Bürgerinformationssystem
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Beratungsinhalt: Ratsherr
MEIHSIES erläutert,
der Antrag sei aus dem Bedürfnis entstanden, dass der Rat sich stärker in die
Kooperation mit der Universität einbringe, deren Vertiefung auf verschiedenen
Ebenen bereits begonnen habe. Als Rat wolle man in die Entscheidungen mit
eingebunden sein und ggf. eine schnelle politische Einflussmöglichkeit haben.
Dies bedeute auch eine bessere Möglichkeit für die Bürgerschaft, die die
Ratsmitglieder entsende, die Geschicke der Universität zu lenken und Impulse in
diesem Bereich einzubringen. Man habe sich dabei an einem bereits eingerichteten
Beirat in der Stadt Neubrandenburg orientiert. Aus der Stellungnahme der
Verwaltung habe man von einem geplanten Kooperationsvertrag erfahren, hier
müsse der Rat bereits weit im Vorfeld eingebunden werden. Ein solcher
Kooperationsvertrag sei ein vernünftiges Projekt, dieser müsse aber gemeinsam
zwischen Verwaltung, Rat und Universität in einem Beirat entwickelt werden. Ein
solches Zusammenspiel gleich zu Beginn einer Kooperationsbestrebung sei gut für
die Entwicklung der Universität innerhalb der Mauern der Stadt Lüneburg. Man
müsse auch im Rahmen der EU-Förderung früh ansetzen mit den gemeinsamen
Überlegungen zur Stabilisierung und Stärkung der Universität und zur Förderung
der Impulse, die die Universität in die Region gebe. In einem Beirat bestehe jenseits
des politischen Schlagabtausches die Möglichkeit, eine Meinungsbildung zu
entwickeln, da ein solcher Beirat einen sanften Einstieg in die Kooperation
biete. Bürgermeister
DR. SCHARF betont,
dass eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Universität und Stadt das
gemeinsame Ziel sei. Es gehe allen darum, die Attraktivität und Akzeptanz der
Universität zu steigern, dies habe die Stadt bisher getan und werde es auch
künftig tun. Man habe kürzlich die Bildungsregion Lüneburg aus der Taufe
gehoben, auch hier spiele die Universität eine große Rolle. Die Möglichkeiten
der Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen sei auch im VHS-Beirat wiederholt
angesprochen worden. Die Liste solcher Maßnahmen könne anhand weiterer
Beispiele noch verlängert werden. Bei der Umsetzung dieses Antrages gebe es
zwei Aspekte. Zum einen müsse die formale Ebene beachtet und deutlich benannt
werden. Nach dem Hochschulgesetz habe die Universität eine autonome Stellung,
daher stehe es dem Rat nicht zu, dort hinein zu regieren oder irgendwelche
Vorschläge zu machen. Dies müsse man zur Kenntnis nehmen, um eine klare Basis
zu haben. Aus diesem Grund werde mit der Bildung eines Beirates der zweite
Schritt vor dem ersten getan. Auf der informellen Ebene gebe es eine Reihe von
Berührungspunkten über die man sprechen und die man abstimmen müsse. Er
erinnere an die Verhandlungen mit der Bundeswehr, in denen sich der damalige
Rat sehr vorausschauend für die Umwandlung der Scharnhorstkaserne in die
Universität ausgesprochen habe, wenngleich seinerzeit der Präsident der
Universität vehement dafür plädiert habe, den alten Standort beizubehalten und
weiter zu entwickeln. Auch in den Jahren darauf habe sich die Stadt Lüneburg
immer für „ihre“ Universität verantwortlich gefühlt und sich dafür eingesetzt,
die Universität voranzubringen. Die gute Zusammenarbeit sei in der letzten
Zeit, vorsichtig ausgedrückt, etwas ins Stocken geraten. Beispielsweise hätte es der Universität gut
angestanden, die Öffentlichkeit über die inhaltliche und formale Bedeutung der
Bachelor-Ausbildung und der Master-Ausbildung zu informieren. Das Thema
„Konzept der Universität“ habe seit Monaten die Spalten der Landeszeitung
gefüllt, hier seien Gerüchte aufgetaucht, ob man den gegenwärtigen Bestand der
Uni bei der Zahl der Studierenden halten wolle oder eine Reduzierung zur
Steigerung der Qualität
beabsichtige. Schließlich nenne er die unsägliche Namensdiskussion, die
die Menschen in Lüneburg bewege. Nach seinen Informationen habe man diese
Namensgebung im stillen Kämmerlein beschlossen, was er sehr bedauere. Es sei
dringend notwendig, dass man sich wieder zusammensetze, wenn man weiterhin eine
gute und vernünftige Zusammenarbeit haben wolle. Beigeordneter
DÖRBAUM stellt
fest, dass es eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Universität gebe,
diese gelte es zu festigen und auf neue Beine zu stellen. So deute er den
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Im Ziel sei man sich weitgehend
einig, bei der Durchführung habe man aber unterschiedliche Vorstellungen.
Wichtig erscheine ihm, zunächst darüber zu reden, was man unternehmen oder
fortsetzen wolle. Die Universität habe einen Umbruch hinter sich durch Fusion
mit einer Fachhochschule. Sie sei nun in der Situation, nach vorne zu schauen
und ein neues Universitätsbild für Lüneburg zu entwickeln, insofern sei es
derzeit eine nicht ganz einfache Phase. Er glaube aber, dass die
Verantwortlichen der Universität in der Lage seien, diese auf den Weg zu
bringen und für Lüneburg zu sichern. Zunächst sei es wichtig, sich zusammen zu
setzen und über Inhalte zu sprechen. Dabei gelte es, den Landkreis sofort mit
einzubeziehen. Es müsse deutlich werden, das dies keine Universität für die
Stadt sei, sondern für die gesamte Region. Man müsse gemeinsam betrachten, auf
welchen Feldern man erfolgreich gewesen sei, beispielsweise im Bereich der
Existenzgründung mit dem e.novum oder im Bereich der Umweltentwicklung mit den
Handlungsfeldern Ökologie und Solarenergie. Hier gebe es bereits Zusammenarbeit
in bestehenden Gremien. Diese Zusammenarbeit solle man in einem
Kooperationsvertrag festigen. Es sei ganz wichtig, dass in einem Beirat eine
paritätische Besetzung auch mit Vertretern der Universität erfolge. Als
Themenfelder könne er sich die wirtschaftliche Entwicklung der Region
vorstellen, die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie, die weitere
Fortschreibung der Existenzgründungskonzepte, die gemeinsame Prüfung der
Ziel-1-Förderung und eine Stadtentwicklung zur Sicherung einer zukunftsfähigen
Stadt Lüneburg. Beigeordnete
SCHELLMANN macht
deutlich, dass man schon vor langer Zeit bewiesen habe, dass die Stadt die
Universität wolle. Dies habe sich besonders bei der Umwandlung der Kaserne
parteiübergreifend gezeigt. Aus eigener Erfahrung könne sie sagen, dass die
Zusammenarbeit mit der Stadt an keiner der von ihr besuchten Universitäten so
gut gewesen sei, wie in Lüneburg. Auf der Ebene, die im Antrag angesprochen
werde, sei man schon lange tätig. Man melde sich immer zu Wort, wenn man meine,
dies tun zu müssen. Sie nenne als Beispiel das SchuBZ, die Tourismusförderung
und die Automatisierungstechnik. Sie sei nicht für einen neuen Beirat, da es
laufende Gespräche auf informeller Ebene mit dem Präsidenten der Universität
und dem Oberbürgermeister gebe. Dies reiche völlig aus, zumal man die Autonomie
der Universität beachten müsse, hieran könne auch ein Beirat nichts ändern. Mit
dem Antrag springe der Antragsteller lediglich auf einen fahrenden Zug auf. Ratsherr
RIECHEY freut sich
darüber, dass durch den Antrag die Suche nach Lösungswegen für eine bessere
Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität eingeleitet würde. Bei der
Ausgestaltung des Beirates habe seine Fraktion geringfügig andere
Vorstellungen, was durch den Änderungsantrag deutlich werde. Bei der Besetzung
sollten alle Gruppen innerhalb der Universität beteiligt werden. Dies müsse
auch juristisch möglich sein. Die
Universität werde zwar in der Tat durch den Präsidenten vertreten, die
jeweiligen Organe der Universität besäßen jedoch eigenständige Rechte und
könnten sich auch nach außen artikulieren. Es gehe nicht um das Ausplaudern von
geheimen Universitätsinterna, sondern um die gemeinsame Definition von Zielen
und um Zusammenarbeit, wobei es gelte, eine Vielzahl von Missverständnissen
auszuräumen und zu klären. Genau für diese Fragen sei es gut und richtig, einen
Beirat zu bilden und dadurch einen Informationsfluss herzustellen. Dafür müsse
man aber zuerst den Beirat bilden, aus dessen Arbeit die Inhalte erst definiert
würden. Die Inhalte sollten nicht vorab zwischen dem Präsidenten und dem Oberbürgermeister
abgesprochen, sondern in dem beantragten Beirat behandelt werden. Erster
Stadtrat KOCH weist
auf darauf hin, dass die genannte Kooperationsvereinbarung von der Verwaltung
gerade erarbeitet werde. Sie könne theoretisch durchaus in einem Beirat
sozusagen basisdemokratisch ausgearbeitet werden. Nach den Vorschriften der
Niedersächsischen Gemeindeordnung bereite jedoch der Oberbürgermeister die
Beschlüsse des Verwaltungsausschusses und des Rates vor, hierbei bedürfe es wie
auch in anderen Fällen einer fachlichen Vorbereitung unter Einbeziehung der
Universität und ihrer Gremien. In welcher Form und durch welche ihrer Organe
diese Beteiligung geschehe, sei Angelegenheit der Universität selbst.
Ansprechpartner von außen sei zunächst der Präsident, der nach den für ihn
geltenden Verfahrensregeln über weitere Maßnahmen entscheide. Des weiteren sei
bereits in der Stellungnahme der Verwaltung darauf hingewiesen worden, dass der
Rat bereits mehrfach in den Räumen der Universität getagt habe und der Präsident
im Gegenzug regelmäßig dem Rat eine ausführliche Übersicht über die Entwicklung
und die strategische Ausrichtung der Universität vorgestellt habe. Er könne
sich nicht erinnern, dass bei dieser Gelegenheit von irgendeiner Seite die
Etablierung eines Beirates gewünscht worden sei. Man solle diese Diskussion mit
der Universität führen und die Verwaltung werde das vorbereiten. Münden werde
es vermutlich in einer strategischen Rahmenvereinbarung, da es unmöglich sei,
in einem solchen Papier alle erdenklichen Felder der Zusammenarbeit
abschließend aufzulisten, da diese ständig aktuell und in Bewegung seien. Beigeordneter
LÖB unterstreicht,
dass es Kommunikationsprobleme zwischen der Universität und den Bürgern gebe.
Solche Kommunikationsprobleme könnten in der Regel durch die Politiker
vermittelt werden, wenn sie denn darüber Bescheid wüssten. Man wisse jedoch
auch nicht mehr als das, was in der Zeitung zu lesen sei. Ebenso wisse jedoch
auch die Universität über viele Dinge der Stadt nicht ausreichend Bescheid.
Dieser Prozess des Zusammenbewegens von Uni und Stadt solle jetzt stattfinden.
Ziel eines Beirates sei es, genau diese Gespräche zu führen und insbesondere
die kleinen Dinge zu klären. Er erinnere an die geführten Gespräche zur
Parkplatzsituation. Wen die Universität letztlich schicke, könne und müsse sie
selbst entscheiden, darauf könne man keinen Einfluss nehmen, auch wenn man sich
vielleicht wünsche, dass alle Gruppen vertreten seien. Wichtig sei es jedoch,
als Politik selbst in die Kommunikation zu kommen und sich nicht selbst zu
beschneiden, indem man die Gespräche der Verwaltungsspitze überlasse. Er halte
es auch nicht für sinnvoll, den Landkreis zu beteiligen. Wenn man von einer Uni
für die Region spreche, müsse man auch noch den Landkreis Uelzen und den
Landkreis Harburg und viele weitere hinzuziehen. Bei den vorhandenen Problemen
handele es sich derzeit vor allem um solche zwischen Uni und Stadt, wenn
künftig weitergehende Probleme aufträten, könne man sich immer noch weiter
öffnen. Man halte den beantragten Beirat aufgrund der bestehenden
Kommunikationsprobleme für dringend erforderlich, jeder habe dies zuletzt bei
der Namensdiskussion mitbekommen. Ratsherr
ALTHUSMANN
entgegnet, er sei immer sehr vorsichtig wenn es darum gehe, neue Beiräte zu bilden,
da diese oftmals glaubten, sie könnten steuernd in das operative Geschäft
eingreifen. In Lüneburg sei die Universität zu einer Stiftungsuniversität
gemacht worden mit einem eigenen Vermögen und dem Anspruch größerer Autonomie.
Wer nun den umgekehrten Weg gehen und mit einem Beirat lenkend und steuernd
eingreifen wolle, solle dies lieber unterlassen. Ob ein Beirat nütze, werde die
Zeit zeigen, Schaden werde er sicherlich nicht anrichten wenn es darum gehe,
die Universität zu begleiten bei ihrem Entwicklungsprozess in den nächsten
Jahren. Es komme in der Zukunft darauf an, die Universität behutsam
fortzuentwickeln, den wissenschaftlichen Mittelbau in der Universität
mitzunehmen auf einen Prozess, um die Uni Lüneburg im Forschungsranking in
Deutschland aus dem letzten Drittel heraus weiter nach vorne zu bringen. Was
den neuen Namen betreffe, sei er selber skeptisch, ein solcher Begriff könne
aber mit der Zeit einen gewissen Charme entwickeln, wenn es sich bei der
Leuphana am Ende um ein Netzwerk handele, in dem eine Bildungsregion aus Stadt
und Landkreis Lüneburg zusammen finde. Die große Zahl der Studierenden komme
aus der Region, daher solle man sich als Rat und als Kreistag ein wenig in der
Verantwortung sehen, die Universität in ihrem Entwicklungsprozess zu begleiten.
Es sei völlig richtig, die Frage zu stellen, wie die Universität in das
Stadtentwicklungsprojekt Lüneburg 2020 hinein passe und welche wesentlichen
Aufgaben und Funktionen die Universität gemeinsam mit der Stadt übernehmen
könne. Dies sei im übrigen das einzige Wissenschaftsprojekt im gesamten Raum
Nordostniedersachsen, über die Ziel-1-Förderung werde es vermutlich dazu
kommen, eine Summe von bis zu 120 Millionen Euro für Kooperationsprojekte zum
Wohle von Mittelstand und Handwerk generieren zu können. Insofern solle man
einen Beirat immer nur als Entwicklungshelfer verstehen. In der
Wissenschaftslandschaft sei es nahezu unbestritten, dass die Universitäten am
besten beraten seien, wenn sie sich von Einflüssen von Politikern und
Verwaltungen möglichst fernhielten und ihren eigenen Weg gingen. Man solle
zumindest die Chance ergreifen, Lüneburg zusammen mit der Universität insgesamt
zu einer Blüteregion zu machen. Beigeordneter
DÖRBAUM beantragt,
den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und die beiden Änderungsanträge
zur weiteren Beratung in den Verwaltungsausschuss zu überweisen und dort
zusammengefasst zu behandeln. Ratsherr
MEIHSIES
unterstützt den Vorschlag des Beigeordneten Dörbaum und regt an, im Rahmen des
Kooperationsvertrages die Bildung eines Beirates als Baustein mit einzubringen.
Man müsse schauen, dass man für beide Seiten, für Stadt und Universität, den
größten Nutzen herbeiführe. Beschluss: Der
Rat der Stadt Lüneburg beschließt mehrheitlich bei 2 Enthaltungen und 1
Gegenstimme der FDP-Fraktion: Der
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie die Änderungsanträge der Gruppe
SPD/CDU und der Fraktion Die Linke werden zur weiteren Beratung in den
Verwaltungsausschuss überwiesen. (401;
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