Bürgerinformationssystem

Auszug - Stellenausschreibung für die Leitung des Stadtarchivs und der Ratsbücherei  

 
 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Kultur- und Partnerschaftsausschusses
TOP: Ö 6
Gremium: Ausschuss für Kultur und Partnerschaften Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Mi, 08.04.2009    
Zeit: 15:30 - 18:00 Anlass: Sitzung
Raum: Huldigungssaal
Ort: Rathaus
VO/3236/09 Stellenausschreibung für die Leitung des Stadtarchivs und der Ratsbücherei
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:Bereich 41 - Kultur Bearbeiter/-in: Plett, Anke
 
Wortprotokoll
Beschluss

Beratungsinhalt:

 

Beratungsinhalt:

 

Erster Stadtrat KOCH erklärt die Hintergründe zur Beschlussvorlage. Eine Zusammenfassung dieser Funktionen gebe es auch bereits in anderen Kommunen, z.B. in der Stadt Hildesheim, die allerdings eine andere personelle Ausstattung in den nachgeordneten Bereichen habe. Selbstverständlich erhoffe man sich von der Zusammenfassung der beiden Leitungsstellen auch eine gewisse Ersparnis als Teilbeitrag zur Erwirtschaftung der gestiegenen finanziellen Anforderungen im Zusammenhang mit der Neuordnung der Museumslandschaft.

 

Beigeordnete SCHELLMANN äußert starke Bedenken gegen die Annahme, dass durch die Neuorganisation Personal eingespart werden könnte. Obwohl zunächst ablehnend, finde sie das Hildesheimer Modell nach eingehender Beschäftigung damit, sehr erwägenswert. Oberster Chef von Archiv und Bibliotheken sei dort ein Archivar, der unter sich je einen eigenen Experten für das alte Archiv und für den alten Bibliotheksbestand habe, daneben je eine eigene Leitung für die städtische Leihbibliothek und das neue Archiv. Die organisatorische Zusammenführung von altem Archivbestand und altem Buchbestand auch mit eigenem Etat mache angesichts der ähnlich gelagerten wissenschaftlichen und konservatorischen Aufgaben Sinn. Sie sei sich darüber im Klaren, dass Lüneburg nicht die finanziellen und damit personellen Möglichkeiten wie in Hildesheim habe. Es sei aber unabdingbar, dass zukünftig die städtische Leihbibliothek durch einen diplomierten Bibliothekar, dessen Stelle ausgeschrieben werden müsse, inhaltlich eigenständig weiterentwickelt werden müsse. So sei es auch in Hildesheim. Beigeordnete Schellmann verteilt einen Organisationsplan von Hildesheim (gesamt 40 Mitarbeiter).

 

Oberbürgermeister MÄDGE erläutert, Archiv und Bibliothek müssten sich inhaltlich neu aufstellen, um die Kundenfreundlichkeit zu verbessern und den modernen Ansprüchen gerecht werden zu können. Dabei müsse man die vorhandenen, begrenzten Ressourcen berücksichtigen und wo möglich Synergien nutzen. Im Budget Kultur könne leider nur umgeschichtet, nicht addiert werden. Wenn die Zuschüsse für die Museen verdoppelt werden sollen, müsse der Betrag an anderer Stelle erwirtschaftet werden. Dazu müsse man den Schritt wagen, neue Wege zu gehen, auch auf die Gefahr hin, damit möglicherweise zu scheitern. Wichtig sei jetzt zunächst eine qualitativ hochwertige Besetzung der Leitungsfunktion des Stadtarchivs, die später in enger Zusammenarbeit mit der stellvertretenden Leitung der Ratsbücherei auch hierfür die Leitungsfunktion übernehmen könne. Er sehe darin keineswegs den Untergang des Büchereiwesens in Lüneburg, zumal weiterhin enorme Beträge in die Sanierung der Ratsbücherei und der Zweigstelle Kaltenmoor fließen würden. Er sehe darin eher einen Schritt nach vorn auf dem Wege der Neuausrichtung der Bücherei nach modernen Anforderungen und bittet, diesen Schritt zu unterstützen. Er beantwortet Detailfragen der Ausschussmitglieder zur Personalausstattung von Archiv und Bücherei.

 

Beigeordneter LÖB fragt nach dem personellen Unterbau der Bibliothek und ob dieser nach der Verringerung der Leitungsfunktion in der Lage sein werde, den Anforderungen an eine Bücherei weiterhin gerecht zu werden. Die Bibliothek werde von einer größeren Zahl von Bürgerinnen und Bürgern genutzt als das Stadtarchiv und dürfe daher auch in der personellen Ausstattung gegenüber diesem nicht ins Hintertreffen geraten.

 

Oberbürgermeister MÄDGE entgegnet, die Besetzung der Leitung des Archivs könne nicht mehr länger aufgeschoben werden. Die Leitungsstelle der Bücherei werde jedoch erst Mitte nächsten Jahres vakant. Man werde daher gemeinsam mit der neuen Archivleitung, die in den Bewerbergesprächen auch hinsichtlich ihrer Qualifikation für die Leitung der Bücherei mit ausgewählt werde, und der derzeitigen Leitung der Ratsbücherei, Herrn Müller und Frau Scheel-Bockelmann, besprechen, wie man sich bezüglich der Struktur der Bücherei am besten aufstellen könne. Auch er sehe den Schwerpunkt in der Stadtbücherei.

 

Frau Dr. REINHARDT weist die angebliche Kopflastigkeit des Stadtarchivs zurück, das lediglich mit 4,5 Stellen einschließlich der Leitungsstelle ausgestattet sei.

 

Herr Dr. HACKBARDT vom Freundeskreis der Ratsbücherei spricht mehrere Punkte an, die ihm bei der Zusammenlegung der Leitungsstellen Sorge bereiten. So wie die Stelle in der Ausschreibung beschrieben werde, bestehe nach der Besetzung für die nächsten 20 Jahre keine Möglichkeit mehr, die Situation wieder zu ändern. Eine solche Möglichkeit sollte jedoch zumindest offen gehalten werden. Zudem befürchte er, dass der historische Altbestand der Ratsbücherei aus rationellen Gründen in das Archiv überführt werden könnte. Hier würden zwei Bildungsinstitutionen zusammengelegt und der Schwerpunkt werde seiner Meinung nach beim Archiv liegen, weil dafür jetzt ein Historiker eingestellt werden solle, dessen Funktion später lediglich um die Aufgabe der Leitung der Ratsbücherei erweitert werde, ein Gebiet, auf dem ihm womöglich das fachliche Wissen fehle. Als Bildungseinrichtung halte er jedoch die Bibliothek für wichtiger. Er habe Bedenken, ob eine Konstruktion gelingen könne, bei welcher der oder die Stellvertreter/in quasi allein für die fachlichen Aufgaben zuständig sei. Dafür müssten zumindest die Kompetenzen der beiden Bereiche ganz klar gegeneinander abgegrenzt werden.

 

Oberbürgermeister MÄDGE erwidert, wenn ein Leiter sich nicht auf die fachliche Kompetenz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen könne und diese einbeziehe, werde er scheitern. Das sei in allen Bereichen so und werde hier nicht anders sein. Er sehe die Angelegenheit positiv und werde den Mitarbeitern nicht unterstellen, der neuen Leitung nicht entsprechend ihrer Kompetenzen zuzuarbeiten und sie zu beraten. Sollte sich herausstellen, dass die Ausleihzahlen zurückgehen, müsse gegengesteuert werden, aber zunächst bitte er, der neuen Konstellation eine Chance zu geben. Es stehe weiterhin das Inhaltliche im Mittelpunkt, man müsse jetzt aber neue Wege beschreiten, um parallel auch das Ziel der Neuordnung der Museumslandschaft finanzieren zu können.

 

Ratsherr VON MANSBERG fasst die Zusammenhänge nochmals kurz zusammen und weist darauf hin, dass in der Zielvereinbarung die Stellenanzahl für die Ratsbücherei festgeschrieben worden sei. Es seien also keine Stellenkürzungen zu befürchten. Die Öffnungszeiten und Betreuung der Leser könnten damit weiter aufrecht erhalten werden und für die Erhaltung der historischen Substanz sei unter der Leitung eines Historikers ebenfalls gut gesorgt. 

 

Beigeordnete SCHELLMANN meint, die enge Zusammenarbeit von Archiv und Ratsbücherei könne durchaus funktionieren. Zu unterscheiden seien aber zwei im Grunde getrennte Aufgabengebiete: Erstens die eigentliche städtische Leihbibliothek mit täglichem Publikumsverkehr, in dessen Gestaltung die Ratsbibliothek weitgehend autonom bleiben müsse und zweitens die Bearbeitung des alten Buchbestandes, dessen Behandlung in vieler Hinsicht Parallelen mit dem alten Archivbestand hab und für den üblichen Publikumsverkehr ja auch gar nicht zugänglich sein solle. Es gebe in anderen Städten durchaus Beispiele für eine gelungene Kombination der Leitungsstellen von Archiv und Bibliothek, insofern habe sie die Hoffnung, dass das auch in Lüneburg erfolgreich bewältigt werden könne.

 

Frau Dr. REINHARDT berichtet auf Nachfrage von Ratsherrn VON MANSBERG, dass mit dem Umzug des Stadtarchivs in die neuen Räumlichkeiten bereits begonnen worden sei und er bis Ende April abgeschlossen werden solle.

 

Oberbürgermeister MÄDGE ergänzt, der offizielle Eröffnungstermin werde voraussichtlich noch vor den Sommerferien festgelegt.

 

Beschluss:

Beschluss:

 

Der Kultur- und Partnerschaftsausschuss empfiehlt dem Verwaltungsausschuss einstimmig bei Stimmenthaltung der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, folgenden Beschluss zu fassen: 

 

Der Ausschreibung der Stelle zum 01.10.2009 mit dem in der Anlage zur Beschlussvorlage beigefügten Ausschreibungstext wird zugestimmt.