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Auszug - Bauvorhaben Erweiterung und Modernisierung des Ostpreußischen Landesmuseums, Integration einer deutschbaltischen Abteilung - inhaltliche Konzeption und Finanzierung  

 
 
Sitzung des Kultur- und Partnerschaftsausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Kultur- und Partnerschaftsausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 15.07.2014    
Zeit: 16:00 - 17:45 Anlass: Sitzung
Raum: Glockenhaus (Erdgeschoss)
Ort: Glockenstraße, 21335 Lüneburg
VO/5770/14 Bauvorhaben Erweiterung und Modernisierung des Ostpreußischen Landesmuseums, Integration einer deutschbaltischen Abteilung - inhaltliche Konzeption und Finanzierung
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:Bereich 41 - Kultur Bearbeiter/-in: Plett, Anke
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Herr DR. MÄHNERT, Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums, berichtet, die Baumaßnahme zur Erweiterung und Modernisierung des Museums werde von unterschiedlichen Einrichtungen finanziert, und zwar vom Bund, vom Land Niedersachsen, aus EU-Mitteln, durch die Klosterkammer, die Deutsch-Baltische Kulturstiftung und die Stiftung Niedersachsen. Das Museum solle mehr zur Innenstadt hin orientiert werden. Der derzeitige Eingang in der Ritterstraße werde geschlossen, das Gebäude bleibe als Ausstellungsgebäude erhalten. Der künftige Zugang werde über das sog. Scharff´sche Haus in der Heiligengeiststraße erfolgen, bei dem es sich um ein 500 Jahre altes Baudenkmal handele. Im Erdgeschoss werde neben dem Eingangsbereich ein Museumsladen und Museumscafé eingerichtet, im Obergeschoss Verwaltung und Bibliothek einziehen. Anhand von Grundrissen, Übersichtsplänen und Planskizzen schildert Herr DR. MÄHNERT anschließend Standort und Architektur des geplanten Erweiterungsbaus, der die drei Gebäude des derzeitigen Museums, des Brauereimuseums und des Scharff´schen Hauses miteinander verbinden werde. Das Scharff´sche Haus und das Brauereimuseum würden dabei jedoch so frei gestellt bleiben, dass sie als Einzeldenkmale erhalten bleiben. Die gesamte Ausstellungskonzeption vorzustellen, würde den Rahmen des Vortrags sprengen. Die Grundidee sei aber, im Foyer des Scharff´schen Hauses zunächst eine Einführung in die Begriffe Ostpreußen und Deutsch-Balten und die besondere Verbindung zu Lüneburg zu geben. Im derzeitigen Gebäude des Ostpreußischen Landesmuseums werde die Ausstellung komplett umgebaut und anders strukturiert, so dass künftig der Mensch stärker im Mittelpunkt stehen werde. Die Zielgruppen werden sich in den kommenden Jahren verändern, da es in einigen Jahren keine Ostpreußen mehr geben werde. Man müsse den nachwachsenden Generationen erklären, warum Ostpreußen auch für sie ein spannendes Thema sein könne. Im Dachgeschoss werde die deutsch-baltische Abteilung einziehen. Ein weiterer Themenkomplex werde Vertreibung und Integration mit einem Schwerpunkt auf der Lüneburger Region sein, wo immerhin 40% der Einwohner einen Vertreibungshintergrund hätten. In Abstimmung mit dem Museum Lüneburg werde dieser Teil der Stadtgeschichte im Ostpreußischen Landesmuseum ausführlicher thematisiert werden. Massiv werde die Museumspädagogik ausgebaut und in den schönsten Räumen des derzeitigen Museumsgebäudes untergebracht werden. Alle Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre werden freien Eintritt erhalten, ebenso Lehrer, die sich auf den Unterricht vorbereiten wollen. So könne das Museum als außerschulischer Lernort kostenfrei genutzt werden. Das Museum sei im Jahr 2011 als erstes Museum in der Region vom Museumsverband zertifiziert worden und konnte in den letzten Jahren deutliche Besuchersteigerungen um bis zu 30% verzeichnen, was sicherlich auch auf die etwa 80 Kulturveranstaltungen pro Jahr zurückzuführen sei, die das Museum anbiete. Der Zeitplan sehe den Baubeginn in der kommenden Woche vor, das Museum werde Ende 2014 / Anfang 2015 schließen. Ein Termin für die Wiedereröffnung stehe noch nicht fest, voraussichtlich im Herbst 2015. Das Ostpreußische Landesmuseum sehe sich als einen wichtigen Bestandteil des Lüneburger Kulturlebens und werde in einigen Teilen der Ausstellung auch die Lüneburger Stadtgeschichte, soweit sie das Thema Vertreibung und Flüchtlinge betreffe, mit aufgreifen. Es bestünden bereits Kooperationen mit dem Neuen Museum („Neues Bauen“), der Stadtarchäologie, dem Stadtarchiv (Hanse-Ausstellung) und anderen Kulturaktiven (Literaturbüro, Lüneburg liest, Fortbildungszentrum Neue Musik, Zum Kollektiv, Leuphana (z.B. Semesterticket), Nordost-Institut, Lange Nacht der Museen usw. Außerdem gebe es Schulprojekte, Lehrerfortbildungen, Studienfahrten: Deutsche, polnische und russische Schulklassen werden zusammengeführt und arbeiten an der gemeinsamen Geschichte. Für das Ostpreußische Landesmuseum sei die Auseinandersetzung mit heutigen (Zwangs-) Migrationsphänomenen und Integrationsherausforderungen folgerichtig ein aus der Geschichte der Flucht und Vertreibung der Ostpreußen wichtiger Ansatz, der künftig nicht ausschließlich aus der Perspektive von 1945 interpretiert werden solle. Wichtig sei dem Museum auch, Hemmschwellen und Bildungsbarrieren abzubauen. Das solle insbesondere mit dem seit 3 Jahren bestehenden Kinderclub in Kooperation mit der AWO und der Diakonie erreicht werden, einem kostenlosen Kulturprogramm für Familien und Kinder aus bildungsfernen Schichten, häufig mit Migrationshintergrund. Wenn man Menschen für das Museum begeistern wolle, müsse das außerhalb des schulischen Zwangs geschehen und funktioniere bisher sehr gut. Die Lebenshilfe habe im Museum einen ausgelagerten Arbeitsplatz im Kultursektor und es würden Behinderte im Museumsdienst integriert. Inklusion werde hier aktiv umgesetzt.

Das OL-Museum sei weltweit das einzige Museum für Ostpreußen und zeige daher jährlich zahlreiche Wechselausstellungen überall in Deutschland, Polen, Russland und Litauen. Derzeit seien ca. 10 zweisprachige Dauer- bzw. Wanderausstellungen in Polen und Russland zu sehen, die dort viel Beachtung erfahren.

 

Ratsfrau RUDOLPH lobt die fantastische Entwicklung des Ostpreußischen Landesmuseums über die Jahrzehnte und insbesondere die museumspädagogische Arbeit.

 

Ratsherr LÖB findet insbesondere die Entscheidung positiv, Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre freien Eintritt zu gewähren. Das sei der richtige Weg, diese Besuchergruppe und damit auch deren Eltern barrierefrei in das Museum zu bringen.

 

Herr DR. MÄHNERT wünscht sich für Lüneburg ein übergreifendes Kulturticket für alle Museen, dafür wäre eine ähnliche Eintrittsstruktur notwendig. Ein weiterer großer Wunsch wäre ein zentrales Besucherleitsystem, damit die Museen und Kultureinrichtungen von den Touristen und Besuchern einfacher gefunden werden können.

 

Ratsfrau SCHELLMANN weist darauf hin, dass es bereits lange und vorbildliche Tradition im Ostpreußischen Landesmuseum sei, dort sehr viele Angebote und Projekte für Kinder zu machen. Das sei die einzige Möglichkeit, Menschen an die Museen zu binden. Besonders auf diesem Gebiet halte sie Kooperationen mit den anderen Museen für sehr wichtig.

 

Herr DR. MÄHNERT antwortet, die Museumspädagogen der Lüneburger Museen würden sich untereinander vernetzen und im Austausch stehen.

 

Ratsherr VON MANSBERG dankt Herrn Dr. Mähnert für den ausführlichen Vortrag und wünscht ihm viel Erfolg bei dem anstehenden Projekt der Erweiterung und Modernisierung des Museums.

 

Beschluss:

Beschluss:

 

Der Ausschuss nimmt Kenntnis.