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Auszug - Bericht über das Podiumsgespräch zu Hinrich-Wilhelm Kopf  

 
 
Sitzung des Kultur- und Partnerschaftsausschusses
TOP: Ö 9.1
Gremium: Kultur- und Partnerschaftsausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 15.07.2014    
Zeit: 16:00 - 17:45 Anlass: Sitzung
Raum: Glockenhaus (Erdgeschoss)
Ort: Glockenstraße, 21335 Lüneburg
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Erster Stadtrat KOCH teilt mit, im März sei zunächst eine Anwohnerinformation über Hinrich Wilhelm Kopf in Kaltenmoor durchgeführt worden, an der von den eingeladenen rd. 900 Anwohnern lediglich etwa 25 teilgenommen haben. Im Juni habe es einen Informationsstand auf dem Stadtteilfest Kaltenmoor gegeben und im Glockenhaus habe eine Podiumsdiskussion zu dem Thema stattgefunden, u.a. mit Frau Dr. Nentwig, die durch ihre Biografie über Hinrich Wilhelm Kopf die Diskussion um sein Fehlverhalten während der Zeit des Nationalsozialismus und danach ausgelöst hatte. Die Diskussion mit weiteren Historikern sei ausgesprochen lehrreich gewesen, erwartungsgemäß hätten diese es jedoch nicht als ihre Aufgabe angesehen, klare Ratschläge für oder gegen eine Umbenennung der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Straße zu geben. In einem nachfolgenden Zeitungsinterview habe Frau Dr. Nentwig sich allerdings dafür ausgesprochen, den Namen beizubehalten und erläuternde Zusatzschilder anzubringen. Bei der Erwägung einer Umbenennung der Straße handele es sich nicht nur um eine immaterielle Frage. Für die Anwohner wäre mit der Adressänderung Aufwand für die Benachrichtigung ihrer Kontakte verbunden. Ein öffentlicher Druck zur Umbenennung der Straße, auch von Seiten der Anwohner sei bisher nicht wahrnehmbar, eher ein höfliches Interesse Weniger. Größtenteils werde scheinbar die Meinung vertreten, dass mit einer Umbenennung die Geschichte auch nicht ungeschehen zu machen wäre. Es sei nun zu überlegen, wie in der Angelegenheit weiter verfahren werden solle.

 

Ratsherr VON MANSBERG schildert als seinen Eindruck aus mehreren Veranstaltungen und Informationen zu der Thematik, dass in der Biografie Kopfs die ganze Komplexität des Übergangs von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zur Demokratie deutlich werde mit all ihren Problemen und Brüchen, die aus diesem Neuanfang resultierten. Nach all den Informationen über Kopf falle es schwer, zu einem eindeutigen Urteil zu kommen und den Stab über ihn zu brechen. 

 

Ratsfrau SCHELLMANN bestätigt das. Allerdings habe sie die kritische Würdigung von Kopfs Wirken in der Nachkriegszeit als etwas zu dürftig empfunden. Man hätte seinem Verhalten im Nationalsozialismus durchaus die wichtigen Dinge gegenüberstellen können, die er danach getan habe. Sie sehe ebenfalls die Problematik, einen neuen Staat aufzubauen mit einer Bevölkerung, in der eben nicht Alle Widerstandskämpfer, sondern sehr Viele Täter und Mitläufer gewesen seien. Auch wenn die Geschichte im Nachhinein zeige, dass die Ehrung Kopfs durch Straßenbenennungen nach seinem Namen vielleicht falsch gewesen sein mag, so sollte man trotzdem zu dieser Geschichte stehen und ihre Brüchigkeit akzeptieren, solange diese Personen keine schwer wiegenden Verbrechen begangen haben.

 

Ratsherr LÖB meint, es gehe nicht darum, ob die Anwohner den Namen akzeptieren, sondern darum, ob die Stadt sich leisten könne, diesen Straßennamen beizubehalten. Für ihn sei entscheidend, ob Kopf nach dem Krieg zu seinem Fehlverhalten gestanden und Reue gezeigt habe. Das sei jedoch nicht der Fall. Aus seiner Sicht sei die Diskussion noch nicht beendet.

 

Ratsherr VON MANSBERG findet es gut, das Thema noch weiter zu diskutieren. Nach den umfassenden Informationen stelle sich ihm die Person Kopf nun komplexer dar und man müsse seiner Ansicht nach differenzieren zwischen Verbrechen, bei denen Menschen getötet oder schwerer Schaden zugefügt wird und weniger hart zu verurteilenden Verfehlungen.

 

Der Ausschuss nimmt Kenntnis

 

Der Ausschuss nimmt Kenntnis.