass die Schulen
nicht mehr arbeiten könnten; ich halte das für ein gutes Zeichen. Bei den Investitionen im Vermögenshaushalt im Bereich der
Schulen hat die Stadt Lüneburg fast die „Quadratur des Kreises“ in Angriff
genommen. Und auch diese Beschlüsse haben wir gemeinsam gefasst und wir stehen
dazu. Beispielhaft nenne ich die PCB-Sanierung: 16 Mio. Euro, aber
auch das ist ein Signal an die Schulen und an die Eltern, dass wir wirklich
alles tun, um die Gesundheit unserer Kinder zu erhalten. Das Schulbausanierungsprogramm läuft weiter und auch hier
einen Dank an die Verwaltung für die geschickte Kombination zwischen
PCB-Sanierungen und Schulbausanierungsprogramm. Und auch das dritte Problem muss
mit den beiden ersteren kombiniert werden, nämlich die beiden
Ganztagsschulprogramme in Kaltenmoor und auf dem Kreideberg. Das ist ein Rahmen
von nahezu 6 Mio. Euro, die wir gern annehmen und investieren, um unsere
Schulen auf Vordermann zu bringen. Hinzu kommt die Umsetzung der Schulreform, die mit 1,5 Mio.
Euro veranschlagt ist Diese Summe soll im Schulausschuss überprüft werden,
sobald im Kreistag eine Entscheidung gefallen ist. Noch eine Bemerkung zu den Steuern und Abgaben. Es klang
schon an, dass wir der Erhöhung der Grundsteuer B um 30% nicht zustimmen
werden, sondern nur eine Erhöhung um 15 % für vertretbar halten. Zum Zweiten:
Wir werden der Erhöhung der Hundesteuer um 17 % nicht zustimmen; und wir werden
auch die Erhöhung der Friedhofsgebühr um teilweise 45 und 50 % ablehnen aus
folgenden Überlegungen heraus: Es gibt ständig mehr Bürger, denen bereits in
2003 und zunehmend in 2004 vom Land, vom Bund und jetzt auch von der Kommune in
die Tasche gegriffen wird. Es gibt zunehmend Bürger, die das einfach nicht mehr
leisten können; denn auch die Erhöhung der Grundsteuer wird zu Mieterhöhungen
beitragen. Letzte Bemerkung und damit möchte ich auch zum Ende kommen:
Ich nenne ein Beispiel, wo wir die Einnahmesituation der Stadt nicht voll
ausgeschöpft haben; ich beziehe mich dabei auf die Satzung des Parkhauses
Lünepark. Warum soll dort nicht auch am Samstag Abend und am Sonntag eine
geringe Gebühr erhoben werden? In der heutigen Zeit können wir das nicht mehr
zum Nulltarif machen. So wäre durchaus ein gewisser Ausgleich für etwas
geringere Hundesteuern möglich. Ich bin weiterhin der Meinung, alle unsere Parkhäuser sind
Filetstücke, die bei gutem Management schwarze Zahlen schreiben müssen. Daher
sehe ich auch nicht ein, weshalb in Zukunft Zuschüsse in die Parkhäuser fließen
müssen. Meine Damen und Herren, mit Ausnahme der von mir genannten
Beispiele werden wir dem Haushalt zustimmen. Danke.“ Beigeordneter LÖB: „Frau Ratsvorsitzende, meine Damen und Herren, ich möchte begründen, warum sich ein Teil unserer Fraktion
bei der Abstimmung des Haushaltes 2004 enthalten wird. Wir sehen bei der Aufstellung des Haushaltes die Verwaltung
der Stadt in schlechter Gesellschaft mit unserer neuen Landesregierung. Beide
haben aus Pisa nicht genug gelernt. Sicherlich notwendige Einsparungen im Haushalt 2004 werden
nicht genug daran ausgerichtet, was gesellschaftlich in Zukunft notwendig ist.
Und notwendig ist die Investition in Bildung und Erziehung, das ist eine
zentrale Erkenntnis der PISA-Studie gewesen. Stattdessen wird, wenn man das
Haushaltskonsolidierungskonzept betrachtet, mehr oder minder nach dem
Zufallsprinzip vorgegangen: Wo wird in naher Zukunft eine Stelle frei. Oder
nach der Rasenmähermethode: Leistungen im Bereich Kultur und Bildung werden
unisono gekürzt. Beginnen wir mit den Kindertagestätten, eine absolute
Notwendigkeit angesichts des durch PISA festgestellten Bildungsnotstandes in
diesem Land. Hier werden die Personalstrukturen weg von der Erziehung, hin zur
Verwahrung verändert. Daneben steigen auch die Elternbeiträge. Betrachten wir
die Ausstattung unserer Schulen. Statt die Schülerpauschalen zu erhöhen, wie es
gerade der Kreis beschlossen hat, werden sie in der Stadt abgesenkt. Am Rande
gesagt, die PCB-Sanierung ist zwar sicherlich ein Effekt für die Schulen, hat
aber nichts mit Bildung zu tun, sondern resultiert aus der Notwendigkeit, die
Nutzbarkeit von Immobilien aufrecht zu erhalten. Betrachten wir die kulturellen Bildungsinstitutionen wie die
Museen. Auch hier pauschale Kürzungen der Budgets. Betrachten wir die Volksbildung durch die Bücherei und die
Volkshochschule. Bei der Bücherei findet ein personalpolitischer Kahlschlag
statt, der sich auf die Qualität und die Öffnungszeiten niederschlagen wird,
bei der VHS wird das Budget nicht den zu erwartenden Einnahmeausfällen
angepasst. Meine Damen und Herren, Bildungsinvestitionen, die wir heute
versäumen, schlagen morgen auf uns zurück. Bildung ist gerade in unserer
Wissensgesellschaft die wichtigste Investition in die Zukunft unserer
Gesellschaft. Ähnlich wie Bildung haben Investitionen in den Umweltschutz
eine nachhaltig wirkende Funktion. Auch hier schließt übrigens der vorliegende
Haushaltsentwurf, trotz aller Änderungsanträge, wiederum nahtlos an die Politik
der neuen Landesregierung an. Neben der Streichung von Zuschüssen an die KVG, die
Minderung der Zuschüsse für das Job-Ticket, ist es insbesondere die Streichung
der Stelle einer AGENDA-21 -Beauftragten, die uns 'sauer aufstoßen' lässt. Hier
werden falsche Signale gesetzt, die das langsame Umdenken der Bevölkerung hin
zu mehr Umweltbewusstsein konterkarieren. Meine Damen und Herren, man will uns hier weismachen, dass
all die Kürzungen nur eine Folge des Geldmangels der öffentlichen Haushalte ist
- und nicht etwa Ausdruck einer Politik der Rot -Gelben -Mehrheit im Rat. Dem halten wir entgegen. dass der Mangel an Geld im Großen und Ganzen sicher ein Ergebnis der Politik auf Bundes- und Landesebene ist, aber auch das zögerliche Verhalten der Rot-Gelben Mehrheit im Rat dieser Stadt hat zu bedauerlichen Einnahmeausfällen geführt, die wir heute zu spüren bekommen. Wir Grünen mussten oft genug die Verwaltung und die sie
tragende Mehrheit geradezu 'zum Jagen tragen' wenn es z.B. um die Einführung
einer Zweitwohnungssteuer oder die Hebung der Grundsteuersätze ging. Einnahmen,
die bereits in den letzten Jahren kassiert hätten werden können und uns heute
etwas mehr Spielraum bei der Haushaltsaufstellung gegeben hätten. Diese Verzögerungen
und das unkonsequente Festhalten an Prestigeobjekten, die für die Stadt mehrere
Nummern zu groß sind, wie SaLü, Krankenhaus oder Brückenbauten haben ihr Scherflein
dazu beigetragen, den Spielraum für Bildung und Kultur bis zum Würgegriff
einzuengen. Meine Damen und Herren, diese schmerzhafte Kritik soll aber
nicht davon absehen, dass es ein Entgegenkommen der SPD bei einigen
Änderungswünschen der Grünen gab. Diese bescheidene Bewegung gibt Hoffnung für
einen zukünftigen Politikwechsel. Daher sehen wir uns auch heute in der Lage, diesem Haushalt
zwar nicht zuzustimmen, ihn aber auch nicht vollends abzulehnen. Danke schön.“ Beigeordneter SRUGIS: „Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, heute hat sich gezeigt, dass der Rat der Stadt kein
Parlament, sondern ein echtes Selbstverwaltungsorgan ist, denn wir handeln in
gemeinsamer Verantwortung, um einen gemeinsamen Haushalt zu verabschieden.
Soweit ich weiß, ist das nicht allzu oft in Lüneburg in den letzten Jahren
passiert und ich muss sagen, das liegt wahrscheinlich nicht zuletzt daran, dass
ein hervorragender Entwurf gemacht worden ist. Aber das liegt sicherlich auch
daran, dass die Parteien sich im Wesentlichen einigen konnten. Es sind ein paar
Wassertropfen in den eigentlich guten Wein gegossen worden, das finden wir zwar
nicht so gut, aber man kann natürlich in einigen Dingen auch anderer Auffassung
sein. Also, ich freue mich über diese Einigung, die hier möglich ist. Meine Damen und Herren, wer letztlich weniger Geld ausgeben
will - und alle reden vom Sparen – muss
auch sagen wie er spart. Es genügt nicht, dass man sagt, ich will z.B. 200.000
Euro einsparen, aber ich kann nicht genau beziffern, wie und wo das genau
passieren soll. Notwendig wäre für die Stadt Lüneburg, wenn man denn so
vorgehen will, eine Aufgabenkritik und das ist eine eminent politische Frage.
Ich meine, dass wäre vielleicht eine Aufgabe des Rates in den nächsten Monaten. Sind die Leistungen, die die Stadt Lüneburg erbringt, dann
definiert, dann muss natürlich überlegt werden, wie diese Aufgaben erfüllt
werden und natürlich kommt es dann darauf an, diese Leistungen ökonomisch zu
erstellen und natürlich muss man auch für die notwendigen Einnahmen sorgen. Ich bin im Gegensatz zu einigen Rednern der Meinung, dass
die Stadt auf dem Wege der Umstrukturierung, also ökonomischem Handeln, ganz
weit vorne ist, nicht nur in Niedersachsen, ich glaube sogar in Deutschland.
Denn was tun wir? Wenn ich einmal davon ausgehe, wie der Personalbestand noch
vor nicht ganz 10 Jahren war, da hatten wir 1.100 Mitarbeiter, mittlerweile
sind wir auf 900 runter, meine Damen und Herren, das ist eine Einsparung von 20
%. 20 % weniger, ohne dass die Leistungen wesentlich geschmälert wurden. Das
muss man ja dabei bedenken. Und wenn das kein ökonomisches Verhalten ist, meine
Damen und Herren, wie sollte das denn sonst gehen? Also, damit keine Missverständnisse entstehen: wir
Sozialdemokraten sind gegen einen armen Staat und gegen eine arme Stadt. Ich glaube,
es ist nicht gesund für die Bürger, wenn wir Einsparungen in der Weise
übertreiben, dass wir hier Verhältnisse bekommen, wie sie in manchen Städten
Amerikas und auch in Großbritannien sind. Das möchte ich nicht. Ich möchte hier
eine vernünftige Struktur, auch eine vernünftige Sozialstruktur, nach wie vor
erhalten und ich glaube, Lüneburg kann sich insgesamt sehen lassen. Herr Althusmann, Sie haben auf die Bundespolitik hingewiesen
und haben gesagt, ein großer Teil dieser Misere liegt an der Bundespolitik.
Aber Deutschland steht, wie wir alle wissen, vor enormen Strukturproblemen. Wir
haben seit einigen Jahren sinkende Wachstumsraten nicht nur in Deutschland,
auch in anderen Ländern. Wir haben die Globalisierung, d. h. einen internationalen
Wettbewerb und leider auch Wettbewerbsdruck nach unten im Bereich Soziales.
Einige nennen es Sozialdumping. Ein Wettlauf, den keiner gewinnen wird, wenn
wir so weitermachen würden, das gilt übrigens auch für die Steuern. Dreht ein
Land die Steuerschraube nach unten, folgt das nächste Land. Die Frage ist, wo
das enden wird. Wir haben, Herr Firus hat darauf hingewiesen, eine alternde
Gesellschaft, was neue Probleme bringt. Wir haben die Wiedervereinigung gehabt,
die andere Länder nicht hatten, deshalb sind Umschichtungen notwendig geworden
und insgesamt wirkt sich das auch auf die Ausgaben des Bundes aus. Und wir
haben eine hohe Arbeitslosigkeit. Meine Damen und Herren, das führte dazu, dass die Gemeinden
weniger Einnahmen haben, nicht nur der Bund, auch Länder und vor allem die
Gemeinden. Zusätzlich haben die Gemeinden höhere Ausgaben, nämlich im Bereich
der Sozialhilfe. Diese Schere war einfach nicht zu packen und jetzt erstmalig
seit vielen, vielen Jahren, das müssen wir wirklich sagen - es gab eine Zeit
der Lethargie, es ist eine Menge überdeckt worden durch die Wiedervereinigung -
aber jetzt ist es doch so, dass in Berlin sich die Parteien zusammenraufen, um
aus dieser Misere herauszukommen und insofern bin ich überhaupt nicht
pessimistisch, sondern ich bin optimistisch. Ich glaube, das wirkt sich auch
für Lüneburg letztlich positiv aus. Herr Althusmann, eins habe ich nicht verstanden, die
Geschichte mit den Kassenkrediten. Sie haben da merkwürdige Additionen
aufgestellt, das müssen Sie mir vielleicht bei einem Bier nachher noch mal
erläutern, was Sie damit meinen. Für mich war das unverständlich. Für mich sind
Kassenkredite da, um die Liquidität in der Stadt sicherzustellen und es ist ja
keineswegs so, dass die Verwaltung da ganz autonom handelt, sondern den Kassenkredit
beschließen wir hier. So ist das. Und wenn jemand meint, er wüsste einen
besseren Weg, dann muss er dagegen stimmen und sagen, wie er es besser machen
will. Wir können ja gar nicht anders, wir müssen das tun. Die Kassenkredite
sichern ja eben auch die Liquidität der Gemeinden. Sonst würde es ja wirklich
passieren, dass – wie einige manchmal meinen – eine Gemeinde pleite gehen könnte,
aber das ist ja keineswegs so. Was wir nicht vergessen dürfen und wir sollten unser Licht nicht unter den Scheffel stellen: Im Jahre 2010 werden wir 101 Mio. Euro konsolidiert haben, wenn unsere Planungen aufgehen. Das ist doch was. Das sollte man doch nicht runterreden. Und in diesem Jahr sind es, ich glaube 34 Mio. Euro, die zusätzlich konsolidiert werden. Ich meine, das ist doch eine großartige Leistung. Und wenn wir dann vom Bürger verlangen, eine moderate Erhöhung der Grundsteuer B um 30 Punkte zu tragen, dann liegen wir in Deutschland erst im Mittelfeld. Es ist nicht unzumutbar. Ich glaube, dass der Bürger es gut versteht, wenn wir diese Konsolidierung von 101 Mio. Euro in 10 Jahren schaffen, wenn auch er seinen Beitrag - in der Summe aller Bürger zusammen von etwa 750.000 Euro jährlich - dann leistet. Ich denke, das wird dann verstanden. Es ist ja nicht so, dass wir nur die Einnahmen erhöhen, sondern bei den Ausgaben kürzen wir wesentlich mehr. Meine Damen und Herren, ich wollte diese Dinge einfach noch
mal richtigstellen. Ich möchte aber noch einmal darauf hinweisen, was Herr
Firus auch eingangs sagte, hier gehen in Lüneburg keineswegs die Lichter aus.
Wir sind nicht in der Situation, dass wir sagen müssen, wir sehen Schwarz für
die Zukunft, und da bin ich anderer Meinung als Herr Löb, wir tun eine ganze
Menge für Bildung in dieser schweren Zeit, das soll man uns auch zugute halten.
Die sozialen, kulturellen und sportlichen Einrichtungen sind gesichert, hier
wird nichts abgebrochen. Und wir tun auch etwas für die Infrastruktur. Ich
meine auch, es gibt Möglichkeiten des zukünftigen Wachstums. Jedenfalls haben
wir dazu gute Voraussetzungen geschaffen. Und, meine Damen und Herren, wenn in Berlin die Parteien
zusammenkommen können und wenn die Konjunktur, wie wir gerade lesen können,
stärker anspringt, als man vermutet hat, dann bin ich zuversichtlich und ich
meine, dieser Haushalt trägt dazu bei, dass hier nichts abgebrochen wird,
sondern dass es vorangeht.“ Ratsherr ZIEGERT: „Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, ich möchte noch kurz begründen, selbst auf die Gefahr lieber
Herr Srugis, Ihren erlesenen Wein etwas zu verwässern, weshalb wir der doch
etwas wackeligen Anhebung des Grundsteuermessbetrages nicht so gern zustimmen. Die Grundsteuer steht zwar im Grundgesetz, ist aber in der
modernen Steuerlehre zunehmend nicht mehr unangefochten. Sie ist letzten Endes
eine Sondervermögenssteuer. Alles, was man gegen die Vermögenssteuer sagen
kann, kann man natürlich auch gegen die Grundsteuer sagen. Grundvermögen ist
gespeichertes Einkommen. Wer sein Einkommen konsumiert, geht leer aus, und wer
es anlegt, muss zusätzlich bluten. Ob das gerecht ist, darüber kann man füglich
streiten. Den ihr zugedachten Zweck, den Grundstücksmarkt in Bewegung zu
bringen und die Grundstückspreise zu senken, kann die Grundsteuer zweifelsohne
schon lange nicht mehr erreichen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob man den
Wohlsituierten, die es ja haben, etwas wegnimmt, was diese durchaus entbehren
können. Bei dieser Betrachtungsweise fällt aber unter den Tisch,
dass viele Grundstücke vermietet sind, und dass die Grundsteuer auf die Mieter
übergewälzt wird. Das hat Herr Dr. Scharf schon angedeutet. Letzten Endes wird
damit faktisch der Mietaufwand besteuert und nicht etwa das Leistungsvermögen
des Grundstückseigentümers. Und die Sache wird geradezu kurios, wenn ein Mieter
deswegen etwa Wohngeld beantragt. Dann nimmt der Staat mit der einen Hand und
muss es mit der anderen zurückgeben. Und um das Bild abzurunden: es hat noch
niemand bisher geschafft, den Grundstückswert richtig zu ermitteln. Man kann
sagen, mit viel Aufwand sind immer in der Vergangenheit falsche Werte
produziert worden. Wer unter diesen Gesichtspunkten skeptisch gegenüber der
Grundsteuer ist, der wird einer massiven Erhöhung, wie sie hier aus
Haushaltsgründen vorgeschlagen wird, nicht gern zustimmen. Nun weiß ich auch,
dass diese Anhebung des Satzes um 30 % kein Herzensanliegen der Verwaltung ist.
Der Oberbürgermeister hat im letzten Jahr gesagt, Steuererhöhungen passen nicht
in die Landschaft, und was im letzten Jahr richtig war, kann in diesem Jahr
nicht falsch sein. Ich weiß auch, dass die Verwaltung dies tut, weil die
Bezirksregierung in den vergangenen Jahren eine Drohkulisse aufgebaut hat. Aber
die Bezirksregierung hat ja schon so manches Mal die Peitsche geschwungen und
wenn die Genehmigung anstand, den Knüppel im Sack gelassen. Ich denke, dass wir
auch diesmal auf eine vernünftige Reaktion hoffen können. Wir sind ja bereit,
auch die Grundsteuer etwas anzuheben, aber 30 % erscheint uns doch um einiges
zu hoch. Vielen Dank!“ Beschluss: Der Rat der Stadt Lüneburg
beschließt die Veränderungslisten der Fraktionen in folgenden
Stimmenverhältnissen: Antrag
der Gruppe SPD/FDP: Punkt
1 wird einstimmig bei einer Stimmenthaltung der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen
vertagt. Die
übrigen Punkte werden einstimmig bei 2 Stimmenthaltungen der Fraktion Bündnis
90/ Die Grünen beschlossen. Antrag
der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen: Punkt
2. und 3. werden einstimmig beschlossen. Über die übrigen Punkte wird nicht
abgestimmt. Aktualisierter
Antrag der CDU-Fraktion: Punkte 1. – 11. und 14. – 16. werden einstimmig bei Stimmenthaltung von 2 Mitgliedern der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen beschlossen. Punkt 12. wird mehrheitlich
abgelehnt mit den Stimmen der Gruppe SPD/FDP und der Fraktion Bündnis 90/ Die
Grünen gegen die Stimmen der CDU-Fraktion. Punkt 13. wird mehrheitlich
abgelehnt mit den Stimmen der Gruppe SPD/FDP gegen die Stimmen der CDU-Fraktion
bei Stimmenthaltung der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen. Der Rat der Stadt Lüneburg beschließt einstimmig mit den Stimmen der Gruppe SPD / FDP, der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei Stimmenthaltung von 2 Mitgliedern der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen den Erlass der nachfolgenden Haushaltssatzung der Stadt Lüneburg für das Haushaltsjahr 2004 sowie die Festsetzung des Investitionsprogrammes der Stadt Lüneburg für die Haushaltsjahre 2003 - 2007 zuzüglich des Haushaltskonsolidierungskonzeptes 2004 gemäß den der Beschlussvorlage beigefügten Unterlagen unter Berücksichtigung der beschlossenen Veränderungslisten der Fraktionen. (Die beschlossenen Veränderungsvorschläge der Fraktionen sind bereits in die nachfolgende Haushaltssatzung eingearbeitet worden.) H A U S H A L T S S A T Z U N
G der Stadt Lüneburg für das Haushaltsjahr 2004 Auf Grund des § 84 der Niedersächsischen Gemeindeordnung hat der Rat der
Stadt Lüneburg in seiner Sitzung am 09. Dezember 2003 folgende Haushaltssatzung
beschlossen: § 1 Der
Haushaltsplan der Stadt Lüneburg für das Haushaltsjahr 2004 wird im Verwaltungshaushalt in der Einnahme auf 161.450.000
Euro in der Ausgabe auf 210.050.000 Euro im Vermögenshaushalt in der Einnahme auf 36.750.000
Euro in
der Ausgabe auf 36.750.000 Euro festgesetzt. Der Wirtschaftsplan des städtischen Klinikumes Lüneburg für
das Haushaltsjahr 2004 wird im Erfolgsplan mit Erträgen in Höhe von 76.434.138
Euro Aufwendungen in Höhe von 78.122.661 Euro im Finanzplan mit Einnahmen in Höhe von 19.810.362
Euro Ausgaben in Höhe von 19.810.362 Euro festgesetzt. Der Wirtschaftsplan des
Anna-Vogeley-Seniorenzentrums für das Haushaltsjahr 2004 wird im Erfolgsplan mit Erträgen in Höhe von 5.257.000
Euro Aufwendungen in Höhe von 5.255.000 Euro im Finanzplan mit Einnahmen in Höhe von 1.445.000
Euro Ausgaben in Höhe von 1.445.000 Euro festgesetzt. § 2 Der Gesamtbetrag der Kredite, deren Aufnahme im Haushaltsjahr 2004 zur
Finanzierung von Investi-tionen und Investitionsfördermaßnahmen erforderlich
ist, wird auf 12.761.500 Euro festgesetzt. Im
Finanzplan des städtischen Klinikums Lüneburg werden Kredite nicht
veranschlagt. Der Gesamtbetrag der Kredite für Investitionen im
Finanzplan des Anna-Vogeley-Seniorenzentrums wird auf 1.210.000 Euro
festgesetzt. § 3 Der Gesamtbetrag der
Verpflichtungsermächtigungen wird auf 8.600.000 Euro festgesetzt. Im Finanzplan
des Klinikums Lüneburg und des Anna-Vogeley-Seniorenzentrums werden Verpflichtungs-ermächtigungen
nicht veranschlagt. § 4 Der Höchstbetrag, bis zu dem
Kassenkredite im Haushaltsjahr 2004 zur rechtzeitigen Leistung von Ausgaben in
Anspruch genommen werden dürfen, wird auf 105.000.000 Euro festgesetzt. Der Höchstbetrag, bis zu dem
Kassenkredite im Haushaltsjahr 2004 für die Sonderkasse des städtischen
Klinikums Lüneburg zur rechtzeitigen Leistung von Ausgaben in Anspruch genommen
werden dürfen, wird auf 8.000.000 Euro festgesetzt. Der Höchstbetrag, bis zu dem
Kassenkredite im Haushaltsjahr 2004 für die Sonderkasse des
Anna-Vogeley-Seniorenzentrums zur rechtzeitigen Leistung von Ausgaben in
Anspruch genommen werden dürfen, wird auf 750.000 Euro festgesetzt. § 5 Die Steuersätze für die Realsteuern werden für das
Haushaltsjahr 2004 wie folgt festgesetzt: 1. Grundsteuer 2. Gewerbesteuer 360 v. H. § 6 Über- und
außerplanmäßige Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen gelten im Sinne
der §§ 89 (1) und 91 (5) NGO für
die Befugnis des Oberbürgermeisters als unerheblich, wenn sie den Betrag von
25.000 Euro nicht überschreiten. Lüneburg, den 09. Dezember 2003 Mädge Oberbürgermeister (II, 2) |
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