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Beratungsinhalt: Herr
SABELHAUS, Referent
beim niedersächsischen Integrationsrat, berichtet über seine Arbeit. Ein
derzeitiges Schwerpunktthema des Integrationsrates sei u.a. das
Handlungsprogramm der neuen Landesregierung. Einige Punkte dieses Programms
stufe der Integrationsrat als Fehlentscheidungen ein, z.B. die geplante
Abschaffung des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder von Migranten und die
Unterscheidung zwischen ausländischen Migranten und sog. Russlanddeutschen im
Bereich des Integrationsbedarfs, welcher nach Meinung des Integrationsrates
unabhängig von der Herkunft eines Menschen aus seiner sozioökonomischem Situation
entstehe. Weiterhin sei der Wegfall der finanziellen Förderung der
Geschäftsstelle des niedersächsischen Flüchtlingsrates zu nennen. Der
Flüchtlingsrat habe seit Jahren landesweit die Flüchtlingsarbeit begleitet und
in Einzelfällen professionell geholfen. Flüchtlingsarbeit sei für die Politik
immer unbequem, mit dem Wegfall der finanziellen Förderung werde sie jetzt
quasi eingestellt. Ein
weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des niedersächsischen Integrationsrates sei
auch der Kontakt mit der SCHURA, einem Dachverband muslimischer Gruppierungen
in Deutschland, der die Einrichtung von Schlichtungsstellen in den Kommunen
initiieren wolle, welche zwischen Konfliktparteien schlichten sollen, an denen
Muslime beteiligt seien. Diese Schlichtungsstellen sollten juristisch
entsprechend abgesichert und in das kommunale Wesen eingebettet sein, insofern
sei mit einer Umsetzung dieser Pläne erst mittelfristig zu rechnen. Der
niedersächsische Integrationsrat habe der SCHURA seine Unterstützung für die
Realisierung dieser Idee angeboten. Im
übrigen beobachte der Integrationsrat auch die noch ausstehende Umsetzung der
EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung aller Menschen, die eigentlich bereits zum
19.07.03 in Form eines Anti-Diskriminierungsgesetzes hätte erfolgt sein müssen.
Hier werde der Integrationsrat zu gegebener Zeit insbesondere auf eine von
staatlichen Stellen unabhängige, parlamentarische Überwachung durch spezielle
Beobachtungsstellen drängen. Stadtdirektor
KOCH fragt nach der
Meinung des Integrationsrates zu dem von der neuen Landesregierung vorgelegten
Entwurf eines alternativen Zuwanderungsgesetzes, und bittet um einen
Erfahrungsbericht aus anderen niedersächsischen Städten, wo man seines Wissens
aus dem klassischen Ausländerbeirat einen weitergreifenden Integrationsbeirat
machen wolle. Herr
SABELHAUS
antwortet, zu dem Entwurf eines alternativen Zuwanderungsgesetzes sei die
Meinungsbildung im niedersächsischen Integrationsrat noch nicht abgeschlossen,
insofern könne er sich dazu nicht äußern. Integrationsbeiräte gäbe es bereits
in einigen Städten in unterschiedlichen Modellen. Er stellt einige kurz vor und
zeigt die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle auf. Wichtig sei nach
mehrheitlicher Auffassung des niedersächsischen Integrationsrates aber insbesondere
die demokratische Legitimation eines solchen Gremiums, und die Einbeziehung von
Vertretern aller Einwanderergruppen, unabhängig von der Staatsangehörigkeit.
Die Höhe der Wahlbeteiligung sei dabei für die demokratische Legitimation
dieses Gremiums völlig unerheblich, wichtig sei, dass es durch Wahlen besetzt
werde. Stadtdirektor
KOCH möchte dennoch
wissen, wie man die Wahlberechtigten stärker zur Teilnahme an der Wahl
motivieren könnte. Herr
SABELHAUS erwidert,
trotz jahrelanger Analysen solcher Wahlen, gäbe es dafür kein Patentrezept. Man
müsse auch akzeptieren, dass die Migranten andere kulturelle Hintergründe
hätten und zum Teil nie an einer Wahl teilgenommen hätten. Einigen fehle auf
Grund mangelnder Bildung auch das Verständnis für Demokratie und
gesellschaftliche Strukturen. Es sei schwer, diesen Menschen die Arbeit und den
Nutzen eines Ausländer- oder Integrationsbeirates deutlich zu machen. Eine
Intensivierung der Wahlwerbung führe daher in der Regel nicht unbedingt zu
einer höheren Wahlbeteiligung. Frau
WOLF fragt nach
Möglichkeiten, die Integration zu fördern, ohne damit weitere Kosten zu
verursachen. In vielen Städten gäbe es aus finanziellen Gründen leider schon
Überlegungen, die Ausländerbeiräte zu verkleinern, manchmal sogar abzuschaffen. Herr
SABELHAUS meint,
man müsse den Kommunen deutlicher machen, dass Integration eigentlich originär
ein kommunales Thema sei. Sie könne nur dort stattfinden, wo die Betroffenen
lebten. Die Räte müssten begreifen, dass sie die Verantwortung nicht auf das
Land, den Bund oder die EU abwälzen könnten. Überaus erstaunlich sei, dass nach
50 Jahren Einwanderung in Deutschland immer noch keine klaren Konzepte zur
Integration von Migranten existierten. Dabei sei es für das Zusammenleben in
einer Gesellschaft enorm wichtig, einer Ghettobildung verschiedener Gruppen
vorzubeugen. Hier sei Kreativität gefordert. Die Ausgaben der Kommunen für
Integration stünden in keinem Verhältnis zur Wichtigkeit des Gegenstandes. Ein
Ausländerbeirat sei gemessen an seiner Bedeutung daher keineswegs teuer und er
helfe zu verhindern, dass das Thema völlig an den Rand gedrängt und vergessen
werde. Stadtdirektor
KOCH stellt klar,
in Lüneburg solle der Ausländerbeirat an sich nicht abgeschafft werden. Es sei
nur generell vom Oberbürgermeister den Ratsfraktionen vorgeschlagen worden, die
Zahl der Ausschüsse und ähnlicher Gremien ab der nächsten Wahlperiode zu
verringern, um Kosten zu sparen. Dazu sei überlegt worden, wie die Gremien
umorganisiert werden könnten und ob der Ausländerbeirat eventuell mit dem
Sozial- und Gesundheitsausschuss zusammengefasst werden könnte, indem dieser
dann z.B. um Mitglieder erweitert würde, die von den Migranten zugewählt
würden. Die Kosten für den Ausländerbeirat an sich seien in der Tat nicht sehr
hoch, es müsste aber überlegt werden, wie das z.Zt. relativ aufwändige
Wahlverfahren finanziell günstiger gestaltet werden kann. Die Stadt wolle dazu
bei vergleichbaren Städten Erfahrungen zu diesem Thema abfragen und
entsprechend umsetzen. Im Frühjahr 2004 solle mit der Diskussion dazu im
Sozial- und Gesundheitsausschuss gemeinsam mit dem Ausländerbeirat begonnen
werden, eventuell zunächst in Form einer Anhörung, bei der einige andere
niedersächsische Städte ihre Modelle vorstellen. Der
Ausländerbeirat nimmt Kenntnis. |
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