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Beratungsinhalt: Ratsherr RIECHEY erinnert daran, dass der Antrag
bereits im Mai gestellt worden sei, als zu dem seinerzeit gerade veröffentlichten,
umstrittenen Bericht der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen zur
aktuellen Entwicklung der Leuphana eine kontroverse Diskussion entbrannt war.
Ziel des Antrages sei es gewesen, darüber eine Debatte zu führen, und zwar ehe
der Senat im Juli seine grundlegende Entwicklungsentscheidung treffen wollte.
In der Informationsveranstaltung, zu der Stadtrat und Kreistag Ende Juni
geladen wurden, sei jedoch lediglich das Audimax anhand eines Modells
präsentiert worden. Eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen
habe der Rat anlässlich dieser Veranstaltung nicht gewollt, da er entschieden
habe, dass das Thema nicht dringlich sei. Zuvor sei von der Ratsmehrheit über
sinkende Studierendenzahlen, deren Auswirkungen auf die ganze Region und über
die Einschränkung der Fächervielfalt gesprochen worden, so dass es schien, als
ob die Kritik an den Entwicklungsprozessen der Universität von allen –
außer der CDU – getragen werde. Der enorme Gesprächs- und Handlungsbedarf
schien erkannt worden zu sein. Eine breite Resonanz und großen Protest bei fast
allen politischen Akteuren habe es auch zur Schließung des Studiengangs
Sozialpädagogik/Sozialarbeit gegeben, gegen den sich im übrigen auch der Senat
ausgesprochen hatte. Die inhaltliche Diskussion solle
heute nicht geführt werden, er wolle vielmehr einen Rahmen schaffen mit
Akteuren der Universität, daher auch der Wunsch, in der Universität zu tagen.
Es sei gesagt worden, dass die Entwicklung der Universität zur
Hochschulautonomie gehöre, in die man sich nicht einmischen dürfe. Es gehe
jedoch darum, dass die Universität kein Elfenbeinturm, sondern in die
Gesellschaft eingebettet und mit dem Leben in der Stadt vernetzt sei. Die
Schließung des wichtigen Studienganges habe durchaus Auswirkungen auf das soziale
Zusammenleben in der Stadt. All das rechtfertige nicht nur, es fordere sogar,
dass sich der Rat mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen und sich
kritisch informieren müsse. Es gehe auch nicht darum, der Universität
vorzuschreiben, was sie zu tun habe, sondern einen Austausch mit den Akteuren
herzustellen. Aufgrund der aktuellen Entwicklung
lege man heute einen Aktualisierungsantrag vor, in dem der Rat beschließen
solle, sich noch in diesem Jahr über die inhaltliche und strukturelle Neuausrichtung
der Leuphana zu informieren. Hierzu soll mehreren Gremien der Universität
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden, da es keineswegs richtig sei,
dass nur das Präsidium zur Außendarstellung der Universität berechtigt ist.
Dies ergebe sich aus dem in der Begründung zitierten Paragraphen des
Niedersächsischen Hochschulgesetzes. Danach sei auch die Studierendenschaft
ausdrücklich zur Vertretung der Universität berechtigt. Weitere denkbare
Gremien seien der Senat und der in Kürze neu zusammentretende Stiftungsbeirat.
Ziel der heutigen Ratssitzung müsse es sein, sich für einen Termin für diese
Informationsveranstaltung auszusprechen. Beigeordnete SCHELLMANN weist darauf hin, durchaus
verstanden zu haben, um was es in dem Antrag gehe. Ihre Fraktion sei allerdings
der Meinung, dass diese Universität selbständig sei und diese Autonomie
beinhalte das alleinige Recht, über die Ausrichtung selbst zu bestimmen. Der
Rat habe den Weg nicht gehen können, den die Linke vorgeschlagen habe, da ihm
keine Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Es könne lediglich ein
Protest geäußert werden. Wenn ein Gedankenaustausch seitens des Präsidiums
nicht gewünscht sei, könne man auch einen solchen nicht durchsetzen. Ratsherr MEIHSIES erinnert an die Debatte zur strategischen
Rahmenvereinbarung im letzten Jahr. Seine Fraktion habe seinerzeit
vorgeschlagen, einen Universitätsbeirat zu bilden, durch den man einen klaren
Informationsfluss gehabt hätte über das, was in der Universität passiere und
welche Auswirkungen sich auf die Gesellschaft ergäben. Man komme immer wieder
zu dem Punkt, an dem man feststelle, dass die notwendigen Informationen fehlen,
um beurteilen zu können, ob die derzeitige Entwicklung gut oder schlecht sei.
Es sei sehr misslich, über die Entscheidungen stets nur aus der Zeitung zu
erfahren, insbesondere vor dem Hintergrund der finanziellen Zuwendungen aus der
Rahmenvereinbarung. Er bitte die großen Fraktionen, darüber nachzudenken, ob
man nicht angesichts der Erfahrungen des letzten Jahres doch noch einmal über
eine Nachbesserung der Rahmenvereinbarung nachdenken wolle. Man wünsche sich
kein Palavergremium, sondern ein Informationsgremium, wie es auch in anderen
Universitätsstädten entwickelt worden sei, um den Informationsfluss zu
gewährleisten. Ansonsten werde man sich in den kommenden Jahren immer wieder
mit den gleichen Diskussionen zur Universitätsentwicklung beschäftigen müssen,
das könne aber nicht die Aufgabe eines Rates sein. Beigeordneter DÖRBAUM moniert die Widersprüche in den
Wortbeiträgen der Vorredner. Herr Riechey wolle zwar keine inhaltliche
Diskussion, gleichwohl aber in die Universität gehen und über deren
Neuausrichtung reden. Der Rat könne aber über die Ausrichtung der Universität
nicht urteilen, das müsse man doch endlich einmal zur Kenntnis nehmen. Die
Universität habe einen autonomen Charakter, sie sei unter die Aufsicht des
Wissenschaftsministeriums gestellt und habe nach Recht und Gesetz zu arbeiten.
Die Stadt habe gleichwohl ein großes Interesse daran, dass der
Universitätsstandort Lüneburg gestärkt wird. Dazu sei eine exzellente
Rahmenvereinbarung getroffen worden, damit die angesprochene Neuausrichtung
auch tatsächlich umgesetzt werden könne. Er verstehe Herrn Meihsies nicht,
denn es sei nicht erkennbar, welche Funktion ein Universitätsbeirat wahrnehmen
und auf welcher gesetzlichen Grundlage er bestehen solle. Man müsse mit der
Universität permanent im Gespräch bleiben, um deren Entwicklung auf der
Grundlage der Präambel zur Rahmenvereinbarung nach vorne zu treiben. Dort seien
die Ziele klar definiert, die zur Zeit umgesetzt würden. Früher habe Herr Prof. Dr. Donner
regelmäßig im Rat über die Situation der Universität berichtet, er könne sich
sehr gut vorstellen, dass auch Herr Prof. Dr. Spoun gelegentlich einmal wieder
zu einer Ratssitzung komme. Darüber hinaus stehe es jedem frei, sich
selbständig zu informieren und das Gespräch und den Austausch mit Vertretern
der Universität zu suchen. Er plädiere dafür, so weiter zu machen wie bisher,
man sei auf einem guten Weg. Beigeordnete BAUMGARTEN spricht dem Antrag jegliche
Substanz ab. Herr Riechey müsse endlich erkennen, dass die Universität ihn
nicht fragen müsse, wenn sie eine bestimmte Ausrichtung einleiten und
durchführen wolle. Das sei nicht seine Aufgabe und auch die große Mehrheit des
Rates mische sich deshalb nicht ständig ein. Selbstverständlich hätten die
Fraktionen ein Ohr an der Universität und haben sich mit den entsprechenden
Institutionen zusammengesetzt. Im Gegensatz zu Herrn Riechey versuche man
allerdings, konstruktiv zu arbeiten und nicht nur in die Öffentlichkeit zu gehen.
Den Beteiligten an der Universität könne man meist sehr viel besser helfen,
wenn man Probleme nicht in der großen Öffentlichkeit erörtere. Ratsherr MANZKE wird angst und bange bei den
Ausführungen der Linken. Heute werde gefordert, bei einer autonomen Stiftung
mitreden und mitbestimmen zu wollen, mit der Begründung, dies habe ja wichtige
Auswirkungen auf Lüneburg. Morgen schon wolle er mit der gleichen Begründung
vielleicht in der IHK mitreden und übermorgen in seiner Firma. So könne es
nicht gehen, er bitte Herrn Riechey, zu überdenken, was hier vom Rat gefordert
werde. Ratsherr VÖLKER unterstreicht, dass der beantragte
Universitätsbeirat niemals auf der Grundlage eines gesetzlichen Anspruches gewünscht
war. Er solle auch nicht in die Entscheidungen der Universität eingreifen,
sondern einem kurzfristigen Informationsaustausch dienen und die Möglichkeit
geben, inhaltliche Fragen mit Vertretern der Universität zu diskutieren,
unbeschadet der Entscheidungsbefugnis der Universität. Die Universität könne gleichwohl
nicht immer nur die Unterstützung der Stadt einfordern, sich aber gleichzeitig
verweigern, dass ihre internen Planungen nach deren Abschluss in der
Öffentlichkeit diskutiert werden. Sie bleibe auch als Stiftungsuniversität ein
öffentliches Institut, das seine Entscheidungen – etwa die Abschaffung
des Studienganges Sozialpädagogik – in der Öffentlichkeit rechtfertigen
müsse. Ein Beirat sei hierfür der geeignete Ort. Ratsherr RIECHEY zeigt sich sehr überrascht über
einige der Wortmeldungen und über die
Angst vor einem Informationsaustausch und der Befürchtung, dass der Rat
alles dominieren solle. Es sei höchst bedenklich, dass nicht zwischen
Informationsaustausch und Entscheidungsgewalt differenziert werde. Es gehe hier
um die Verantwortung des Rates und um die Frage, ob man sich einmischen dürfe,
oder nicht. Wenn ein altbewährter Dekan in der Landeszeitung öffentlich sage,
dass die Politik in der Verantwortung stehe und alle Parteien in Hannover
Entscheidungen treffen, die die Universitätsentwicklung maßgeblich beeinflussen
und wenn von überall eine kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit
entbrenne, die die Hochschule geradezu zerreiße, könne das doch vom Rat nicht
einfach ignoriert werden. Man könne doch nicht einfach sagen, damit habe man
überhaupt nichts zu tun. Das Verständnis von den Sorgen der Lüneburgerinnen und
Lüneburger, das einige Ratsmitglieder zeigten, sei skandalös. Wenn eine
inhaltliche Neuausrichtung einer Universität erfolge, müsse man sich doch
darüber einmal austauschen können – nicht bestimmen, sondern informieren.
Hier werde lediglich um einen Gesprächstermin ersucht. Der Rat aber wolle
ablehnen, dass man sich irgendwann in diesem Jahr einmal mit Akteuren der Universität
zu einem Austausch treffe. Ihm sei nicht bekannt, dass die großen Parteien sich
in letzter Zeit mit den Studentenvertretern zu einem von ihnen gewünschten
Gespräch getroffen haben. Beigeordnete SCHELLMANN betont, dass Hochschulpolitik nun
einmal Landespolitik sei. Die Universität Lüneburg sei als Stiftungsuniversität
dabei noch sehr viel unabhängiger von der Landespolitik, als dies gewöhnlich
der Fall sei. Die Stadt wolle aufgrund der Mitnutzungsmöglichkeit den Bau des
Audimax unterstützen. Sie selbst halte das Audimax für überflüssig, werde der
Universität aber keinesfalls in die Entscheidung darüber hineinreden. Gebe die
Stadt Zuschüsse für den Bau, erkenne sie im Gegenzug ein Mitspracherecht. Dies
gelte aber eben nicht für die inhaltliche Ausrichtung, hier müsse klar
differenziert werden. Die Linke fordere
Informationsgespräche mit der Universität, die anderen Fraktionen stünden
hingegen bereits aus eigener Initiative in solchen Gesprächen. Nicht nur mit
dem Präsidium, sondern auch mit dem AStA und anderen Beteiligten – und
zwar sehr viel mehr, als die Linke denke. Das sei Aufgabe aller Ratsmitglieder,
aber man müsse nicht immer alles in die Zeitung bringen. Ihr liege ein Brief
des Oberbürgermeisters an den Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und
Kultur vor, in dem er seine Sorgen dargestellt habe, auch im Namen des Rates.
In der Antwort verweise Herr Stratmann die Stadt aber eindeutig in ihre
Schranken, da es hier um einen Reformprozess gehe, der von der Kulturkommission
fachlich begleitet werde. Mehr habe man in dieser Beziehung nicht tun können. Ratsfrau BRUNKE-REUBOLD versteht nicht ganz die
Aufgeregtheit der Diskussion. Der Kreistag beschäftige sich ebenfalls mit dem
Thema, daher sei ihr die Diskussion geläufig und dort sei auch die Strategische
Rahmenvereinbarung behandelt worden. Die Rahmenvereinbarung bestehe nicht
einzig und allein zum Zwecke der Errichtung des Audimax, sondern sie regle im
Absatz 2, dass Landkreis, Stadt und Universität ihre Maßnahmen zur
fortwährenden Stärkung der Wirtschaftskraft der Region Lüneburg koordinieren.
Das klinge keineswegs so, als ob man nicht miteinander rede, insofern finde sie
den Antrag der Fraktion Die Linke auf ein Informationsgespräch nicht dermaßen
verwerflich, wie es jetzt dargestellt werde. Oberbürgermeister MÄDGE versteht die Aufgeregtheit
ebenfalls nicht, da doch der Grundsatz der Meinungsfreiheit herrsche. Wolle er
etwas vom Präsidium der Universität, so suche er einfach das Gespräch. Niemand
sei gehindert, ebenso zu handeln, Herr Meihsies stehe doch beispielhaft dafür,
der sich ebenfalls bei den Gremien der Universität informiert habe. Er wolle
sich nicht ausmalen, wie eine offene Diskussion mit dreiundvierzig
Ratsmitgliedern und zahllosen weiteren Beteiligten in der Universität ablaufen
werde. Natürlich halte auch er die
Schließung des Fachbereiches Sozialwesen nicht für richtig, das sei doch wohl
sehr deutlich gemacht worden. Ebenso sei es nicht in Ordnung, das
Lehramtsstudium für Physik zu schließen, auch das habe er deutlich gemacht. Beides
habe er auch nochmals gegenüber dem Staatssekretär im Niedersächsischen
Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Herrn Dr. Lange, geäußert. Man müsse aber auch beachten, dass
der Präsident der Universität die Verpflichtung habe, mit den vorhandenen finanziellen
Mitteln dafür zu sorgen, dass der Lehrbetrieb der Universität aufrechterhalten
werde. Sei das nicht für alle Studiengänge möglich, müsse er Prioritäten
setzen, alles andere wäre fahrlässig. Der Präsident müsse nun einmal die
notwendigen Entscheidungen treffen. Jedem stehe es frei, das Gespräch mit der
Universität zu suchen und auch seinen Protest zum Ausdruck zu bringen. Man
müsse aber akzeptieren, dass Entscheidungen von den dafür zuständigen Personen
und Gremien getroffen werden, genau wie der Rat es sich verbitten würde, wenn
etwa die Universität über Müllgebühren mitentscheiden wolle. Er sage deutlich,
dass man dabei mithelfen müsse, die Universität in ein ruhiges Fahrwasser zu
bringen und nicht ständig Dinge hochkochen dürfe. Permanente negative
Darstellungen in der Öffentlichkeit gefährdeten das Image der Universität mit
der zu befürchtenden Folge, dass Studenten sich bei der Wahl ihres Studienortes
gegen Lüneburg entscheiden könnten. Beschluss: Der Rat
der Hansestadt Lüneburg lehnt den Antrag und den Änderungsantrag der Fraktion
DIE LINKE mehrheitlich mit den Stimmen der Gruppe SPD/CDU und der FDP-Fraktion
bei 7 Ja-Stimmen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion DIE LINKE ab. (01/R) |
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