Bürgerinformationssystem
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Beratungsinhalt: Die Fraktionen
haben sich im Vorwege darauf verständigt, Stellungnahmen zu dem Thema abzugeben.
Der Antrag wird danach als erledigt betrachtet und nicht mehr abgestimmt. Ratsherr
BÖSCHEN bedauert zutiefst, dass die Bemühungen um eine friedliche Lösung im
Irak-Konflikt letztlich gescheitert seien. Bei allem Verständnis für das
Unrecht, dass den USA mit den Terroranschlägen am 11.09.2001 zugefügt worden
sei, halte seine Fraktion es nicht für richtig, den Irak mit Waffengewalt
anzugreifen. Krieg bedeute meist leider nicht nur das Scheitern der Politik und
die Niederlage der Diplomatie sondern auch das Ende der Vernunft. Viele
Deutsche wüssten zum Teil noch aus eigener Erfahrung um die Schrecken des
Krieges. Krieg sei keine Lösung, so lange nicht alle friedlichen Möglichkeiten
restlos ausgeschöpft seien. Die Bundesregierung habe sich vehement für eine
friedliche Lösung des Konfliktes eingesetzt und werde dies auch weiterhin tun.
Dabei habe man im Hinblick auf das menschenverachtende Regime von Saddam Hussein
keine Illusionen und am Unrechtscharakter dieser Diktatur nie Zweifel aufkommen
lassen. Dennoch stehe es nach den Regeln des Völkerrechts keinem Staat zu, eigenmächtig
die Regierung eines anderen Landes abzusetzen. Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen habe vor einiger Zeit einstimmig die Entwaffnung des Irak, nicht aber
einen Regierungswechsel verlangt. Diesem Ziel sei auch Deutschland weiterhin
verpflichtet. Vorwürfe des Anti-Amerikanismus gegen die deutsche Regierung
seien völlig haltlos, man teile die gleichen Werte von Freiheit, Gerechtigkeit
und Demokratie. Für den jetzt von den USA und Großbritannien eingeschlagenen
Weg gebe es jedoch keine ethische und völkerrechtliche Rechtfertigung. Notwendig
wäre eine umfassende Abrüstung überall auf der Welt und eine gerechte Teilung
der Ressourcen. In Konflikten müsse eher versucht werden zu vermitteln und
anstatt starrem Festhalten an eigenen Machtansprüchen wäre eine Weltpolitik
durch eine starke UNO nötig. Auch der Krieg sei kein rechtsfreier Raum, die
Konfliktparteien stünden in der Pflicht, die Zivilbevölkerung während der
Kampfhandlungen so weit wie möglich zu schonen und eine humanitäre Katastrophe
zu vermeiden. Es müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, den Krieg so
schnell wie möglich zu beenden. Beigeordneter
ALTHUSMANN gibt der Sorge der CDU-Fraktion um den Weltfrieden und
die Zukunft der Weltgemeinschaft Ausdruck. Frieden sei ein überragendes Gut und
Krieg die Niederlage der Vernunft. Es sei ein falscher Weg, wenn ein
freiheitliches Land sich im Alleingang für den Einsatz militärischer Gewalt
entscheide und sich damit über die Entscheidungen der UNO, EU und NATO
hinwegsetze. Dass dies möglich und eventuell sogar notwendig geworden sei,
liege an der Uneinigkeit in diesen Gremien. Der Mangel an Gemeinsamkeit und
Einigkeit in dieser Frage sei ein großer Makel der Außen- und
Sicherheitspolitik in Europa. Wer verhindern wolle, dass die USA den
Alleinvertretungsanspruch erhöben, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit
einzutreten, müsse in Europa selbst stark genug sein, um Krisenherde
einzudämmen. Das Grundgesetz verbiete einen Angriffskrieg und die UN-Charta
regele das Gewaltverbot zwischen den Staaten der Weltgemeinschaft, trotzdem
seien deutsche Truppen im Rahmen der NATO-Intervention im Kosovo ohne UN-Mandat
in den Einsatz geschickt worden. Der Bundestag und große Teile der Bevölkerung
hätten damals diesen Krieg für gerechtfertigt gehalten, um Massenmorde und
einen Genozid zu verhindern. Seit 1950 seien aber auf der Welt über 50 Völkermorde
geschehen, wo nicht eingegriffen worden sei. Seit dem Zweiten Weltkrieg hätten
über 150 Kriege mit Millionen von Toten stattgefunden. Es stelle sich die Frage
nach einer Glaubwürdigkeitslücke zwischen dem Gewaltverbot der UN und dem
Zulassen von Gewalt durch Nichtstun und es bestehe ein Widerspruch, wenn in
Ländern, die dem UN-Sicherheitsrat angehörten, wie China und Russland, die
Menschenrechte nicht geachtet würden. Niemand wolle einen Krieg und dies sollte
auch niemandem unterstellt werden. Der Irak verstoße seit 10 Jahren gegen die
Resolutionen der UNO, keine Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Der Diktator
Hussein lasse sein Volk zu
Hunderttausenden verhungern. Unter seinem Befehl seien Massenmorde an Kurden
verübt und sogar Kinder gefoltert worden. Saddam Hussein sei kein Opfer, sondern
Täter. Krieg könne allerdings niemals ein richtiges Mittel sein und seine
Fraktion hoffe sehr, dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet werde. Ratsherr MEIHSIES drückt sein Bedauern darüber aus, dass der Rat der Stadt
sich in seiner letzten Sitzung nicht dazu habe entschließen können, eine
Resolution gegen den Krieg zu verabschieden, wie die Fraktion Bündnis 90/ Die
GRÜNEN es beantragt hatte. Dieser Krieg erfülle die Mitglieder seiner Fraktion
mit Unverständnis und Zorn. Es handele sich hier um einen Angriffskrieg, mit
dem sich die Regierungen der USA und Großbritanniens aus der Wertegemeinschaft
der UN herausbegeben hätten. Grundlage des Angriffes sei die Behauptung der
USA, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze und Kontakt zu Ossama Bin
Laden habe. Beide Behauptungen seien bis heute nicht bewiesen worden. Die
Schuld für diesen Krieg liege eindeutig bei der Regierung der USA. Das
menschenverachtende Regime des Saddam Hussein und seine Brutalität seien
keinesfalls zu beschönigen, es stelle sich trotzdem die Frage, ob die
Wertegemeinschaft der UN oder einzelne ihrer Mitglieder zum Mittel des Krieges
greifen sollten. Sein Respekt gelte denjenigen, die versucht hätten, diesen
Krieg auf dem Wege der Diplomatie zu verhindern und es sei eine
Unverschämtheit, wenn der deutschen Regierung unterstellt werde, sie hätte
durch ihr Verhalten gegenüber den USA zur Beschleunigung des Kriegsbeginns beigetragen. Die Solidarität seiner Partei
gelte denen, die weiterhin gegen diesen Krieg demonstrierten und natürlich
denjenigen, die dazu beitragen würden, im Irak eine humanitäre Katastrophe zu
verhindern. Seiner Ansicht nach müssten die USA als Zerstörer dort allerdings
auch finanziell für den Wiederaufbau aufkommen. Abschließend bleibe
festzustellen, dass das westliche Wertesystem mit dem Angriff der USA und
Großbritanniens auf den Irak eine schwere Niederlage erlitten habe. Bürgermeisterin SCHELLMANN äußert ebenfalls Entsetzen über das Scheitern der
diplomatischen Bemühungen und den Beginn des Krieges. Bis zum Schluss habe sie
die Hoffnung gehabt, dass eine friedliche Lösung des Konfliktes möglich wäre.
Man dürfe sich allerdings keine Illusionen darüber machen, dass der Irak die
Waffeninspektionen nur auf Grund der Drohkulisse der USA zugelassen habe,
ansonsten hätte es sicherlich keinerlei Kooperation gegeben. Man dürfe nicht
verkennen, dass die wahre Ursache für das Eskalieren der Situation nicht bei
den USA zu suchen sei, sondern bei dem Diktator Saddam Hussein, der seit Jahren
das Völkerrecht mit Füßen trete und sein Land mit Mord und Terror überzogen
habe. Trotzdem finde dieser militärische Konflikt ohne klare Legitimation durch
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nicht die Billigung ihrer Fraktion.
Diese habe zwar den Einsatz militärischer Gewalt als letztes Mittel nie
ausgeschlossen, aber nur in Abhängigkeit einer Legitimation durch die UNO.
Beiderseits des Atlantiks sei jedoch leider alles unterlassen worden, um
Einigkeit oder zumindest eine gemeinsame Haltung im Weltsicherheitsrat zu
erreichen. Die Folgen für die Autorität der Vereinten Nationen seien fatal und
würden diese Organisation um Jahrzehnte zurückwerfen. Angesichts dieser Krise stelle sich die Frage, ob das Völkerrecht den
veränderten Bedingungen heutzutage überhaupt noch Rechnung tragen könne. Es
habe sich gezeigt, dass es eben nicht nur zwei Gründe gebe, die Gewaltanwendung
rechtfertigten. Neben das Recht zur Selbstverteidigung müsse auch das Recht zur
Gewaltanwendung zur Abwendung einer humanitären Katastrophe treten, wie es im
Kosovo der Fall gewesen sei. Während hier alle darauf hofften, dass dieser
Krieg vermeidbar sei, habe es Stimmen aus Bagdad gegeben, die den Krieg
herbeiwünschten als einziges Mittel, das brutale Regime Saddam Husseins zu beenden.
Hier bestehe ein Zwiespalt, mit dem schwer umzugehen sei. Keiner wünsche
wirklich einen Krieg, aber manchmal sei er womöglich die einzige Lösung. Den
USA müsse insofern auch Verständnis entgegen gebracht werden, da Saddam Hussein
seit 1991 die Friedensauflagen nach dem Golf-Krieg nicht erfüllt habe.
Besonders nach dem 11. September 2001 sähen die Amerikaner die Gefahr, dass
über den Irak biologische Massenvernichtungswaffen in die Hände von Terroristen
gelangen könnten. Da Europa von den grausamen Terroranschlägen nicht selbst
betroffen war, könne man diese Ängste und diesen Zorn hier vielleicht nicht
völlig nachvollziehen, obwohl diese Gefahr auch Europa eines Tages erreichen
könnte. Möglicherweise sei die völlige Ablehnung von Gewalt nur denen vorbehalten,
die ihre Grundrechte gesichert wüssten. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |