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Beratungsinhalt: Ratsherr RIECHEY erinnert an die kürzlich durchgeführte Demonstration der
Schülerinnen und Schüler. Seine Fraktion habe die Resolution nach einem
Gespräch mit dem Stadtschülerrat aufgegriffen und bitte den Rat, sich den
Forderungen anzuschließen. Die Überweisung in den Schulausschuss mache Sinn, da
dort der Stadtschülersprecher vertreten sei und selbst Stellung nehmen und
seine Position erklären könne. Genau wie man es mit massiven Studentenprotesten
zu tun habe, gebe es auch erhebliche Schülerproteste, daran merke man, dass die
Bildungspolitik des Landes und des Bundes desaströs in die falsche Richtung
laufe. Er hoffe, dass diese soeben beim Gesundheitswesen gezeigte Einsicht sich
auch auf das Bildungswesen ausdehne. Beigeordnete LOTZE begrüßt es, wenn Schülerinnen und Schüler ihre
demokratischen Rechte in Anspruch nehmen und sich aktiv in den
Willensbildungsprozess einbringen. Die Schülerinnen und Schüler hätten mit
ihrer Demonstration am 8. Mai eindrucksvoll gezeigt, dass sie mündige junge
Staatsbürger seien. Die Schülerinnen und Schüler haben eine Resolution
verabschiedet und diese dem Adressaten ihrer Forderungen, nämlich dem Land
Niedersachsen über Frau Scholl von der Landesschulbehörde übergeben. Nun
fordere die Linke, dass der Rat diese Resolution erneut verabschiede und sich
die Aussagen der Schüler zu eigen mache. Davon abgesehen, dass die Resolution
dem Adressaten bereits vorliege, ergäben sich aus einer erneuten Verabschiedung,
diesmal durch den Rat, einige Ungereimtheiten. So enthalte der Resolutionstext
eine wörtliche Passage, wonach die Unterzeichner kaum Gehör in der Politik
fänden. Dieser Satz sei auf die Schüler zugeschnitten, der Rat könne ihn sich
logischerweise nicht zu eigen machen, er sei einfach ohne Verstand
abgeschrieben worden. Weiterhin zitiere sie aus dem Text, wonach ‚die
Ausstattung an allen Schulformen mit genügenden Räumen und angemessener
Ausstattung nicht gegeben sei’. Diesem Satz könne die Gruppe SPD/CDU
nicht zustimmen, gerade die Stadt Lüneburg habe die Schulen mit erheblichem
finanziellen Einsatz fit gemacht, sie verweise nur auf das ambitionierte
Schulbauprogramm. Im Zeitraum zwischen 2001 und 2009 würden danach rund 60
Millionen Euro in die Lüneburger Schulen investiert. Beim gestrigen Empfang der
Abiturientinnen und Abiturienten habe die Leiterin der Wilhelm-Raabe-Schule das
Engagement der Stadt und die gute Zusammenarbeit ausdrücklich gelobt.
Schließlich enthalte die Resolution die Aussage, dass ‚die
Unterrichtsmethoden größtenteils von vorgestern seien’. Diese Ansicht
bestehe schon so lange, wie es Schüler und Lehrer gebe. Dadurch würde die
Aussage jedoch nicht wahrer. Diese drei Beispiele machten deutlich, dass der Rat dem
Antrag der Linken nicht zustimmen könne. In einem Gespräch mit Herrn Ewert, dem
Vorsitzenden des Stadtschülerrates, habe sie ihm am Vortag ihre Position
erläutert. Herr Ewert habe ihr versichert, dass er diese Argumente
nachvollziehen könne. Sie habe in diesem Gespräch vielmehr den Eindruck
gewonnen, dass die Linke bei der Demonstration am 8. Mai den Schülern diese
Resolution geradezu abgeschwatzt habe. Sie wolle deutlich sagen, dass etliche
Forderungen der Schülerinnen und Schüler berechtigt und vernünftig seien. Diese
würden in Hannover dementsprechend von den verschiedenen Institutionen in den
politischen Willensbildungsprozess eingebracht. Hier vor Ort befasse sich der
Schulausschuss bereits seit langem konstruktiv und zielorientiert mit diesen
Forderungen, dort habe auch Herr Ewert die Interessen der Schüler stets sehr
dezidiert eingebracht. Sie glaube nicht, dass es dieser Resolution bedürfe, um
die Interessen der Schülerinnen und Schüler zu vertreten. Sie kritisiere, dass Herr Riechey bei der letzten Sitzung
des Schulausschusses nach dem ersten Tagesordnungspunkt schmollend gegangen
sei, weil die Ausschussmitglieder nicht so mitspielen wollten, wie er es gerne
gehabt hätte. Danach seien weitere wichtige Tagesordnungspunkte zur Sprache
gekommen, etwa der Ausbau von Grundschulen zu Ganztagsschulen sowie die
Besetzung von drei Schulleiterstellen, das scheine ihn alles nicht zu
interessieren. Mit der heutigen Resolution scheine sich die Linke auf Kosten
der Schülerinnen und Schüler ein Stück weit profilieren zu wollen. Wenn sie der
Resolution auch nicht zustimmen könne, halte sie es für angebracht, sie als
Arbeitsgrundlage in den Schulausschuss zu überweisen. Ratsherr DR. ALTHUSMANN möchte einen Zwischenruf von Herrn Riechey
aufgreifen, in dem der Mehrheitsgruppe Demokratiedefizite unterstellt worden
seien. Gerade in dem System, aus dem über 80 % der Anhänger der Linken
stammten, habe es die heutigen Mitbestimmungsrechte nicht gegeben. Er wisse
nicht, ob es demokratisch und von den Initiatoren gewünscht sei, dass die Linke
alle wie auch immer gearteten Initiativen quasi für sich übernehme. Es gebe
Schüler, die der Linken mitnichten nahe stünden und die mit Sicherheit etwas
gegen eine solche Vereinnahmung durch die Einbringung in den Rat haben. Die
Linke tue so, als ob sie die einzige Vertreterin der Rechte der Schüler und
Studenten sei. Herr Riechey maße sich hier etwas an, das ihm nicht zustehe. Die CDU im Landtag nehme die Sorgen der Schülerinnen und
Schüler sehr ernst. Die Unruhe an den Schulen sei vorhanden, zum Teile werde
sie auch forciert, aber er wolle deutlich sagen, dass durch die Reformmaßnahmen
seit 2003, beispielsweise beim Unterrichtsausfall und der fehlenden
Wiederbesetzung von Lehrerstellen sowie durch die Abschaffung der
Orientierungsstufe, die Einführung der eigenverantwortlichen Schule und des
Abiturs nach zwölf Jahren, erhebliche Reformen auf den Weg gebracht worden
seien. Auch das Wahlverfahren bei einem freien Elternwillen führe zwangsläufig
dazu, dass die Eltern – nicht zuletzt durch die schlechte Berichterstattung
über Hauptschulen – ihre Kinder vermehrt an Gymnasien anmeldeten, oft
auch ohne die entsprechende Empfehlung der Grundschule. Dies führe zu größeren
Klassen, dem Problem der Binnendifferenzierung im Unterricht, der Überforderung
der Eltern und der Lehrer und damit zwangsläufig auch der Schüler. Diese Dinge
könnten mit einer ‚guten Schule’ vermieden werden, die sich durch
kleinere Klassen, noch mehr Lehrer und einer noch höheren Investition in
Bildung erreichen ließe. Angesichts der Gesamtverschuldung Niedersachsens könne
man sich jedoch nur nach der Decke strecken. Dennoch seien die Investitionen in
Bildung in Niedersachsen in den Jahren 2002 bis 2008 stark angestiegen, allein
im Kultusbereich von 3,75 auf 4,4 Milliarden Euro. Ferner habe man an
niedersächsischen Schulen so viele Lehrer wie nie zuvor und die Zahl der
Ganztagsschulen sei seit 2003 von 145 auf 670 angestiegen. Leider ließen sich
Ideologen durch solche Fakten nicht beirren, sondern hielten an ihren
vorgefertigten Meinungen fest. Zur Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre habe man in
Hannover einstimmig mit den Gewerkschaftsverbänden einen Aktionsplan auf den
Weg gebracht, der zu mehr Ganztagsschulen und mehr Flexibilität bei der
Unterrichtseinteilung führen solle. Die Frage der Lernmittelfreiheit sei ein
alter Streitpunkt, die Erfahrung zeige, dass zu Zeiten der Lernmittelfreiheit
die Bücher in der Regel veraltet oder in einem schlechten Zustand gewesen
seien. Mit der neuen Einführung der Lernmittelfreiheit habe man ein – zugegeben
nicht immer einfaches, aber dennoch vernünftiges – System geschaffen und
insbesondere sichergestellt, dass Kindern aus sozial schwachen Familien keine
Kosten für Lernmittel entstehen. Dafür stünden fast vier Millionen Euro im
Landeshaushalt zur Verfügung, die gegenteilige Behauptung sei schlichtweg
falsch. Man habe einen guten Weg gewählt zwischen dem, was möglich sei, was
finanziell machbar sei und dem, was nötig sei. Man müsse sich mehr über Qualität und Inhalte von Schule
unterhalten, stattdessen führe man immer noch ideologische Grabenkämpfe über
Systemfragen. Diese Debatten brauche man nicht, es könne nur darum gehen, den
Schülerinnen und Schülern eine gute Schule für einen guten Schulabschluss zu
bieten. Beigeordneter LÖB sieht sich erneut vor eine seltsame Situation gestellt.
Frau Lotze versuche, mit einer fast bibelhaften Exegese die wunden Punkte des
Antrages zu finden, um diesem ja nicht zustimmen zu müssen. Herr Althusmann
beanstande, dass die Linken Anträge für Gruppen stellten, die diese selbst im
Rat nicht stellen könnten. All das seien keine Mittel und Wege, mit den
Problemen der Stadtschülerschaft umzugehen. Die Schüler fühlten sich nicht
umsonst angefressen und seien tätig geworden, es hätten sich in der Tat einige
Probleme aufgestaut. Dazu gehöre unter anderem das – jetzt vielleicht
gelöste – örtliche Problem mit dem Gymnasium in Scharnebeck, jedoch auch
andere, die die Schüler genannt haben, etwa die Forderung nach besserer
Ausstattung und kleineren Lerngruppen. Das seien sinnvolle und richtige
Forderungen, selbst die Bundeskanzlerin habe Bildung als wichtiges Ziel
ausgegeben. Das müsse umgesetzt werden, daher könne man sich nicht erlauben,
sich durch eine kleinkarierte Exegese des Resolutionstextes von den Inhalten zu
verabschieden. Natürlich sprechen Schüler Dinge anders aus, als es die
Ratsmitglieder gewohnt seien, manchmal sei das aber durchaus treffender, als
überall zu differenzieren. Es sei allgemein gewollt, dass die Schülerinnen und
Schüler politisch mündige Bürger werden und sich in die Meinungsbildung
einbringen, daher sollte man mit dieser Resolution nicht so umgehen, als wenn
sie das Papier nicht wert sei, auf dem sie gedruckt ist. Vielmehr sollte man
diese Aktivitäten loben und unterstützen. Natürlich könne man als Rat sagen, dass
man schon vieles getan habe, aber es wäre vermessen, so zu tun, als ob schon
alles erreicht sei. Einige der Probleme lägen einfach daran, dass es noch ein
aus der Kaiserzeit stammendes Schulsystem gebe. Das könne der Rat allerdings
nicht so schnell ändern, aber man könne an einer Verbesserung arbeiten, die
nicht unbedingt teurer sein müsse als das bestehende System. Hier gebe es viele
Möglichkeiten, über die man im Schulausschuss diskutieren sollte und nicht den
berechtigten Antrag ablehnen, nur weil er von den Linken komme. Beigeordnete SCHELLMANN möchte nicht erneut in die seit Jahren geführte
Diskussion einsteigen, wenngleich es Tatsache sei, dass die Politik der letzten
Jahre viele Probleme in den Schulen gebracht habe. Gerade an den Schulen in
Lüneburg sei es mit den parallel zum Unterricht laufenden Renovierungsarbeiten
eine sehr schwierige Zeit gewesen, daher habe sie Verständnis dafür, dass die
Schüler auf die Straße gingen. Was sie jedoch an dem Antrag kritisiere, sei die
Tatsache, dass die Linke sich einfach die Vorlagen zunutze mache, ohne sie zu
bearbeiten und ohne auf die wesentlichen Probleme einzugehen, die man selbst
vor Ort lösen könne. Mit einer konkreten Abstellung der Resolution auf den Rat
wäre man heute sehr viel weiter gekommen, dafür habe sich die Linke jedoch zu
wenig Mühe gegeben. Dennoch teile auch sie natürlich die Sorgen der Schülerinnen
und Schüler angesichts der Veränderungen. Darum müsse man sich kümmern, indem
man für Abhilfe bei den berechtigten Vorwürfen sorge. Für die Einführung
kleiner Lerngruppen zur besonderen Förderung habe Hannover Geld zur Verfügung
gestellt, zudem arbeite man dort an der Umgestaltung der Rahmenrichtlinien, um
die Belastung der Schülerinnen und Schüler zu senken. Es sei
selbstverständlich, dass die Lerninhalte überarbeitet würden, wenn ein
Gymnasium plötzlich von neun auf acht Schuljahre umgestellt werde. Dies dürfe
allerdings, darüber müsse man sich im klaren sein, nicht zu einer Absenkung der
Standards führen, da ansonsten das Abitur möglicherweise nicht mehr ausreiche,
um hinterher eine Universität zu besuchen. Natürlich bringe die Verkürzung eine
erhöhte Belastung für die Schüler mit sich, man dürfe aber nicht vergessen,
dass der Besuch eines Gymnasiums schon immer eine gewisse Belastung erfordert
habe. Sie habe Verständnis dafür, dass sich Frau Lotze einzelne
Sätze aus der Resolution herausgesucht habe, weil deren Inhalte einfach nicht
stimmten. Die Organisation des Unterrichts etwa könne man getrost in die Hände
der Schulleitungen legen, diese hätten einwandfrei die dafür notwendige
Kompetenz. Gerade die eigenverantwortliche Schule gebe innerhalb eines gewissen
Rahmens ein Höchstmaß an Autonomie an die Schulleitung, die Eltern und an die
Schüler. Ratsherr RIECHEY beanstandet, dass die vorgebrachten Unterstellungen nicht
korrekt seien. Er habe eine Resolution eingebracht, die zwar andere –
nämlich eine Interessengruppe, die nicht selbst Anträge an den Rat stellen
könne – geschrieben haben, der man sich aber anschließen wolle. Gerade weil
der Text nicht von ihm selber stamme, könne er nicht einfach Veränderungen
daran vornehmen. Zur Abstimmung habe man gegeben, dass sich der Rat dieser
Resolution anschließen solle, da wäre es geradezu eine Frechheit, sie textlich
zu verändern. Es lägen Beschlüsse der jeweiligen Gremien vor, Anträge für sie
einzubringen. Er sei tätig geworden auf Beschluss des Stadtschülerrates und des
AStA und habe daher exakt die dortige Wortwahl wiedergegeben. Beschluss: Der
Rat der Hansestadt Lüneburg beschließt mehrheitlich mit den Stimmen der SPD-Fraktion,
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion DIE LINKE gegen die Stimmen
der CDU-Fraktion und der FDP-Fraktion, den Antrag zur weiteren Beratung in den
Schulausschuss zu überweisen. (56a) |
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